Geschichte

Als die UBS AG im Juni 1998 ihre Geschäftstätigkeit aufnimmt, tritt sie auch das Erbe des kulturellen und sozialen Engagements der beiden Vorgängerbanken an. Sowohl die Schweizerische Bankgesellschaft (SBG) als auch der Schweizerische Bankverein (SBV) haben sich in ihrer über 100-jährigen Geschichte in vielfältiger Weise für die Unterstützung kultureller, sozialer und gesellschaftlicher Anliegen engagiert. In diesem Zusammenhang sind insbesondere die zu ihrem 100-jährigen Bestehen errichteten Jubiläumsstiftung von SBG und SBV zu erwähnen. Zu ihrem 100-jährigen Bestehen errichtete die SBG im Jahre 1962 und der SBV im Jahre 1972 Stiftungen zur Förderung kultureller und wissenschaftlicher bzw. kultureller, wissenschaftlicher und sozialer Zwecke. Die beiden gemeinnützigen Stiftungen sind frühe Beispiele für das in den 1960er-Jahren wachsende Engagement der Privatwirtschaft zur Unterstützung kultureller und sozialer Anliegen in der Schweiz. In diese Tradition reihen sich die beide im Jahre 1999 gegründeten Vergabestiftungen UBS Kulturstiftung und UBS Stiftung für Soziales und Ausbildung ein, welche die Nachfolge der Jubiläumsstiftung von SBG und SBV antreten.

Im Zentrum der Zweckbestimmung der SBG-Stiftung stand «die Förderung des kulturellen, künstlerischen und wissenschaftlichen Lebens und Schaffens in der Schweiz» (Statuten Jubiläumsstiftung der SBG 1962), während die SBV-Stiftung zusätzlich auch «die Unterstützung von [...] gemeinnützigen, wohltätigen oder ähnlichen Institutionen oder Bestrebungen» bezweckte. Zur Erfüllung dieser Aufgabe widmeten SBG und SBV den Stiftungen im Gründungsjahr ein Vermögen von 10 Millionen bzw. 15 Millionen Franken. Bis 1992 erhöhten die zuständigen Gremien der SBG das Dotationskapital um insgesamt 15 Millionen Franken. Diese Kapitalerhöhungen hatten unmittelbaren Einfluss auf die für die Fördertätigkeit zur Verfügung stehenden Mittel, da die Zuwendungen aus den jährlichen Kapitalerträgen des Stiftungsvermögens erwirtschaftet werden. Damit die Erträge des Stiftungskapitals vollumfänglich der Fördertätigkeit zukommen, übernehmen die Stifterinnen seit der Gründung die Kosten für Geschäftsführung und Administration der Stiftungen.

Seit Beginn ihrer Tätigkeit setzten sich die Stiftungen von SBG und SBV auf der Grundlage ihrer Zweckbestimmung für eine eigenständige, die öffentliche und die private Finanzierung kultureller und sozialer Anliegen ergänzende Praxis der Unterstützung ein. Im Bereich der Kultur sollte diese Fördertätigkeit die unterschiedlichen kulturellen Sparten und die verschiedenen Sprachregionen berücksichtigen sowie für ein Gleichgewicht zwischen kultureller Bewahrung und Erneuerung eintreten. Die Verantwortung für die Förderpraxis trug der jeweilige Stiftungsrat, dessen Mitglieder von der Stifterfirma ernannt wurden. Seit ihrer Gründung ist das oberste Organ von SBG- und SBV-Stiftung wie das ihrer Nachfolgerstiftungen aus Repräsentanten der jeweiligen Bank und externen Vertretern aus Kultur, Wissenschaft und Gesellschaft zusammengesetzt. Die Liste der Stiftungsräte umfasst nicht nur prominente Namen aus den Führungsgremien der Stifterinnen und verschiedenen Bereichen der Gesellschaft, sondern ist vor allem Ausdruck für das Bestreben nach einer kompetenten und engagierten, verantwortungsbewussten und eigenständigen Fördertätigkeit im Dienste der Gesellschaft. Unterstützt wird der Stiftungsrat durch eine Geschäftsstelle, welche die operativen Geschäfte mit der Stiftung besorgt und insbesondere die Entscheidungen des obersten Organs vorbereitet und umsetzt.

