Ein grosses Rechenzentrum in den Niederlanden (Shutterstock)

UBS Trending Video: Nachhaltigkeitsperspektiven von KI, Rechenzentren und mehr (6:40)

Hören Sie sich an, was die CIO-Mitglieder Michelle Laliberte und Amantia Muhedini zu den Risiken und Chancen der KI sagen


Während Mega-Cap-Technologieunternehmen ihre Kapazitäten für künstliche Intelligenz (KI) und Cloud Computing rasant ausbauen, wächst die Nachfrage nach fortschrittlichen Rechenzentren, die diese leistungsstarken vernetzten Systeme beherbergen können. Rechenzentren sind naturgemäss energieintensiv. Sie erfordern eine ununterbrochene Stromversorgung und wasserintensive Kühlsysteme. Die Cloud-Computing-Systeme für maschinelles Lernen und generative KI der nächsten Generation erscheinen sogar noch anspruchsvoller. Die Internationale Energieagentur (IEA) schätzt, dass eine einzige ChatGPT-Suche fast zehnmal so viel Energie verbraucht wie eine traditionelle Google-Suchanfrage.


Führende KI-Rechenzentren dürften sogar noch grösser werden. Der CTO von Microsoft Kevin Scott sagte im letzten Monat: «Im Hinblick darauf, wie leistungsstark wir KI-Modelle machen können, wenn wir die Rechenleistung erhöhen, sind wir noch weit vom Punkt des abnehmenden Grenznutzens entfernt.»


So mag es zwar scheinen, dass die KI-Revolution im Widerspruch zu Klima- und Dekarbonisierungszielen steht. Doch unseres Erachtens könnten sich die beiden Themen sogar ergänzen und gegenseitig vorantreiben.


Die KI-Nachfrage der Mega-Cap-Technologieunternehmen wird sehr viel regenerative Energie benötigen. Wir erwarten, dass der KI-Markt von einem Oligopol vertikal integrierter Mega-Cap-Technologieunternehmen angeführt werden wird, die über ausreichende Kapital- und Cloud-Computing-Ressourcen verfügen, um sich im Wettbewerb zu behaupten. Meta, Google, Apple, Microsoft und Amazon haben sich alle verpflichtet, 100% sauberen Strom zu beziehen. Auf diese Unternehmen zusammen entfielen laut Daten von BloombergNEF im März mehr als zwei Drittel der weltweiten Stromabnahmeverträge. Wenn sie ihre Zusicherung, ausschliesslich sauberen Strom zu nutzen, einhalten möchten, wird ihre Nachfrage nach regenerativem Strom wahrscheinlich auf mittlere Sicht fortgesetzt schneller wachsen als das Angebot auf der Versorgerebene, insbesondere in den USA.


Die Infrastruktur für Solarstrom und Batteriespeicher wird ebenfalls ausgebaut. Die US-Kapazitäten zur regenerativen Energieerzeugung wachsen rasant. Im 1. Quartal wurde laut Schätzungen von SEIA/Wood Mackenzie ein Rekordvolumen von Solaranlagen mit einer Gesamtleistung von 11 GW neu installiert. Batteriespeicher sind ein entscheidendes Element dieser Entwicklung. Sie ermöglichen es, Strom zu speichern und die unvermeidlichen Schwankungen der Stromerzeugung aus Sonnenenergie und Windkraft auszugleichen. Die US Energy Information Administration (EIA) schätzt, dass sich die Batteriekapazitäten in den USA in diesem Jahr fast verdoppeln und auf über 40 GW steigen werden. An einigen Tagen im letzten Monat waren Batterien zum ersten Mal die grösste Stromquelle im kalifornischen Stromnetz. Dieser zusätzliche Energiebedarf untermauert zwar die These für Solarstrom und Batterien. Lücken bei den Speicherkapazitäten und geografische Diskrepanzen im Energiemix in der Nähe von Rechenzentren haben jedoch zur Folge, dass Erdgas wahrscheinlich ebenfalls ein Teil der Lösung sein wird.


Höhere Emissionen durch den Bau von KI-Rechenzentren sind ein vorübergehendes Phänomen. Der Bau von Rechenzentren mit umweltverschmutzenden Materialien wie Stahl und Zement führt kurzfristig zu einer Zunahme der Emissionen und ist eine bedeutende Sorge. Der Anstieg der Emissionen durch den Bau von Rechenzentren dürfte jedoch nur vorübergehend sein und könnte einen Ansporn zu schnellerer Innovation und Einführung grüner Lösungen liefern, die die Zirkularität in dem Sektor verbessern können. Microsoft kündigte zum Beispiel an, 90% der Server und Komponenten in seinem Netzwerk regionaler Rechenzentren bis 2025 wiederzuverwenden und so seine Abhängigkeit von neuen Rohstoffen zu verringern.


KI-Modelle werden entscheidend sein, um schwer lösbare Klimaprobleme anzugehen. Wir erwarten, dass die fortschrittlichen KI-Modelle und Inferenzabfragen, die aus einigen dieser Rechenzentren kommen, entscheidende Wegbereiter für ökologische und soziale Lösungen sein werden, die Treibhausgasemissionen verfolgen, messen und reduzieren, die Effizienz von Energiesystemen steigern und unsere Klimaanpassung sowie Risikoplanung verbessern können.


Obwohl die explosive KI-Nachfrage ein rasantes Wachstum des Energiebedarfs antreiben könnte, sind wir daher nicht der Ansicht, dass dies den Fortschritt bei der Dekarbonisierung oder der Energiewende verhindert. Wir erkennen zunehmend Hinweise, dass der Druck der Anleger über ESG-Engagements ein wirksames Mittel sein kann, um die Dekarbonisierung zu beschleunigen. Daher schlagen wir Anlegerinnen und Anlegern vor, bei der Allokation von Kapital in KI-Technologien oder -Geschäftsmodelle die Treibhausgasemissionen der einzelnen Unternehmen zu berücksichtigen. Wichtige Greentech-Komponenten wie Solarstrom, Windkraft und Batterien werden zunehmend ausgereifter. Daher glauben wir, dass der Grossteil der Emissionen, die derzeit bei der Erzeugung und beim Transport von Strom entstehen, mit heute bereits vorhandenen Technologien vermieden werden können. Anleger, die über Privatmarktanlagen Kapital in nachhaltige Infrastruktur investieren, könnten von hohen Einstiegsschwellen, einer unelastischen Nachfrage und kontinuierlichen Cashflows profitieren. Auf der Portfolioebene kann dies auch eine Differenzierung und geringere Korrelation mit zyklischeren, börsennotierten Wertpapieren ermöglichen. Die Chancen der KI und des Klimaschutzes können auch über unsere breiteren Anlagethemen wie «Saubere Luft und CO2-Reduktion», «Energieeffizienz», «Wasserknappheit» und «Kreislaufwirtschaft» genutzt werden.


Mehr dazu erfahren Sie in unserer jüngsten Publikation Sustainable Investing Perspectives für den Juni.