
Anlegerinnen und Anleger, die sich in diesem Jahr aufgrund der geopolitischen Unsicherheit, der Ölangebotsschocks und der disruptiven Auswirkungen der künstlichen Intelligenz (KI) zurückgehalten haben, drohen Anstiege zu verpassen.
Die US-Indizes S&P 500 und Nasdaq sind in letzter Zeit auf Allzeithochs geklettert, und auch der Euro Stoxx 600 notiert nicht weit unter seinem Höchststand. Indizes mit engem Bezug zur KI-Wertschöpfungskette wie der südkoreanische KOSPI haben seit Jahresbeginn um fast 90% zugelegt.
Die Anleihenrenditen entwickelten sich dagegen holpriger und erreichten teilweise die höchsten Niveaus seit 2007, da an den Märkten befürchtet wurde, dass längere Zeit höhere Ölpreise die Zentralbanken zu Zinserhöhungen zwingen könnten. Der Wert von Gold als Absicherung litt auf dem Höhepunkt des Irankriegs unter Erwartungen, dass die höhere Inflation zu höheren Zinssätzen führen würde. Der Preis des Edelmetalls sank rund 13% unter den Höchststand des Jahres 2026.
Anleger ausserhalb der USA treibt möglicherweise immer noch die Frage um, ob die europäischen Zentralbanken die Kreditkosten erhöhen müssen, um die Inflation – auf Kosten des Wachstums – in Schach zu halten. Auch der anhaltende Krieg in der Ukraine bereitet ihnen weiterhin Sorgen.
Günstige makroökonomische Faktoren, die gute Dynamik der Unternehmensgewinne im ersten Quartal und die unterdurchschnittliche Positionierung sprechen allesamt für weitere Kursanstiege globaler Aktien bis zum Jahresende. Der Weg könnte jedoch holprig sein, was darauf hindeutet, dass Flexibilität und Diversifikation nötig sein werden.
Anlegern mit hohen Barmittelbeständen, die der Gedanke beunruhigt, auf Allzeithochs zu investieren, bieten sich unseres Erachtens bessere Alternativen, als auf einen Rückgang zu warten. Nachfolgend stellen wir drei Möglichkeiten vor, Kernportfolios zu stärken und die Angst vor den Allzeithochs an den Aktienmärkten zu überwinden:
1. Aktien, Anleihen und alternative Anlagen in ausgewogenen Portfolios aufstocken. Ein robustes Kernportfolio ist unseres Erachtens die Grundlage für langfristigen Erfolg. Das CIO empfiehlt eine Allokation von 30% bis 70% des Vermögens in Aktien. Wenigstens die Hälfte sollten US-Aktien sein und wenigstens 20% globale Aktien, unter anderem aus Europa und den Schwellenländern. Bis zu 30% können in strukturelle Wachstumsthemen wie künstliche Intelligenz, Energie und Ressourcen sowie Langlebigkeit investiert werden. Anleihen könnten 15% bis 50% des Vermögens ausmachen, mit einer ausgewogenen Verteilung über Staats- und Unternehmensanleihen. Die Duration sollte bei fünf bis sieben Jahren liegen, und die Anlagen sollten auf die Währungsbedürfnisse abgestimmt sein. Alternative Anlagen – wie Hedge Funds, Privatmarktanlagen und Infrastruktur – können die Diversifikation und die risikobereinigten Renditen weiter verbessern.
2. Portfolios neu gewichten. Durch die starken Marktbewegungen im laufenden Jahr könnten sich Portfolios von ihren Zielallokationen entfernt haben. Es ist möglicherweise ratsam, Portfolios neu zu gewichten, Titel mit einer zuletzt vergleichsweise überdurchschnittlichen Entwicklung zu reduzieren und Titel aufzustocken, die sich im Vergleich unterdurchschnittlich entwickelt haben, um zu den langfristigen Vermögensallokationen zurückzukehren. Dieser disziplinierte Ansatz kann helfen, Gewinne zu sichern, das Risiko zu steuern und in zukünftigem Wachstum engagiert zu bleiben. Eine regelmässige Neugewichtung ist ein Kernelement eines professionellen Portfoliomanagements. Eigenverantwortlich agierende Anleger können versuchen, diese Routine nachzuahmen, insbesondere bei volatilen Märkten. Dadurch können sie eine emotionsgesteuerte Entscheidungsfindung möglicherweise verhindern und sich weiterhin auf ihre langfristigen Ziele konzentrieren.
3. Kernportfolios mit Vermögenserhaltung und taktischen Ideen verbessern. Bei der Stärkung des Kernportfolios geht es nicht allein um die Vermögensallokation, sondern auch um die Steuerung von Risiken und das Aufspüren neuer Chancen. Risikoaverse Anleger können Marktrisiken absichern, indem sie einen Teil des Aktienengagements durch Kapitalerhaltungsstrategien ersetzen. Eine andere Möglichkeit ist die Aufnahme einer Allokation in Gold. Dies hat sich als wirksame langfristige Absicherung gegen Stressphasen an den Märkten und systemische Risiken bewährt. Renditeorientierte Anleger können taktische Aktienchancen verfolgen. Hierfür eignen sich unter anderem strukturierte Strategien, die ein begrenztes Verlustrisiko aufweisen oder eine höhere Rendite bieten, bis sich die Gelegenheit bietet, bei einer Kursschwäche zu kaufen. Langfristig orientierte Anleger können alternative Anlagen zur Diversifikation und als potenziell noch ungenutzte Renditequellen erwägen, unter anderem Private Equity, Privatkredite und Infrastruktur. Das CIO weist darauf hin, dass EMEA-Anleger mit einem stiftungsähnlichen Anlagestil von einer Allokation von 20% bis 40% in alternativen Anlagen profitieren können. Dabei sollten sie auf eine sorgfältige Auswahl der Manager und eine wirksame Diversifikation über verschiedene Strategien hinweg achten. Dieser Ansatz kann die Widerstandsfähigkeit eines Portfolios und die Anpassungsfähigkeit an Veränderungen der Marktlage verbessern. Anleger, die alternative Anlagen in Betracht ziehen, müssen sich der Risiken wie unter anderem Illiquidität und einer geringeren Transparenz bewusst sein.
Sehr hohe Barmittelpositionen zu halten, fühlte sich auf dem Höhepunkt des Iran-Konflikts möglicherweise wie eine kluge Entscheidung an. Noch immer kennzeichnen Probleme die Märkte, darunter die Unsicherheit über die Wiederaufnahme der Öllieferungen, das Ausmass der Stressphase an den Kreditmärkten und die Nachhaltigkeit der Entwicklung im KI-Bereich. Die jüngsten Marktbewegungen warfen jedoch auch ein Schlaglicht auf die Opportunitätskosten, die Anlegern drohen, die nicht investiert sind. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um Kernportfolios zu stärken.