1984 - Key Moment

PCs verändern die Büroarbeit

Der Personal Computer (PC) veränderte die Bankarbeit ab Mitte der 1980er-Jahre grundlegend. Diese Zeit gilt als Ära des «Personal Computing». Der PC vereinte zuvor getrennte Tätigkeiten wie Transaktionen, Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und Datenverwaltung an einem Arbeitsplatz. So waren beispielsweise beim Schweizerischen Bankverein (SBV) Ende 1989 bereits rund 5000 PCs im Einsatz. Mit der Vernetzung der Geräte entstand eine gemeinsame digitale Infrastruktur: Informationen zirkulierten schneller, E-Mail gewann an Bedeutung, und Real-Time-Banking-Funktionen wurden zunehmend in die PC-Umgebung integriert.

Büroarbeit am Personal Computer, ca. 1986
Büroarbeit am Personal Computer, ca. 1986

Die Einführung des Personal Computers (PC) veränderte die Bankarbeit grundlegend, auch wenn Banken seit den späten 1970er-Jahren viele Geschäfte bereits über Real-Time-Banking (RTB) digital abwickelten. Im Arbeitsalltag blieben jedoch zahlreiche Tätigkeiten voneinander getrennt: Transaktionen liefen über spezielle Terminals, Briefe wurden auf Schreibmaschinen verfasst und Informationen in Karteien oder in unterschiedlichen Systemen verwaltet. Mit dem Personal Computer begann dieses Nebeneinander zu verschwinden. Er vereinte verschiedene Anwendungen auf einem Gerät und brachte die elektronische Datenverarbeitung direkt an den Arbeitsplatz. Damit leitete er den Übergang von zentralen Grossrechnern mit Terminalverbindungen zu dezentralen Arbeitsplatzsystemen ein.

Getragen wurde diese Entwicklung von standardisierten Geräten, wie dem IBM PC ab 1981, dem leistungsfähigeren IBM PC/AT ab 1984 und der PS/2-Serie ab 1987. Ihr wesentlicher Beitrag lag weniger in einer einzelnen technischen Neuerung als in der Möglichkeit, unterschiedliche Aufgaben auf einer gemeinsamen Plattform zu vereinen. Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Datenverwaltung und weitere Programme liessen sich nun am selben Arbeitsplatz nutzen. Informationen mussten nicht mehr zwischen verschiedenen Geräten, Formularen oder Mitarbeitenden hin- und herübertragen werden, sondern standen digital zur direkten Weiterverarbeitung bereit.

Beim Schweizerischen Bankverein (SBV) zeigte sich früh, welches Potenzial diese Entwicklung besass. Ende 1989 waren bereits rund 5000 PCs im Einsatz, zusätzlich zu 6300 RTB-Terminals. Die Bank verfolgte das Ziel, ihre technische Infrastruktur schrittweise zu vereinheitlichen und den Mitarbeitenden standardisierte in die Unternehmens-IT eingebundene Arbeitsplatzrechner zur Verfügung zu stellen.

Doch der eigentliche Durchbruch erfolgte ab 1989 mit der Vernetzung der PCs. Erst diese verlieh der Entwicklung ihre volle, flächendeckende Dynamik. Aus einzelnen Arbeitsstationen entstand eine zusammenhängende digitale Infrastruktur. Wo zuvor Informationen zwischen Abteilungen und Systemen wandern mussten, zirkulierten sie nun schneller. Parallel dazu entwickelte sich das E-Mail zu einem wichtigen Kommunikationsmittel innerhalb der Bank. Dokumente entstanden zunehmend digital, gelangten direkt von Arbeitsplatz zu Arbeitsplatz und liessen sich ohne Ausdruck weiterbearbeiten. Gleichzeitig wanderten immer mehr Funktionen des RTB in die PC-Umgebung und verbanden Transaktionssysteme und Büroanwendungen zu einer gemeinsamen Arbeitsumgebung.

Für die Banken bedeutete dies schlankere, standardisierte und weniger fehleranfällige Prozesse. Medienbrüche nahmen ab, Informationen standen schneller zur Verfügung und Entscheidungen liessen sich effizienter vorbereiten. Generell profitierten Unternehmen von neuen Möglichkeiten, Berechnungen und Planungen direkt am Arbeitsplatz durchzuführen.

Mit etwas Verzögerung erreichte dieser Wandel auch die breite Bevölkerung. Computer hielten Einzug in Büros und Haushalte – zum Arbeiten, Kommunizieren und Spielen. Neue Berufsbilder entstanden, und digitale Kompetenzen gewannen zunehmend an Bedeutung. Der PC holte die Digitalisierung aus den Rechenzentren auf den Schreibtisch und machte sie erstmals für viele Menschen unmittelbar erfahrbar. Damit prägte er Arbeit, Kommunikation und Organisation weit über die Bankenwelt hinaus.

Textquellen:

Josef Bumann, Bank-Informatik, Ein Einstieg in die EDV für Bankangestellte, Bern und Stuttgart, 1987

Dimitris N. Chorafas, Heinrich Steinmann, High Technology at UBS for Excellence in Client Service, Zürich, 1988

Peter G. Rogge, Dynamik des Wandels. Schweizerischer Bankverein 1872–1997: Das fünfte Vierteljahrhundert, Basel, 1997

UBS, Virtuelles Museum der UBS, Real-Time-Banking – Ein Gerät für mehrere EDV-Systeme, 2022

Bildquelle:

UBS Langzeitarchiv

Bildquellen der Ausstellung:

Baugeschichtliches Archiv, Fotograf Peter Morf

UBS Langzeitarchiv

Quellen der im Ausstellungsvideo verwendeten Bilder:

UBS Langzeitarchiv

UBS Langzeitarchiv, Fotograf Anton Schnyder, Zollikon

UBS Langzeitarchiv, Fotograf K. Ammann