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CHF: Getrübte Verschnaufpause für die SNB

| Tags: Daniel Kalt

Der Schweizerischen Nationalbank (SNB) bleibt kaum etwas erspart. Es ist keine vier Wochen her, seit der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) Mario Draghi mit der Ankündigung eines neuen Anleihenkaufprogramms den Euro gestärkt und den enormen Druck ständiger Währungsinterventionen von der SNB genommen hat. Das zwischenzeitliche Ansteigen von EURCHF auf über 1.2160 war eine willkommene Verschnaufpause für unsere Währungshüter, die zuvor allein im Mai, Juni und Juli für rund 170 Mrd. Franken Devisen aufkaufen musste, um die EURCHF-Untergrenze von 1.20 zu verteidigen.

Doch letzte Woche kam die SNB unverhofft erneutes Sperrfeuer von seitens der Ratingagentur Standard & Poor’s auf, die in einem Bericht der SNB vorwarf, sie würde die Spannungen zwischen den Euroländern mit ihren Käufen von Staatsanleihen der Kernländer verstärken und so die Eurokrise verschärfen. Die SNB hätte im laufenden Jahr für rund 80 Mrd. Franken Staatsanleihen aus Deutschland, der Niederlande und weiteren Kerneuroländern gekauft, was die SNB – in einem eher unüblichen Schritt – umgehend dementierte. In der Tat scheinen die Berechnungen von S&P fragwürdig, denn die Autoren der Studie scheinen übersehen zu haben, dass die SNB wesentliche Teile ihrer Eurokäufe nicht in Staatsanleihen investiert hat, sondern vorläufig auf Depositenkonten bei europäischen Notenbanken (wohl primär der deutschen Bundesbank) parkiert hält. Insofern müssen wohl die Vorwürfe von S&P erheblich relativiert werden.

Dass die SNB die Eurokrise verschärfen könnte, ist allemal ein skurriler Gedankengang, denn eigentlich ist es doch so, dass die SNB versprochen hat, den Euro zu stützen, wann immer er unter Druck kommt. Ja sie hat sogar versprochen, zur Verteidigung der Untergrenze „unlimitiert“ Euros zu kaufen sollte dies erforderlich sein. So gesehen könnte man die SNB gar als dritten Euro-Rettungsschirm betrachten, der im Gegensatz zu EFSF und ESM sogar nach oben unlimitiert ist. Zur Erinnerung: In Deutschland wacht das Verfassungsgericht mit Argusaugen darüber, dass die Haftungslimite des Deutschen Staates auf 190 Mrd. Euro begrenzt bleibt.

Die Kontroverse um die Rolle der SNB bleibt allerdings ein Nebenschauplatz. Der SNB wurde trotz allem eine spätsommerliche Verschnaufpause gewährt, die aber bald zu Ende sein wird. Denn die Entwicklung dürfte für die SNB wieder anspruchsvoller werden. Spanien wird wohl bald gezwungen, sich unter ein überwachtes Sparprogramm zu begeben, um von der EZB mittels Staatsanleihenkäufe gestützt zu werden. Die Verhandlungen um die Errichtung einer Bankenunion verlaufen harzig und Gelder aus dem ESM können erst dann zur Stützung von Banken eingesetzt werden, wenn diese errichtet ist. Darüber hinaus bleibt die Situation in Griechenland weiterhin äusserst fragil. Herausforderungen genug also, dass die SNB über die nächsten Wochen und Monate erneut gezwungen werden könnte, hohe Beträge aufzuwenden, um die Frankenuntergrenze zu verteidigen.