
Halbleiterunternehmen verzeichneten in den letzten Wochen eine beträchtliche Volatilität ihrer Aktienkurse, wobei der Philadelphia Semiconductor Index in den letzten Handelssitzungen hinter den globalen Aktien (gemessen am MSCI AC World) zurückblieb.
Diese Volatilität war auf Bedenken der Anleger über die künftige Entwicklung der Investitionsausgaben und die Nachhaltigkeit der KI-bedingten Nachfrage zurückzuführen. Die jüngste Welle der Besorgnis wurde durch Medienberichte ausgelöst, wonach Meta Platforms im Cloud-Infrastruktur-Geschäft tätig werden und Zugang zu KI-Rechenleistung und KI-Modellen anbieten könnte.
Allgemeiner betrachtet haben die Aktienkurse von Mega Caps aus dem Technologiesektor nachgegeben. Im Zuge dessen kamen Zweifel auf, ob diese Unternehmen die aggressive Expansion ihrer Investitionen in KI fortsetzen werden. Die Bedenken nehmen zu, dass Unternehmen möglicherweise ihre Investitionen drosseln, indem sie kostengünstigere Open-Source-KI-Modelle einsetzen, oder dass sie überschüssige Rechenkapazitäten an externe Kunden vermieten, um ihre Cashflows zu verbessern.
Das Chief Investment Office (CIO) bleibt jedoch hinsichtlich der gesamten KI-Wertschöpfungskette optimistisch. Nach unserem Dafürhalten liegt das weitere Kurssteigerungspotenzial für die kommenden zwölf Monate bei etwa 10%, wofür wir vor allem drei Gründe aufführen:
1. Starke und wachsende Nachfrage nach KI-Workloads. In unseren Augen bleiben die mittelfristigen Aussichten für die Nachfrage nach KI intakt. Fortschritte bei kostengünstigeren Modellen mögen kurzfristig zu Unsicherheit führen, allerdings dürften tiefere Token-Kosten letztendlich zu einer stärkeren Verbreitung und einer höheren Nachfrage nach agentenbasierte KI-Workloads führen. Bei den grossen Plattformen beschleunigt sich das Umsatzwachstum im Cloud-Geschäft: Im 1. Quartal 2026 wurde ein Anstieg von 40% verzeichnet – ein Trend, der sich im weiteren Verlauf des Jahres fortsetzen dürfte. Da immer mehr Unternehmen KI einsetzen und in ihre Arbeitsabläufe integrieren, werden die Prognosesicherheit für die Nachfrage, die Preismacht und die Gewinndynamik bei den Zulieferern und Wegbereitern des KI-Ausbaus voraussichtlich robust bleiben.
2. Lieferengpässe bleiben bestehen. Die Engpässe in wichtigen Segmenten der Lieferkette für KI-Hardware sind unverändert hoch. Dies festigt die Preismacht und stützt die Gewinne der Halbleiterunternehmen, trotz aufkommender Fragen zur Nachhaltigkeit der Investitionsausgaben. Eine bessere Preisstellung kann zudem die Aussichten auf Monetarisierung verbessern, da davon ausgegangen wird, dass die KI-Workloads weiter zunehmen werden – vor allem wegen der Ausweitung des Angebots durch Cloud-Plattformen und zunehmender regulatorischer Klarheit.
3. Diversifikation ist sinnvoller als Desinvestitionen. Wir bevorzugen eine Diversifikation sowohl innerhalb des KI-Segments als auch über andere strukturelle Themen hinweg. Anleger, die an einem defensiveren Engagement interessiert sind, können Betreiber von Rechenzentren und ausgewählte Zahlungsdienstleister in Erwägung ziehen, da diese bei Volatilität mit einer gewissen Resilienz aufwarten können. In unserer allgemeinen Rangliste an Präferenzen stehen die Zulieferer und Wegbereiter an erster Stelle – d. h. Halbleiterausrüster aufgrund von Engpässen sowie Anbieter von Prozessoren und Hersteller von Speicherkomponenten. Diese Unternehmen profitieren von einer guten Prognosesicherheit der Nachfrage, Preismacht und einer positiven Gewinndynamik.
Über KI hinaus unterstreicht das CIO die Ideen Energie und Ressourcen sowie Langlebigkeit als Bereiche für die Kapitalallokation. Diese Themen dürften von strukturellen Trends wie der Energiewende, der Ressourcenknappheit und dem demografischen Wandel profitieren.
Wie sollte man anlegen?
Den direktesten Zugriff auf unsere Top-Ideen bieten Anlagevehikel, die die KI-Auswahl des CIO befolgen, darunter auch solche mit Kapitalschutzmerkmalen, die potenzielle Verluste im Falle einer Marktkorrektur begrenzen können.
Anleger können zudem einen Baustein-Ansatz als Teil einer breiter angelegten, diversifizierten Vermögensallokation in Betracht ziehen. Andere Optionen umfassen aktiv verwaltete Anlagestrategien, die in eine kleinere Zahl von Aktien investieren, nicht nur die grössten Unternehmen berücksichtigen und umfangreichere Positionen mit hohem Überzeugungsgrad eingehen.
Wir erkennen zudem potenzielle Ideen an den Privatmärkten. Unseres Erachtens könnte sich das Wertpotenzial allmählich über führende KI-Labore und Halbleiterunternehmen hinaus ausweiten. Anlagevehikel mit Engagements in nicht börsennotierten Unternehmen mit widerstandsfähigen Software-as-a-Service-Geschäftsmodellen in den Bereichen KI-Infrastruktur, Rechenzentren und Energie könnten zu den Nutzniessern gehören, während Anbieter älterer, wenig differenzierter Standardsoftware anfällig bleiben dürften. Selektivität sowie Disziplin im Underwriting und in der operativen Umsetzung gewinnen angesichts zunehmender Unterschiede zwischen den verschiedenen Sektoren, Geschäftsmodellen und Anlageklassen unserer Meinung nach immer mehr an Bedeutung.