Einblicke in die Anlagestrategie Was spricht jetzt für Infrastrukturanlagen?

Was ist Infrastruktur, welche Vorteile bietet diese Anlageklasse für ein Portfolio und wie investiert man darin?

von Matthew Carter 12. Aug 2026

Was ist Infrastruktur?
Unter Infrastruktur versteht man die wesentlichen Einrichtungen und Systeme, die eine funktionierende Gesellschaft benötigt. Dazu gehören Verkehrs-, Kommunikations-, Wasserversorgungs- und Energiesysteme.

Investitionen in die Kerninfrastruktur umfassen in der Regel die Bereitstellung von Kapital für Anlagen wie Strassen, Brücken, Tunnels, Wasserversorgungssysteme, Kanalisationen, Strom- und Telekommunikationsnetze. Diese Anlagen sind für Wirtschaftsaktivitäten unabdingbar. Aufgrund der hohen Anfangskosten sind diese Märkte für neue Unternehmen oft schwer zugänglich. Etablierte Bauunternehmen für Infrastruktur verfügen häufig über eine hohe Preisstellungsmacht.

Was spricht jetzt für Infrastrukturanlagen?
Das derzeitige makroökonomische Umfeld könnte eine gute Gelegenheit sein, um dem Infrastruktursektor wieder mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Dies gilt vor allem für Anlegerinnen und Anleger, die in diesem Bereich ein noch zu geringes Engagement aufweisen.

Der Infrastruktursektor profitiert nämlich von strukturellen Wachstumstrends. So dürften langfristige Entwicklungen, beispielsweise das weltweite Bevölkerungswachstum, die zunehmende Verbreitung der künstlichen Intelligenz (KI), die Neuausrichtung der Lieferketten, das Streben nach Energiesicherheit und die Bemühungen um Netto-Null-Kohlenstoffemissionen, bis 2040 kumulierte Infrastrukturausgaben in Höhe von über USD 100 Bio. in den Bereichen Verkehr, Energie, Digitalisierung und Soziales fliessen lassen (basierend auf einer Analyse von McKinsey).

Infrastruktur kann den Herausforderungen einer ungewissen Welt trotzen. Die anhaltenden Spannungen im Nahen Osten, die bevorstehenden US-Zwischenwahlen und mögliche Rückschläge bei den Investitionen in KI bergen ungebrochen wesentliche Risiken im Hinblick auf das makroökonomische Umfeld und die Inflation. In einem solchen Umfeld zeichnen sich Infrastrukturanlagen durch Widerstandsfähigkeit aus. Viele bieten stabile, inflationsgebundene Erträge, mit denen sich die Auswirkungen eines langsameren Wirtschaftswachstums und einer hartnäckigen Inflation auffangen lassen. Daten von Cambridge Associates zufolge haben infrastrukturbezogene Anlagen im Jahr 2025 eine Rendite von 10,9% erzielt und in den letzten zehn Jahren eine durchschnittliche jährliche Rendite von 10,8% verbucht.

Diese Anlageklasse kann helfen, die Renditen eines Portfolios zu glätten und zu diversifizieren. Infrastrukturanlagen bieten Diversifikationsvorteile: Die Korrelation dieser Anlageklasse mit einem traditionellen 60/40-Aktien/Anleihen-Portfolio ist in den letzten Jahren auf rund 30% gesunken. Ferner stellen Infrastrukturanlagen aufgrund ihrer geringen Korrelation mit Gold eine überzeugende Ergänzung bei der Portfoliodiversifikation dar.

Welche verschiedenen Arten von Infrastrukturanlagen gibt es?
Die «Core»-Strategien konzentrieren sich auf Brownfield-Objekte (Investitionen in bestehende Objekte) mit minimalem Investitionsbedarf und geringer betrieblicher Komplexität. Die daraus zu generierenden Einnahmen sind aufgrund vertraglich vereinbarter oder regulierter Erlöse in der Regel vorhersehbar. «Core»-Vermögenswerte sind im Allgemeinen weniger sensibel gegenüber dem Wirtschaftswachstum und die Renditen korrelieren mit der Inflation.

Anlagen können sensibler auf die Wirtschaftstätigkeit reagieren oder leichte entwicklerische Verbesserungen benötigen, um ein höheres Renditepotenzial zu erzielen. Beispielprojekte sind Investitionen in Versorger, vertragsgebundene oder regulierte Mautstrassen und Pipelines sowie soziale Infrastruktur.

