
Zinsanstieg in den USA und Europa
Bei Lesen der aktuellen Meldungen aus der Wirtschaft kommt man an einem Thema nicht vorbei: Die Zinsen steigen. Letzte Woche hat die US-Notenbank Fed ihren Leitzins von 3,5 auf 3,75 Prozent erhöht. Zudem kletterten die Renditen 10-jähriger US-Staatsanleihen in den letzten Wochen auf über 5 Prozent – das höchste Niveau seit fast 20 Jahren.
Auch in Europa ist ein Zinsanstieg zu beobachten. Eine Woche vor der Fed hatte die Europäische Zentralbank (EZB) die Leitzinsen auf 2,5 Prozent angehoben. Die Renditen 10-jähriger deutscher und französischer Staatsanleihen notieren mit 3,5 beziehungsweise 4,5 Prozent auf dem höchsten Niveau seit 2008.
Die Gründe für den Zinsanstieg sind vielfältig: eine hohe Inflation – ausgelöst durch steigende Erdölpreise infolge des Konflikts im Nahen Osten –, die zunehmende Kapitalnachfrage von Technologiekonzernen zur Finanzierung grosser Investitionen im Bereich der künstlichen Intelligenz und nicht zuletzt die Sorgen um die rekordhohe Staatsverschuldung in vielen Ländern.
Kaum ein Zinsanstieg in der Schweiz
Die Schweizer Zinsen scheinen von diesem Zinsanstieg nicht betroffen zu sein. Die Renditen 10-jähriger Schweizer Staatsanleihen betragen rund 0,5 Prozent. Das ist erstaunlich, notierten doch im Jahr 2022 die Renditen von Schweizer und deutschen Anleihen noch auf dem gleichen Niveau. Aktuell liegen die Zinsen in der Schweiz rund 3 Prozentpunkte tiefer.
Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat an ihrer Sitzung vom 24. September den Leitzins unverändert bei 0 Prozent belassen. Als einen der Gründe für ihre Entscheidung führte die Nationalbank die weiterhin niedrige Inflation von 0,8 Prozent an. In den USA und in der Eurozone liegt die Inflation mehr als 2 Prozentpunkte höher. Ähnlich markant ist der Unterschied bei der Staatsverschuldung: Während sie in den USA und in vielen Ländern der Eurozone bei über 100 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) liegt, beträgt sie in der Schweiz weniger als 40 Prozent des BIP.
Aber auch die SNB dürfte nicht ewig an ihrer Nullzinspolitik festhalten. Wenn sich die Auslastung der Schweizer Wirtschaft in den kommenden Quartalen weiter verbessert, erwarten wir von der Nationalbank Zinserhöhungen in der ersten Hälfte des nächsten Jahres. Allerdings erwartet der Kapitalmarkt solche Erhöhungen bereits, weshalb sie die längerfristigen Zinsen, zum Beispiel die Renditen von Staatsanleihen oder die Hypothekarzinsen, nur wenig bewegen dürften.
Das Tiefzinsumfeld in der Schweiz dürfte fortbestehen, auch wenn die Zinsen in Europa und den USA derzeit steigen. Bei der Inflation, der Staatsverschuldung und den Leitzinsen unterscheidet sich die Schweiz deutlich von diesen Regionen.
Was bedeutet das nun für Anleger?
Das Tiefzinsniveau begünstigt weiterhin Hypothekarnehmerinnen und -nehmer. Die Hypothekarzinsen hängen eng mit dem allgemeinen Zinsniveau und dessen Entwicklung zusammen und dürften daher weiterhin relativ tief bleiben.
Auch bei einem leichten Zinsanstieg dürften die Zinsen auf Sparkonten tief und unter Berücksichtigung der Inflation wahrscheinlich negativ bleiben. Ähnliches gilt für Anleihen.
In den vergangenen zehn Jahren erzielte der Swiss Performance Index insgesamt eine Rendite von 100 Prozent, der S&P 500 gar 220 Prozent – jeweils in Schweizer Franken und inklusive reinvestierter Dividenden. Sparguthaben in Franken und Schweizer Anleihen kamen im gleichen Zeitraum auf 1,5 beziehungsweise 2,9 Prozent, einschliesslich Zinserträgen. Aktien bieten höhere Ertragschancen, allerdings auch deutlich höhere Risiken. Ein gut diversifiziertes Portfolio bleibt deshalb unverzichtbar.