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Staatsbankrott: geordnet oder ungeordnet

| Tags: Daniel Kalt

Auch wenn nach den Wahlen in Griechenland viele Fragen offen bleiben, ist eines schon heute klar: Ein neuerlicher Staatsbankrott wird kommen.

Die Umschuldung diesen Frühling hat die griechische Schuldenquote gerade mal um 8% reduziert. Sie beträgt noch immer enorme 155% der jährlichen Wirtschaftsleistung (BIP). Nun kann ein „Staatsbankrott“ sehr unterschiedlich ablaufen. Bei einer ungeordneten Staatspleite geht dem Land abrupt das Geld aus. Wenn Griechenland selbst bei entschärftem Sparprogramm bis im Herbst erneut die Vorgaben verfehlt, könnte die Troika (Europäische Zentralbank, EU-Kommission und Internationaler Währungsfonds) einfach den Geldhahn zudrehen. Griechenland könnte dann die fälligen Zinsen oder Anleihen nicht mehr bezahlen. Solche ungeordneten Staatspleiten (wie in Argentinien 2001) verlaufen meist chaotisch und führen ein Land noch tiefer in die Rezession. Die Gläubiger müssen in schwierigen Nachverhandlungen festlegen, wer wie viel seiner Ansprüche abschreiben muss. Weniger schmerzhaft ist es, wenn der Staatsbankrott „geordnet“ abläuft, wenn also die Geldgeber schon im Voraus die Sanierungsschritte festlegen. Konkret könnte vorgängig bestimmt werden, dass zur Rückzahlung fällige Anleihen in neue, 30 Jahre laufende Anleihen mit sehr niedrigem Zins umgewandelt werden. Eine solche Umschuldung gäbe den Griechen genügend Zeit, sich aus dem Schlamassel heraus zu arbeiten.