Einblicke in die Anlagestrategie Zusätzliche Erträge durch Schwellenländeranleihen

Schwellenländeranleihen können ertragsorientierten Anlegerinnen und Anlegern attraktive Renditen und Diversifikation bieten.

von Matthew Carter 13. May 2026

Das Chief Investment Office (CIO) stuft Schwellenländeranleihen in Hartwährung als «Attraktiv» ein. Dies sind Anleihen, die in sich entwickelnden Ländern begeben werden und in US-Dollar oder Euro (anstatt in Lokalwährung) denominiert sind. Angesichts der hohen Renditen von Schwellenländeranleihen erwarten wir für die Indizes JP Morgan EMBIG Diversified und CEMBI Diversified Erträge im hohen einstelligen Bereich, die deutlich über den Geldmarktzinsen vieler Industrieländer liegen.

Ungeachtet der Unwägbarkeiten rund um den Iran-Konflikt haben sowohl Staats- als auch Unternehmensanleihen aus Schwellenländern (gemessen an den Indizes JPM EMBIG Diversified bzw. JPM CEMBI Diversified) US-amerikanische und europäische Investment-Grade-Anleihen (gemessen an den Indizes Bloomberg US Intermediate und Bloomberg Euro Aggregate Corporate) um 110 Basispunkte (Bp.) bis 220 Bp. übertroffen. Schwellenländeranleihen haben sich trotz der geopolitischen Spannungen als widerstandsfähig erwiesen, was ihre potenzielle Rolle als wichtige Diversifikationsquelle für Portfolios untermauert, insbesondere angesichts der fiskalpolitischen Herausforderungen, vor denen die Industrieländer stehen.

Auch Anleihen aus Schwellenländern waren im März nicht vor Druck gefeit, da die Spannungen im Nahen Osten und die Unterbrechungen der Ölversorgung über die Strasse von Hormus die wachstumsempfindlicheren Anleihensegmente belasteten. Allerdings führte im Anschluss daran die Aufnahme von Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran zu einer starken Erholung an den Märkten. Die Risikoprämien befinden sich sowohl bei Staats- als auch bei Unternehmensanleihen aus Schwellenländern inzwischen wieder unterhalb der Niveaus vor dem Konflikt.

Warum jetzt?
Die taktische Einschätzung von Schwellenländeranleihen durch das CIO bleibt konstruktiv. Die grössten Nettoenergieexporteure der Schwellenländer sind auf den Nahen Osten konzentriert und waren unmittelbar von den Exportunterbrechungen betroffen. Einige Länder wie Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate exportieren unvermindert grosse Mengen an Öl und Gas über Pipelines, mit denen sie die Strasse von Hormus umgehen können. Lateinamerika ist verhältnismässig gut aufgestellt. Asien steht als Nettoenergieimporteur vor grösseren Herausforderungen und hat mit höheren Preisen und Versorgungsrisiken zu kämpfen.

Nach unserem Dafürhalten sind die Fundamentaldaten der Schwellenländer im gegenwärtigen Zyklus stärker als in vorherigen Zyklen. Unter anderem bieten höhere Devisenreserven, verbesserte Leistungsbilanzen und geringere Haushaltsdefizite einen Puffer gegen Turbulenzen. Die Anzahl der notleidenden Emittenten aus Schwellenländern ist seit dem letzten Jahr zurückgegangen. So haben sich die Fundamentaldaten der Unternehmen verbessert, was sich in niedrigeren Ausfallraten und steigenden Zinsdeckungsgraden niederschlägt. Die höheren Öl- und Rohstoffpreise kommen den rohstoffexportierenden Emittenten aus Schwellenländern zugute, stützen die Aussenhandelsbilanzen und stärken die Bonitätsprofile.

Mit Blick auf die Zukunft erachten wir die Kassamarktrenditen von Schwellenländeranleihen als attraktiv und prognostizieren für die Indizes JP Morgan EMBIG Diversified und CEMBI Diversified jeweils einen Ertrag im hohen einstelligen Bereich. Das gesamtwirtschaftliche Umfeld dürfte vorteilhaft sein, wobei die Aussicht auf zusätzliche Zinssenkungen durch die US-Notenbank Fed im weiteren Verlauf des Jahres 2026 dazu beitragen wird, die Liquidität an den globalen Märkten sicherzustellen.