Die Renditen dieser beiden Strategien liegen in der Regel zwischen 5% und 10%, gemessen am internen Zinsfuss (IRR), nach Abzug der Gebühren, und weisen eine hohe Ertragskomponente auf.

Eine «Value-Add»-Strategie ist mit einem höheren Risiko verbunden. Sie konzentriert sich hauptsächlich auf bestehende Vermögenswerte, bei denen gewisse Investitionen erforderlich sind, um die Leistungen zu verbessern oder auszuweiten. Da hier in komplexere Anlageinstrumente investiert wird, sind die Erträge in der Regel weniger vorhersehbar als bei «Core»-Strategien. Der Cashflow wird unter Umständen reinvestiert und erst nach Abschluss der Verbesserungsmassnahmen ausgezahlt. «Value-Add»-Vermögenswerte korrelieren in der Regel stärker mit dem BIP als «Core»-Vermögenswerte und weisen eine gewisse Inflationssensitivität auf.

Zu den diesbezüglichen Projekten gehören Investitionen in Eisenbahnen, Flughäfen, nicht regulierte Pipelines und Energieerzeugung. Die Zielrenditen liegen in der Regel bei 10% bis 14% IRR, nach Abzug der Gebühren, und setzen sich aus Erträgen und Kapitalzuwachs zusammen.

Für Anleger mit der höchsten Risikotoleranz konzentrieren sich opportunistische Strategien darauf, Renditen durch Greenfield-Projekte (Investitionen in neue Anlagen) oder Vermögenswerte zu erzielen, die erhebliche Kapitalaufwendungen erfordern. Opportunistische Investitionen sind mit einer bedeutenden Nachfrageunsicherheit verbunden, die Renditen korrelieren gewöhnlich stärker mit den Marktzyklen und normalerweise sind die Verschuldungsquoten geringer.

Diesbezügliche Projekte wären Investitionen in unabhängige Kraftwerke, Telekommunikationsanlagen und den nicht regulierten Entsorgungssektor. Die Zielrenditen liegen in der Regel bei mindestens 14% IRR nach Abzug der Gebühren und setzen sich aus Erträgen und Kapitalzuwachs zusammen.

Welche Instrumente können Anleger nutzen, um sich in Infrastruktur zu positionieren?
Infrastrukturanlagen, bei denen es sich in der Regel um alternative Anlagen an nicht börsengehandelten Märkten handelt, können über Direktinvestitionen, Infrastrukturfonds oder öffentlich-private Partnerschaften erfolgen. Früher war diese Anlageklasse grossen institutionellen Anlegern vorbehalten. Mittlerweile steht sie jedoch einer breiteren Anlegergemeinde über unterschiedlichste Strukturen zur Verfügung, von denen einige unter normalen Marktbedingungen möglicherweise eine höhere Liquidität bieten.

Was spricht laut CIO dafür – und wie lässt sich die Anlageklasse in ein Portfolio integrieren?
Im aktuellen Umfeld finden wir Infrastrukturanlagen der Kategorien «Core» und «Core-Plus» in nichtzyklischen Sektoren am attraktivsten. Unserer Ansicht nach bieten sie solide, vorhersehbare und inflationsgeschützte Ertragsströme und somit einen verlässlichen Anker für Portfolios. Umgekehrt sind Vermögenswerte in der Entwicklungsphase nach wie vor anfällig für Projektverzögerungen und Kostenüberschreitungen, sollte es verstärkt zu wirtschaftlichen oder politischen Problemen kommen. Daran wird ersichtlich, wie wichtig Selektivität und Risikomanagement sind.

Welche Risiken bestehen?
Auch wenn Infrastrukturanlagen als Teil eines gut diversifizierten Portfolios zahlreiche potenzielle Vorteile bieten, weisen sie dennoch Risiken auf. Zu den wichtigsten Risiken zählen Illiquidität, Verschuldungsgrad, Ausfallrisiko, Branchenkonzentration und der Transaktionszeitpunkt. Veränderungen der allgemeinen Geschäftslage können sich auf die Endnutzernachfrage für Infrastruktur auswirken, vor allem in BIP-sensitiven Sektoren wie dem Transportwesen und dem Energiesektor. Zudem können politische und regulatorische Risiken den Wert von Infrastrukturanlagen beeinflussen, da sich politische Kursänderungen auf vertraglich vereinbarte Erträge und künftige Cashflows auswirken können. Anleger sollten ihre Anlagen über verschiedene Sektoren und Regionen hinweg streuen und Fondsmanager mit lokaler Expertise auswählen, um diese Risiken zu reduzieren.

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