Interview mit Axel A. Weber

Axel Weber spricht über die Unternehmenskultur und die verantwortungsvolle Unternehmensführung bei UBS

  

Axel. A. Weber

Axel. A. Weber

Zu den Kompetenzen und Befugnissen des Corporate Culture and Responsibility Committee (CCRC), dem Sie vorsitzen, zählt «die Unterstützung einer starken und verantwortungsbewussten Unternehmenskultur, die auf langfristigem Denken beruht». Könnten Sie uns zuerst erklären, wie Sie «langfristiges Denken» auslegen?

Axel A. Weber (Verwaltungsratspräsident von UBS und Vorsitzender des CCRC): Langfristig orientiertes Denken und Handeln umfasst verschiedene Sichtweisen, die wirtschaftliche Faktoren (zum Beispiel eine solide Kapitalbasis und nachhaltige Kundenbeziehungen) mit anderen wichtigen Erwägungen kombinieren, insbesondere mit einer starken Unternehmenskultur und einem verantwortungsvollen Umgang mit unseren Anspruchsgruppen.

Unternehmenskultur und Verantwortungsbewusstsein sind die Hauptthemen des CCRC. Beide können nur durch kontinuierliche Anstrengungen erreicht werden. Nehmen wir die Unternehmenskultur: Bei UBS haben wir eine Reihe wichtiger Massnahmen umgesetzt, etwa die Einführung klar definierter Prinzipien und Verhaltensweisen sowie die Implementierung eines konzernweiten Verhaltensprogramms. Das Verhalten ist heute sogar ein entscheidender Faktor für die Berechnung der Vergütung. Diese und weitere Massnahmen werden uns helfen, eine starke Unternehmenskultur aufzubauen.

Ferner bedeutet langfristig orientiertes Denken und Handeln, dass wir die Rolle unseres Konzerns in der Gesellschaft verstehen, damit wir die gesellschaftlichen Herausforderungen erkennen, die auf mittlere bis lange Sicht unser Geschäft beeinflussen werden. Der Klimawandel ist ein gutes Beispiel: Anfang 2016 stellte das Financial Stability Board (FSB) genau aus der Sorge über die langfristigen Folgen dieser wesentlichen gesellschaftlichen Herausforderung heraus eine eigene Task Force auf. Aufgrund ihrer umfassenden Strategie zum Klimawandel nimmt UBS aktiv an den entsprechenden Diskussionen teil.

Welches sind Ihres Erachtens die grössten Erfolge, die unser Unternehmen in Bezug auf unsere Nachhaltigkeitspolitik 2015 erreicht hat? Und welches erachten Sie als die wichtigsten Aufgaben und Ziele für 2016 und darüber hinaus?

Der Verwaltungsrat befasst sich heute deutlich mehr mit Fragen zur Unternehmenskultur. Wir wollen den kulturellen Wandel, der vom Group CEO und von der Konzernleitung angeführt wird, aktiv unterstützen und beaufsichtigen. Der richtige Ton von oben ist sehr wichtig.

Ebenfalls als Erfolg zu werten ist die Lancierung und Weiterentwicklung der Initiative «UBS and Society». Damit verpflichtet sich unser Unternehmen, sich für Nachhaltigkeit im Alltag einzusetzen.

Unsere Aktivitäten in Bezug auf die Unternehmenskultur und die Nachhaltigkeit sind eng verknüpft mit den Interessen unserer wichtigsten Anspruchsgruppen, insbesondere unserer Aktionäre, Mitarbeiter und Kunden. Beide Themen sind aber auch für staatliche Stellen und Aufsichtsbehörden von Bedeutung. Im CCRC diskutieren wir verstärkt über den Ansatz und die Massnahmen, die diese Instanzen betreffend Unternehmenskultur und Nachhaltigkeit ergriffen haben, derzeit beraten und in Zukunft beschliessen werden.

Diese Entwicklungen werden auch 2016 und darüber hinaus relevant bleiben. Die Integration des kulturellen Wandels, die Einbettung von Nachhaltigkeit in den Alltag und die weitere Interaktion mit Anspruchsgruppen in diesen Bereichen sind laufende Aufgaben, die unseren kontinuierlichen Einsatz erfordern. Das ist sehr anspruchsvoll – aber es ist essenziell und wird sich zweifellos auszahlen!

Die Initiative «UBS and Society», die Sie bereits angesprochen haben, illustriert unseren langfristigen Fokus besonders gut. Dieses Jahr steht sie sowohl in unserem Geschäftsbericht (PDF, 7 MB) als auch in unserem Jahresrückblick (PDF, 9 MB) im Mittelpunkt. Sie und unser Group CEO nehmen zudem im Aktionärsbrief darauf Bezug. Warum schenkt UBS ihr so grosse Aufmerksamkeit?

AAW: «UBS and Society» ist ein integraler Bestandteil unserer Bemühungen, unsere Pflichten gegenüber unseren Anspruchsgruppen und Kunden zu erfüllen. Alle Kunden unseres Konzerns – Privatkunden, Unternehmenskunden und institutionelle Kunden – interessieren sich vermehrt für nachhaltiges Anlegen und fragen solches nach. Ich bin fest davon überzeugt, dass unsere Bank in der Lage ist, dieser Nachfrage zu entsprechen. Wir tun dies bereits und bauen unser Angebot noch weiter aus. So haben wir zum Beispiel neue Finanzprodukte und Dienstleistungen eingeführt wie etwa Impact Investing. Unser Geschäftsbericht enthält aufschlussreiche Beispiele und einen informativen Überblick darüber, wo wir in Bezug auf nachhaltige Anlagen heute stehen.

Aber die Initiative «UBS and Society» nützt nicht nur unseren Kunden. Die bereichsübergreifende Initiative deckt alle unsere Aktivitäten im Bereich nachhaltige Anlagen und Philanthropie, unsere Umwelt- und Menschenrechtspolitik, unseren ökologischen Fussabdruck sowie die Interaktionen unseres Unternehmens mit seinem Umfeld ab.

In unserem Geschäftsbericht unterstreichen wir, dass wir Nachhaltigkeit im Alltag anstreben. Was sagen Sie zu diesem sehr klaren und ehrgeizigen Bekenntnis?

AAW: Im Bankwesen bedeutet Nachhaltigkeit, sowohl Chancen wahrzunehmen als auch Risiken zu steuern. Lange Zeit dachten die Menschen, dass es für Grossbanken bereits eine Leistung sei, nicht in Schwierigkeiten zu geraten. Aber ich bin überzeugt, dass sich der Fokus verlagert. Heute genügt es nicht mehr, keinen Schaden anzurichten, heute gilt es, Gutes zu tun. Vor diesem Hintergrund müssen wir zum Beispiel auch die Beziehungen zu unseren Kunden und Lieferanten so ausrichten, dass sie unsere strengen Kriterien für den Umgang mit Umwelt- und Sozialrisiken erfüllen. Letztendlich geht es um jeden Einzelnen von uns, um unser tägliches Handeln, nicht nur als Banker, sondern auch als Verbraucher und Bürger.

UBS ist dem UN Global Compact verpflichtet

UBS war eines der ersten Unternehmen, das im Jahr 2000 den Global Compact unterzeichnete. Ausserdem sind wir Mitglied des UN Global Compact Network Switzerland. Unsere 2015 Nachhaltigkeitsberichterstattung (in Geschäftsbericht und Jahresrückblick sowie auf ubs.com/ubsandsociety) zeigt unsere umfangreichen Verpflichtungen und Tätigkeiten auf, die mit den Prinzipien des Compact verknüpft sind.