(UBS)

Was ist geschehen?

Am Donnerstag legten US-Aktien kräftig zu, nachdem ein gutes Ergebnis des KI-Chipherstellers Nvidia die Zuversicht über die Aussichten für den Technologiesektor gestärkt hatte. Der S&P 500 stieg um 2,1% und schloss auf einem Rekordhoch. Nvidia schnellte um 16,4% nach oben. Dadurch erhöhte sich die Marktkapitalisierung des Unternehmens um etwa USD 230 Mrd. und Nvidia durchbrach den etwas früher im gleichen Monat aufgestellten Rekord von Meta Platforms für die grösste Wertsteigerung der Geschichte innerhalb einer Sitzung. Die Gewinnmeldung umfasste eine über Erwarten hohe Steigerung des Quartalsumsatzes um 265% zum Vorjahr. Der CEO des Unternehmens Jensen Huang erklärte, die künstliche Intelligenz (KI) habe «den Kipppunkt erreicht». Die Nachfrage steige «weltweit über Unternehmen, Branchen und Nationen hinweg». Er prognostizierte, dass der Umsatz im kommenden Quartal über den Prognosen der Analysten liegen würde.


Mit dem jüngsten Anstieg liegt der S&P 500 Index jetzt seit Jahresbeginn mit 6,9% im Plus. Die Zuwächse entfielen hauptsächlich auf US-Technologie- und -Wachstumsaktien mit hoher Marktkapitalisierung. Der FANG+ Index, der die zehn meistgehandelten Technologieaktien in den USA abbildet, ist in diesem Jahr bisher um 15,1% gestiegen. Dies folgte auf eine Steigerung um 96% im letzten Jahr.


Zu dieser Rally war es gekommen, obwohl die Anlegerinnen und Anleger das erwartete Tempo der Zinssenkungen der US-Notenbank Fed aufgrund der guten Konjunkturdaten weiter nach unten korrigierten. Das früher in dieser Woche veröffentlichte Protokoll zur jüngsten geldpolitischen Sitzung der Fed bestätigte, dass die geldpolitischen Entscheider keine Eile haben, die Zinsen zu senken. Der Präsident der Richmond Fed Tom Barkin äusserte in dieser Woche auch Bedenken, dass die Inflation im Dienstleistungssektor erhöht bleiben könnte. Die Märkte implizieren jetzt Zinssenkungen um rund 80 Basispunkte (Bp.) in diesem Jahr. Am Höhepunkt im Januar hatten sich die Erwartungen auf 170 Bp. gerichtet. Die Rendite der 10-jährigen US-Treasuries, die zu Beginn des Jahres 2024 noch bei rund 3,88% lag, stieg am Donnerstag um 1 Bp. auf 4,33%.


Die jüngsten Daten zur US-Wirtschaft blieben robust: Laut Umfragedaten von S&P Global wuchs die Aktivität in der US-Industrie in diesem Monat mit dem höchsten Tempo seit September 2022. Andere Daten zeigten, dass die Verkäufe bestehender US-Eigenheime im Januar so stark stiegen wie seit fast einem Jahr nicht mehr.


Was ist unsere Meinung hierzu?

Angesichts der Rasanz der Technologierally fragen sich die Anleger, ob sie Gewinne mitnehmen sollten. Wir halten es zwar für sinnvoll, Portfolios neu zu gewichten, sind aber auch der Ansicht, dass es wichtig ist, ein strategisches Engagement in Large-Cap-Technologieaktien der USA beizubehalten. Der Anstieg der Technologieaktien könnte nämlich noch weiter gehen.


