Aus drei Gründen rechnen wir nicht mit weiteren Problemen für den globalen Bankensektor – oder globale Aktien – insgesamt. (Shutterstock)

Die Aktien mehrerer Banken haben in letzter Zeit starke Kursverluste erlitten. Der Auslöser waren Bedenken von Anlegerinnen und Anlegern über das Engagement dieser Banken in US-Gewerbeimmobilien.


Letzte Woche meldeten die US-amerikanische New York Community Bancorp und die japanische Aozora Bank Schwierigkeiten bei einigen ihrer US-Immobiliendarlehen. Moody’s will die Kreditratings von New York Community Bancorp auf eine mögliche Herabstufung hin überprüfen. Die Aozora Bank warnte ihrerseits vor einem Nettoverlust von JPY 28 Mrd. und kürzte die Dividenden für das laufende Geschäftsjahr um 50%.


Durch diese aktienspezifischen Faktoren gerieten die Aktienkurse im breiteren US-Regionalbankensektor in Bewegung. Die Aktien von New York Community Bancorp verloren 42% und die der Aozora Bank 33%. Der S&P Regional Banks Select Industry Index sank um 7,4% gegenüber der Vorwoche. Im Vergleich dazu verzeichneten der S&P 500 und der Nikkei 225 Wochengewinne von jeweils 1,4% und 1,1%.


Anlegerinnen und Anleger sollten diese Schwierigkeiten unseres Erachtens aber im richtigen Kontext betrachten. Ohne ein Urteil über einzelne Unternehmen abzugeben, rechnen wir aus drei Gründen nicht mit weiteren Problemen für den globalen Bankensektor – oder globale Aktien – insgesamt:


Das Engagement im Gewerbeimmobiliensektor steht für die meisten US-Banken klar im Fokus – und wird gut gesteuert. Gewerbeimmobilien, insbesondere im US-Bürosektor, sind für Bankmanager und Regulierer seit der Pandemie ein wichtiges Thema. Seit Anfang letzten Jahres haben die Banken genauer über ihre Engagements informiert, um die Bedenken von Anlegern und Gesetzgebern über Konzentrationsrisiken und Risiken bezüglich der Anlagenqualität zu entkräften. Aufgrund der bislang ergriffenen Massnahmen erscheint uns das Kreditrisiko der US-Banken im Bürosegment als beherrschbar. Auf dieses Segment entfallen bei grossen Banken rund 2% und bei kleineren und mittelgrossen Banken etwa 4% des durchschnittlichen gesamten Kreditengagements.


Die Risiken einer weiteren Verschlechterung der Lage im Gewerbeimmobiliensektor und die potenzielle Belastung der Bankgewinne zwischen 2024 und 2026 sind uns bewusst. Wir erwarten aber nicht, dass sich die Kapitallage der Banken erheblich verschlechtert oder die Probleme bei Darlehen für Büroimmobilien auf andere Bereiche des US-Gewerbekreditsektors übergreifen. Es könnte auch einige erfreuliche gesamtwirtschaftliche Anzeichen geben. Die Umfrage der US-Notenbank Fed unter leitenden Kreditvermittlern für das 4. Quartal ergab, dass Banken die Vergabestandards für Kredite an Unternehmen jeder Grösse zwar weiter verschärften, die Zahl der Banken, die so vorgingen, jedoch geringer war als im 3. Quartal. Dies könnte ein Hinweis auf eine leichte Verbesserung der Kreditverfügbarkeit sein.


Insgesamt ist der japanische Finanzsektor von den Problemen im US-Bürosektor praktisch nicht betroffen. Die Mega- und Regionalbanken des Landes weisen ein geringes Engagement in US-Immobiliendarlehen auf, die nur durch den Wert der Immobilie besichert sind und für die der Darlehensnehmer nicht haftet («Non-Recourse Loans»). In den im Dezember gemeldeten Ergebnissen wiesen die drei grössten Banken einen Anstieg des Nettogewinns im Vergleich zum Vorjahr und geringe Auswirkungen von Gewerbeimmobilien aus. Die von ihnen gehaltenen Darlehen sind unserer Ansicht nach überwiegend qualitativ hochwertige Anlagen und unterliegen einem strikten Risikomanagement. Japans grösste Versicherer sind den schwächsten Segmenten des US-Gewerbeimmobiliensektors zwar stärker ausgesetzt, haben bei der Vorlage der Zahlen für das zweite Geschäftsquartal jedoch bereits die Risiken oder Verlustprognosen für die zweite Hälfte dieses Jahres offengelegt. Etwaige Verluste sollten unseres Erachtens beherrschbar sein und mögliche positive Ertragsüberraschungen dürften helfen, den Druck durch Kapitalwertminderungen auszugleichen.


Das Engagement von europäischen Banken im Gewerbeimmobiliensektor ist weitaus geringer – und die Risiken dürften beherrschbar sein. Bei europäischen Banken entfallen im Durchschnitt etwa 6% des Kreditbestands auf Gewerbeimmobilien. Gemessen in Prozent des harten Kernkapitals (CET1) ist der Wert erheblich geringer als bei US-Banken, vor allem bei den kleinen und mittelgrossen Instituten. Daten von JLL deuten ausserdem darauf hin, dass die Lage im Bürosegment sehr unterschiedlich ist: Leerstandsquoten in Europa von rund 8% am Ende des 3. Quartals 2023 steht eine Quote von 21% in Nordamerika gegenüber. Bei den auslaufenden Gewerbeimmobiliendarlehen bestehen zwar weiterhin Refinanzierungsrisiken, jedoch wird der Druck unseres Erachtens abnehmen, wenn die Zentralbanken in Europa die Zinsen im Jahr 2024 wie erwartet senken.


Wir glauben daher nicht, dass die aktuellen Berichte über US-Gewerbeimmobilienkredite den Anlegern auf Dauer Sorgen wegen etwaiger systemischer Risiken für den Bankensektor oder einer Ansteckungswelle an den Finanzmärkten bereiten sollten. Gleichwohl sehen wir weiterhin auch Risiken für die Märkte. Diese gehen aber insbesondere von den Konflikten im Nahen Osten sowie zwischen Russland und der Ukraine und dem gespannten Verhältnis zwischen den USA und China aus.


Wir räumen ein, dass es keine Patentlösung gibt, die vor allen Marktrisiken schützt. Aber wir erkennen auch einige Strategien, die helfen können, Umschwünge im Portfolio abzufedern oder die Portfoliorückgänge vom höchsten bis zum tiefsten Stand zu begrenzen. Dazu zählen Engagements in Qualitätswerten an den Aktien- und Anleihenmärkten sowie in defensiven strukturierten Strategien, alternativen Anlagen oder in Öl und Gold.


Vielen Dank an Bradley Ball, Sacha Holderegger, Chisa Kobayashi und Jennifer Stahmer (UBS Chief Investment Office) für ihre Beiträge.