
Viele Anlegerinnen und Anleger haben ihre traditionellen Aktien- und Anleihenportfolios in den letzten Monaten um Gold ergänzt, um sich gegen unerwartet steigende Inflation, geopolitische Unwägbarkeiten oder das Risiko einer Währungsabwertung angesichts hoher Staatsdefizite in den Industrieländern abzusichern.
Unserer Meinung nach ist für Anleger jedoch nun die Zeit gekommen, um ein breiteres Spektrum an Rohstoffen in Erwägung zu ziehen. Diese können in Zeiten, in denen Versorgungsengpässe im Energiesektor und erneute Inflationsschübe die Renditen von Aktien und Anleihen belasten, eine strukturelle Renditequelle und Diversifizierungschance bieten.
Rohstoffe, insbesondere ausgewählte Industriemetalle, dürften zudem von langfristigen Trends wie der Elektrifizierung, dem steigenden Strombedarf und Investitionen in die Infrastruktur für künstliche Intelligenz (KI) profitieren. Während die Nachfrage aus diesen Bereichen steigt, kann das Angebot an vielen Rohstoffmärkten kaum Schritt halten.
Warum jetzt?
Nachdem die Goldpreise im August um rund 10% gestiegen sind, könnte jetzt der Zeitpunkt für Anleger mit bedeutenden Beständen gekommen sein, um Gewinne mitzunehmen und ihr Rohstoffengagement über die traditionellen «sicheren Häfen» hinaus auszubauen.
Ferner sind wir der Ansicht, dass ein Engagement im Energiesektor angesichts der derzeitigen Lage mit erneuten Angriffen im Nahen Osten einen Schutz vor weiteren Versorgungsengpässen bieten kann. Langfristig könnte eine unerwartet starke Ölnachfrage nahelegen, das Rohölengagement in Portfolios zu überprüfen.
Ferner sprechen kurzfristige Impulse in den Bereichen Agrarwirtschaft und Industriemetalle für ein breiteres Engagement. Die mit El Niño verbundenen Risiken kommen dem Sektor Agrarwirtschaft zugute, während die durch KI bedingte Nachfrage zu einer nach wie vor robusten Entwicklung der Metallpreise beiträgt.
Einschätzung von Gold
Unseres Erachtens dürften die Nachfrage der Zentralbanken, die anhaltende Diversifizierung weg vom US-Dollar und die weltweiten Bedenken über die Verschuldung weiterhin eine bedeutende strukturelle Unterstützung bieten. Für Anleger, die nach den starken Preisen des vergangenen Jahres beträchtliche Zugewinne erzielt haben, könnten die höheren Preise eine Gelegenheit bieten, um einen Teil ihres Engagements auf andere Rohstoffsektoren umzuschichten.
Nach unserem Dafürhalten sollten Anleger Gold unvermindert als nützliche strategische Diversifizierung sehen. Wir schätzen die weitere Entwicklung der Goldpreise in den nächsten zwölf Monaten weiterhin optimistisch ein. Manche Anleger möchten vielleicht auch strukturierte Strategien in Erwägung ziehen, um ihre Position in Gold aufzustocken und zugleich Erträge aus Optionen zu erzielen oder von Volatilität als Renditequelle zu profitieren.
Wie stark sollten sich Anleger in Rohstoffen engagieren und wie können sie in diesem Bereich investieren?
Rohstoffe bieten Erstanlegern unter Umständen eine Möglichkeit, vom globalen Wirtschaftswachstum zu profitieren, sich gegen die Inflation abzusichern und Risiken zu streuen. Ausserdem können sie ein Engagement in Bereichen der Finanzmärkte ermöglichen, die an den lokalen Aktienmärkten unter Umständen unterrepräsentiert sind. So weisen beispielsweise breite europäische Aktienindizes wie der MSCI EMU ein Engagement von rund 8% im Energie- und Rohstoffsektor auf, während der grösste Sektor (Finanzwerte) in etwa 25% ihrer Marktkapitalisierung ausmacht.
Unsere Analyse der Aktien- und Rohstoffrenditen in den Industrieländern weist ferner darauf hin, dass die Korrelation zwischen Rohstoffen und Aktien im vergangenen Jahr sowohl über einen Zeithorizont von drei als auch von sechs Monaten hinweg abgenommen hat (siehe Daten des MSCI World und des CMCI). Anders gesagt: Rohstoffe weisen bei fallenden Aktienkursen eher eine Aufwärtstendenz auf und umgekehrt. Diese negative Korrelation könnte helfen, die Portfoliorenditen in Zeiten eines unsteten Nachrichtenzyklus im Hinblick auf geopolitische und technologische Entwicklungen zu glätten.
Das CIO bevorzugt aktive Ansätze mit Fokus auf den vielversprechendsten Chancen, Kostenkontrolle und Flexibilität bei veränderten Marktbedingungen.
Aktuell empfiehlt das CIO, in einem diversifizierten Portfolio eine Allokation im mittleren bis hohen einstelligen Bereich in Rohstoffen zu halten. Dies ermöglicht eine angemessene Diversifikation ohne ein übermässig hohes Risiko. Die genaue Gewichtung hängt von den Zielen der Anleger, ihrer Risikobereitschaft und den Marktperspektiven ab. Regelmässige Überprüfungen und Neugewichtungen sind wichtig, um für ausgewogene Portfolios zu sorgen.
Rohstoffe können eine wertvolle Rolle in Portfolios spielen, bisweilen aber auch Volatilität ausgesetzt sein. Am stärksten sind die Renditen, wenn die Ungleichgewichte zwischen Angebot und Nachfrage erhöht sind oder grössere gesamtwirtschaftliche Risiken bestehen – wie Inflation oder geopolitische Ereignisse. In solchen Phasen kann ein breites Rohstoffengagement zur Diversifikation und Reduzierung von Schocks auf Portfolioebene beitragen.