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"GREXIT": Beginn des Eurozerfalls?

| Tags: Daniel Kalt

In der Finanzpresse hohe Wellen geworfen hat jüngst der Begriff "GREXIT", was nichts anderes als die Abkürzung für "Greek Exit" ist; zu Deutsch: Austritt Griechenlands aus der Eurozone.

Auch wenn die Wahrscheinlichkeit für ein solches Ereignis mit den chaotischen Wahlereignissen der letzten Wochen gestiegen ist, erachten wir einen Austritt Griechenlands in nächster Zeit als eher unwahrscheinlich. Erstens, ist ein Austritt, der das Land noch tiefer in die Depression stürzen würde, für keine griechische Regierung eine rationale Strategie. Besser drin bleiben, die Sparprogramme in abgeschwächter Form neu aushandeln, weitere Hilfskredite empfangen und später die Schuldenberge erlassen bekommen. Zweitens ist ein Austritt Griechenlands auch für die Euroländer und ihre Regierungen ein brandgefährlicher Schritt. Ein Austritt Griechenlands könnte den Beginn des Zerfalls der Eurozone markieren. In Ländern wir Portugal oder Spanien, die bereits mit dem Rücken zur Wand stehen, könnte sich der bereits in Ansätzen sichtbare Sturm auf die Banken dramatisch beschleunigen bis alle Dämme brechen. Nur extreme Massnahmen könnten wohl eine solchen Zerfallsprozess stoppen: Etwa die unlimitierte Garantie aller Sparguthaben bei Banken, der weitere Aufkauf von Staatsanleihen durch die Europäische Zentralbank und letztlich wohl nur die Errichtung einer Fiskal- und Transferunion, also die Gründung der Vereinigten Staaten von Europa.

Daniel Kalt, Chefökonom Schweiz von UBS Chief Investment Office erklärt wöchentlich Wirtschaftsbegriffe exklusiv im Blick am Abend.