Wir sind nach wie vor der Ansicht, dass Schwellenländeranleihen für Anlegerinnen und Anleger mit überschüssigen Mitteln ein Wertpotenzial bieten oder dazu dienen können, bestehende ertragsorientierte Portfolios zu stärken und zu diversifizieren.

Was steht als Nächstes in Sachen Renditen und Risikoprämien an?
Im April 2026 beliefen sich die Risikoprämien im EMBIG Diversified auf 244 Bp. und im CEMBI Diversified auf 228 Bp. Das CIO geht davon aus, dass diese Risikoprämien bis Dezember 2026 auf 260 Bp. bzw. 240 Bp. steigen werden. Momentan liegen die Risikoprämien von Schwellenländer-Staatsanleihen mit Investment-Grade-Rating (IG) um 22 Bp. über denen von US-amerikanischen IG-Anleihen, was deutlich enger ist als der 10-Jahresdurchschnitt von rund 80 Bp. Trotz unserer Prognose einer moderaten Ausweitung der Risikoprämien erscheinen Renditen von über 6% für Staats- und Unternehmensanleihen aus Schwellenländern attraktiv (insbesondere verglichen mit 3,5% bei europäischen Investment-Grade-Anleihen). Wir sind der Meinung, dass ein Renditepolster helfen kann, diese Anlageklasse vor erneuten Volatilitätsschüben zu schützen.

Wie sollte man anlegen?
Die potenziellen Vorteile von Anleihen aus Schwellenländern in einem globalen Portfolio sind höhere Renditen, Diversifikation und verbesserte Fundamentaldaten. Zu den Nachteilen gehören ein ausgeprägteres Risiko, eine längere Laufzeit und eine grössere Anfälligkeit für geopolitische und gesamtwirtschaftliche Schocks. Die Märkte der Schwellenländer sind in der Regel kleiner, weniger transparent und unterliegen Änderungen der politischen und regulatorischen Rahmenbedingungen. All dies sind Risiken, die eines sorgfältigen Managements bedürfen.

Investitionen in einzelne Staats- und Unternehmensanleihen aus Schwellenländern bieten unter Umständen die grösste Flexibilität, um Portfolios auf bestimmte Länder oder Emittenten auszurichten und die Positionen gleichzeitig an individuelle Risikopräferenzen und Ertragsziele anzupassen.

Die Verwaltung eines Portfolios aus einzelnen Anleihen ist für Privatanleger allerdings zeitaufwendig, denn sie müssen das Zinsrisiko, das Kreditrisiko und das Emittentenrisiko im Auge behalten. Die Liquidität kann ebenfalls problematisch sein, vor allem in weniger entwickelten Märkten. Um eine angemessene Diversifikation zu gewährleisten und gleichzeitig die Mindestanlagebeträge für einzelne Anleihen einzuhalten, ist eventuell ein umfangreiches Portfolio erforderlich, was ausserhalb der Möglichkeiten mancher Anleger liegt.

Ein vergleichbarer, aber unter Umständen besser erreichbarer Ansatz besteht darin, nach Bausteinen zu suchen, die Zugang zu einem professionell verwalteten Portfolio von auf US-Dollar lautenden Staats- und Unternehmensanleihen der Schwellenländer bieten. Ein aktives Management ermöglicht eine dynamische Anpassung der Länder-, Zins- und Währungsengagements bei einer zugleich strengen Risikokontrolle.

Darüber hinaus können gepoolte Anlagevehikel Anlegern den Zugang zu Schwellenländer-Staatsanleihen in Hartwährung ermöglichen. Einige Produkte bieten ausserdem durch opportunistische Engagements in Unternehmensanleihen und Lokalwährungsanleihen aus Schwellenländern eine zusätzliche Diversifikation. Für Anleger, die in Schwellenländeranleihen investieren möchten, aber im Falle einer Verschärfung des Iran-Kriegs kurzfristige Kursverluste befürchten, gibt es unter Umständen strukturierte Strategien, mit denen sich potenzielle Kursgewinne bei Schwellenländeranleihen erzielen und zugleich mögliche Verluste begrenzen lassen, wenn das Anlageinstrument bis zur Fälligkeit gehalten wird.

Abgesehen von den Emittentenrisiken strukturierter Strategien erfordert die Anlage in Schwellenländeranleihen das Management von Liquiditäts-, Ausfall-, Kredit-, Währungs- und Gegenparteirisiken.

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