Nach zwei sehr guten Monaten zum Abschluss des Jahres 2023 gerieten Aktien und Anleihen im Januar ins Stocken, da die Märkte die Aussicht auf Zinssenkungen in diesem Jahr neu einschätzten. (UBS)

Nach zwei sehr guten Monaten zum Abschluss des Jahres 2023 gerieten Aktien und Anleihen im Januar ins Stocken, da die Märkte die Aussicht auf Zinssenkungen der US-Notenbank Fed in diesem Jahr neu einschätzten.


Die Rendite der 10-jährigen US-Treasuries ist von 3,88% Ende Dezember auf 4,1% gestiegen und den Daten von Bloomberg zufolge sind die Markterwartungen zur Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung im März von 84% auf 63% gesunken. Die Aufwärtsentwicklung des S&P 500 ist ins Stocken geraten. Per 17. Januar hat der Index seit Jahresbeginn 0,6% auf 4739 Punkte nachgegeben.


Nach diesen Bewegungen konzentrieren sich die Fragen der Anlegerinnen und Anleger an uns auf drei Themen: Können die Aktien- und Anleihenmärkte 2024 steigen? Wie sollten wir Portfolios durch die kommende Wende im Zinszyklus steuern? Was sollten wir über die geopolitischen und politischen Risiken denken, die in den kommenden Monaten auf uns zukommen?


Um es kurz zu sagen:

  • Unserer Meinung nach haben sowohl die Aktien- als auch die Anleihenmärkte noch weiteres Aufwärtspotenzial. In unserem Basisszenario gehen wir von einer sanften Landung aus. Niedrigere Zinssätze, ein positives (wenn auch nachlassendes) Wirtschaftswachstum und wachsende Unternehmensgewinne dürften einen leichten weiteren Anstieg der Aktienkurse unterstützen. Wir sind auch der Ansicht, dass die langfristigen Anleihenrenditen noch weiter sinken können, da die langfristigen Realzinsen immer noch über dem von der Fed geschätzten neutralen Realzins liegen. Auf risikobereinigter Basis bevorzugen wir Anleihen.
  • Niedrigere Zinssätze werden zu geringeren Zinserträgen führen, womit das Wiederanlagerisiko für Barpositionen und Geldmarktanlagen steigt. Für Anleger ist es unseres Erachtens jetzt an der Zeit, ihre Portfolios wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Wir erkennen sowohl taktische als auch strategische Vorteile einer Umschichtung von Portfolios aus Cash in Anleihen und Aktien.
  • Die Geopolitik dürfte eine fortgesetzt wichtige Rolle spielen. Doch in unseren Augen ist es wichtig, allgemeine Anlageentscheidungen von der Politik zu trennen. Wir gehen nicht davon aus, dass die jüngste Eskalation im Nahen Osten bedeutende Auswirkungen auf die weltweite Inflation haben wird. Sie könnte aber kurzfristig zur Marktvolatilität beitragen. Wir stellen auch fest, dass US-Wahlen in der Vergangenheit keine entscheidenden Auswirkungen auf die breiteren Märkte hatten. Die Tatsache, dass im November Wahlen anstehen, trägt jedoch zu Spekulationen von Anlegern bei, dass die Fed früher mit Zinssenkungen beginnen könnte.

Vor diesem Hintergrund beurteilen wir Qualitätsanleihen nach wie vor positiv. Bei Aktien konzentrieren wir uns auf Qualitätswerte, die dank ihrer soliden Bilanzen, ihrer hohen Rentabilität und ihrer robusten Gewinnprofile bei einem schwächeren Wirtschaftswachstum gut aufgestellt sein dürften. Besonders gefällt uns der US-Technologiesektor, der zu unserer Ausrichtung auf Qualität passt und ein Engagement in attraktiven disruptiven Trends wie der künstlichen Intelligenz bietet.


Wir erkennen auch taktische Chancen in Bereichen des Aktienmarktes, die unseres Erachtens stärker vom Aufwärtspotenzial in einem «Goldilocks»-Szenario des kräftigeren Wachstums, einer niedrigeren Inflation und vorbeugenden Zinssenkungen der Fed profitieren würden, aber auch in unserem Basisszenario gut abschneiden dürften. Schwellenländeraktien sowie Small-Cap-Titel in den USA und Europa dürften sich zum Beispiel in beiden Szenarien gut entwickeln.