Unserer Meinung nach wird sich die generative KI als Wachstumsthema des Jahrzehnts erweisen. Der Ergebnisbericht von Nvidia belegt die aktuelle Stärke der Investitionen in KI-Infrastruktur. Wir schätzen, dass die Umsätze der KI-Branche bis 2027 pro Jahr um rund 70% steigen werden, da sich die Monetarisierung der KI dank neuer KI-Anwendungen in Copiloten, der Cloud, Modellen und anderer Software schnell verbessert. Doch selbst diese Schätzungen könnten sich als konservativ erweisen, weil die Entwicklung mit rasanter Geschwindigkeit voraneilt, unter anderem mit der Lancierung des Text-to-Video-Modells von OpenAI in dieser Woche.


Die Bewertung des Technologiesektors bewegt sich mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 27x nahe an einem Aufschlag von 22% zu ihrem historischen Durchschnitt über 10 Jahre. Sie ist jedoch vom Höchstwert von rund 34x im April 2021 gesunken, während die Gewinne rasant wachsen. Wir rechnen mit einem Wachstum der Gewinne je Aktie im globalen Technologiesektor um 18% im Jahr 2024.


Wie investieren wir?

Angesichts des steilen Anstiegs von Technologieaktien und der Unsicherheit über den Kurs der Fed bevorzugen wir Strategien, die folgenden Zielen dienen:


Technologie-Engagement optimieren: Die künftigen Anlageergebnisse werden unserer Meinung nach stark vom Engagement im Technologiesektor abhängen. Unseres Erachtens können es sich Anlegerinnen und Anleger nicht leisten, unterinvestiert zu sein: Wir rechnen mit einem rasanten Gewinnwachstum und erwarten, dass die Grossen noch grösser werden. Anleger müssen sich aber auch vor einer Überkonzentration und überhöhten Engagements hüten und gegebenenfalls über ein breiteres Spektrum von Unternehmen und disruptiven Trends diversifizieren.


Am Aufwärtspotenzial partizipieren und vor Verlusten schützen: Angesichts der Kombination aus einer niedrigen Volatilität an den Aktienmärkten und hohen Anleihenrenditen ist jetzt ein guter Zeitpunkt, Strategien ins Auge zu fassen, die es den Anlegern ermöglichen, am Aufwärtspotenzial des Marktes zu partizipieren, sich aber vor Verlusten zu schützen. Solche Strategien können besonders effektive Möglichkeiten bieten, in Märkte zu investieren, die zwar möglicherweise Abwärtsrisiken bergen, aber auch ein hohes Aufwärtspotenzial bieten, unter anderem im Technologiesektor.


Ein Goldilocks-Szenario erwarten: Abgesehen von Engagements im Technologiesektor sollten sich Anleger unserer Meinung nach auch auf eine mögliche Ausweitung der Aktienmarktrally vorbereiten. Dazu könnte es durch eine Kombination aus Zinssenkungen der Fed, einem immer noch robusten Wachstum und einer rückläufigen Inflation kommen. Small Caps der USA und Europas, ausgewählte Schweizer Mid Caps und Schwellenländeraktien würden aufgrund ihrer Zinssensibilität und ihrer günstigen Bewertungen unseres Erachtens besonders von diesem Szenario profitieren.


Liquidität steuern: Ende 2023 und Anfang 2024 hatten die Märkte das Lockerungstempo der Fed zwar allzu optimistisch eingeschätzt. Doch wir rechnen nach wie vor mit einem Rückgang der Zinssätze im Jahr 2024. Das bedeutet, dass Barmittel zunehmend niedrigere Erträge abwerfen werden. Dies birgt ein Risiko für Anleger, die ihre Erträge jetzt nicht festschreiben. Wir raten Anlegern, ihre Liquiditätsstrategie über Barmittel und Geldmarktfonds hinaus zu diversifizieren und eine Kombination aus Festgeldanlagen, Anleihenleitern und strukturierten Anlagestrategien zu halten, um erwartete Portfolioentnahmen in den nächsten fünf Jahren abzudecken.


Mehr über die «vier Dinge, ohne die ein gutes Portfolio nicht auskommt», erfahren Sie in unserem jüngsten House View Monthly Letter