CIO Essentials Die Renditen von Staatsanleihen sind zu hoch – Zeit für eine Neuausrichtung?

Seit Beginn des Iran-Kriegs sind die Renditen der wichtigsten Staatsanleihen gestiegen. Unserer Meinung nach machen sich die Anlegerinnen und Anleger zu grosse Sorgen über Inflationsrisiken und berücksichtigen dabei nicht, wie sich längerfristig höhere Ölpreise auf das Wachstum auswirken und die Zentralbanken zu Zinssenkungen veranlassen können. Diese Fehleinschätzung könnte eine Gelegenheit bieten, das Portfolio neu auszurichten und stabilere Ertragsströme zu schaffen.

von UBS CIO GWM 29. Apr 2026

Seit Beginn des Iran-Kriegs ist es an den globalen Märkten zu erheblichen Bewegungen gekommen, um eine höhere Inflation und höhere Zinssätze einzupreisen.

Die Anlegerinnen und Anleger befürchten, dass Ölknappheit die Ölpreise in die Höhe treiben oder länger auf einem hohen Niveau halten wird. Sollte dies eintreten, könnte die Inflation steigen, was die Zentralbanken dazu zwingen würde, die Zinssätze anzuheben, um die Nachfrage – auch nach Öl und Gas – zu dämpfen.

Staatsanleihen, deren Renditen die Einschätzung der Anleger über den Verlauf der Zinssätze widerspiegeln, haben an Wert verloren und die Renditen sind gestiegen. Dies war in den USA, der Eurozone und Grossbritannien der Fall, wo die Renditen von Staatsanleihen deutlich über den Niveaus vor dem Konflikt liegen. Tatsächlich ist die Rendite der 10-jährigen deutschen Bundesanleihen seit Ende Februar um 35 Basispunkte gestiegen, was in einem Zeitraum von etwa sieben Wochen eine starke Bewegung darstellt. Und die zusätzliche Rendite (Spread), die andere europäische Regierungen im Vergleich zu Bundesanleihen zahlen müssen, hat sich ausgeweitet.

Das CIO ist jedoch der Ansicht, dass diese Bedenken übertrieben sind.

Die Zentralbanken werden wahrscheinlich nicht überstürzt auf Ausschläge der Energiepreise reagieren. Wenn die Ölpreise hoch bleiben, könnten die Renditen mittelfristig tatsächlich sinken, da die Befürchtungen auf ein sinkendes Wachstum, steigende Rezessionsrisiken und die Reaktion der Zentralbanken mit Zinssenkungen zur Ankurbelung der Nachfrage übergehen würden.

Wir sind daher der Meinung, dass die aktuellen Renditen von Staatsanleihen in vielen grossen Volkswirtschaften zu hoch sind und im Laufe des Jahres und mit einer Lösung im Iran-Konflikt sinken werden.

Dies könnte eine Gelegenheit für Anleger sein, sich attraktive Renditen zu sichern, indem sie ihre Positionen in Staatsanleihen aufstocken und ihre Portfolios diversifizieren.

Warum jetzt?
Der jüngste Anstieg der Renditen von Benchmark-Staatsanleihen bietet unserer Meinung nach einen überzeugenden Einstiegspunkt für Anleger, die nach Diversifikation und Erträgen suchen. Nach Jahren starker Aktienperformance im Vergleich zu Anleihen können viele Anleger in Anleihen umschichten und ihre Allokationen wieder mit ihren langfristigen Plänen in Einklang bringen.

Das CIO bevorzugt qualitativ hochwertige Staatsanleihen mit kurzen bis mittleren Laufzeiten, insbesondere in den USA, der Eurozone und in Grossbritannien. Diese Anleihen bieten höhere Renditen und können dazu beitragen, Portfolios in Zeiten der Unsicherheit zu stabilisieren.

Selbst in Ländern wie der Schweiz, wo die Renditen von Staatsanleihen niedrig bleiben und die Inflation gedämpft ist, macht eine gewisse Allokation in Staatsanleihen für ungünstige Wirtschaftsszenarien Sinn – Staatsanleihen tendieren in Erwartung einer geldpolitischen Lockerung dazu, zu steigen, und die Renditen dazu, zu fallen, was potenziell zusätzliche Renditen im Vergleich zum ausschliesslichen Halten übermässig hoher Barbesstände liefern kann.

Suche nach weiteren Ertragsquellen
Während das CIO eine Präferenz für Qualität beibehält, kann ein gut diversifiziertes Anleihenportfolio einige Engagements in wachstumssensitiveren Kreditsegmenten wie Schwellenländern, Hochzinsanleihen oder nachrangigen Schuldtiteln umfassen.

Es ist wichtig, ein übermässiges Exposure in einem einzelnen Segment zu vermeiden. Und es kann für Anleger schwierig sein, alle Risiken beim Halten risikoreicherer Schuldtitel zu managen. Daher sollten sich Anleger unserer Meinung nach auf Qualität und Diversifikation konzentrieren und die Ertragsgenerierung mit dem Risikomanagement in Einklang bringen.

Mehr als nur Anleihenerträge?
Für Anleger in Ländern, in denen die Anleihenrenditen bereits niedrig sind oder der zusätzliche Ertrag, der durch das Halten risikoreicherer Schuldtitel geboten wird, nicht sehr gross ist, können Aktienertragsstrategien überzeugende Alternativen bieten. Die bevorzugten Märkte des CIO für Dividendenstrategien sind die Schweiz, wo hochwertige Dividendenaktien deutlich über den lokalen Anleihenrenditen rentieren, und Südostasien, wo die durchschnittlichen Dividendenrenditen ähnlich attraktiv sind.

Da die Renditen von Staatsanleihen zu viel Inflationsrisiko und zu wenig Wachstumsrisiken einpreisen, könnte jetzt ein günstiger Zeitpunkt für europäische Anleger sein, Staatsanleihen erneut in Betracht zu ziehen. Uns gefallen insbesondere hochwertige Anleihen, die in bis zu fünf Jahren fällig werden.

Für Anleger, die nach Diversifikation suchen oder in Märkten mit niedrigen Renditen aktiv sind, könnten Aktienertragsstrategien und diversifizierte festverzinsliche Ansätze ebenfalls eine erneute Betrachtung wert sein, um widerstandsfähige Portfolios aufzubauen und stetige, konsistente Erträge zu erzielen.

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