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Eurobonds: Allheilmittel in der Eurokrise?

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Frankreichs Präsident Francois Hollande hat für eine Lösung der Eurokrise die Einführung von Eurobonds gefordert. Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel lehnt dies strikte ab.

Eurobonds sind Staatsanleihen, für die nicht ein einzelnes Land alleine haftet, sondern hinter welchen alle Eurozonenländer gemeinsam stehen. Weil  hinter einem solchen Eurobond die gemeinsame Finanzkraft aller Euroländer – und insbesondere Deutschlands - steht, hat dies für die hochverschuldeten Südländer den Vorteil, dass die Zinsen, die auf diesen Anleihen zu bezahlen sind deutlich tiefer liegen als heute. So müsste Portugal, um für 10 Jahre Gelder aufzunehmen, nicht 12% Zins, sondern lediglich etwa 4% pro Jahr bezahlen. Im Gegenzug würden sich die Finanzierungskosten für Deutschland massiv verteuern. Deutschland profitiert momentan von der Anlegerflucht in den sicheren Hafen der deutschen Bundesanleihen und kann 10-jährige Gelder zu nur 1,5% Zins aufnehmen. Doch Angela Merkel steht mit Blick auf die Wahlen im nächsten Jahr bereits unter Druck. Sie will den Deutschen Steuerzahlern nach den schon geleisteten Milliardenhilfen nicht nochmals enorme Eurobond-Garantien zugunsten der Südländer und massiv höhere Finanzierungskosten zumuten. Sie wird Eurobonds weiter ablehnen – und das Hin und Her zwischen den Politikern wird weiter eskalieren, genauso wie die Nervosität an den Finanzmärkten.

Daniel Kalt, Chefökonom Schweiz von UBS Chief Investment Office erklärt wöchentlich Wirtschaftsbegriffe exklusiv im Blick am Abend.