Im Zeitraum zwischen der Gründung der ersten Vorgängerstiftung im Jahre 1962 und der Gründung der UBS Kulturstiftung mit einem Stiftungskapital von 30 Millionen Franken im Jahre 1999 sind nicht nur die zur Verfügung stehenden Mittel gewachsen, sondern vor allem auch die Zahl der Gesuche. So behandelte die SBG-Stiftung in dem für die ersten Jahre charakteristischen Jahr 1964 insgesamt 74 Gesuche und beschloss 29 Vergabungen mit einer Gesamtsumme von 341 000 Franken, während es 1994 bereits 531 Gesuche, davon 76 Beiträge mit einer Gesamtsumme von 1 262 000 Franken waren. Eine nochmals markante Steigerung des Gesuchseingangs ist in den Jahren seit 1999 zu beobachten. Zwischen 650 und 800 Gesuche waren jährlich zu behandeln und zwischen 10 und 15 Prozent der Anträge konnten mit Förderbeiträgen in der Höhe von insgesamt 1,5 bis 2 Millionen Franken ausgestattet werden. In der Folge konnte diese hohe Ablehnungsquote durch eine verbesserte Kommunikation der Förderbereiche, Richtlinien und Kriterien reduziert werden. Insbesondere die im Jahre 2008 neu konzipierte Website hat dazu beigetragen, dass die Zahl der nicht dem Förderprofil entsprechenden Gesuche markant gesenkt werden konnten: Derzeit erfüllen rund die Hälfte der 500 bis 600 Anträge, die jährlich zu behandeln sind, die für die jeweiligen Förderbereiche geltenden Anforderungen. Bezogen auf die Gesamtzahl der Gesuche können nun 15 bis 20 Prozent der Eingaben mit einem Förderbeitrag ausgestattet werden. Noch deutlicher werden die Folgen dieser Entwicklung, wenn man das Verhältnis zwischen den positiv beurteilten und den dem Förderprofil entsprechenden Gesuchen betrachtet: Von diesen können mehr als ein Drittel mit einem Förderbeitrag aus der jeweils zur Verfügung stehenden Gesamtsumme von 1 bis 1,5 Millionen Franken unterstützt werden. Obwohl die Ablehnungsquote in den vergangenen Jahren rückläufig ist, existiert nach wie vor die für den Kulturbereich charakteristische Differenz zwischen der Zahl und dem Finanzierungsbedarf kultureller Projekte auf der einen und den für diesen Bereich verfügbaren Mitteln auf der anderen Seite. Die sich hier abzeichnende Diskrepanz zwischen dem Wünschbaren und dem Machbaren im Bereich der Finanzierung stellt sowohl öffentliche wie auch private Kulturfinanzierer vor die Herausforderung, eine möglichst profilierte, zielorientierte und transparente Politik und Praxis der Förderung zu entwickeln. Vor diesem Hintergrund ist die in den Statuten der UBS Kulturstiftung formulierte Absicht zu verstehen.

Die sich hier abzeichnende Kluft zwischen dem Wünschbaren und dem Machbaren im Bereich der Finanzierung scheint konstitutiv für den Kulturbereich zu sein und stellt sowohl öffentliche wie auch private Kulturfinanzierer vor die Herausforderung, eine möglichst profilierte, zielorientierte und transparente Politik und Praxis der Förderung zu entwickeln. Vor diesem Hintergrund ist die in den Statuten der UBS Kulturstiftung formulierte Absicht zu verstehen, dass die zur Verfügung stehenden Mittel «dort eingesetzt werden, wo andere nicht in der Lage sind, das kulturelle und künstlerische Schaffen zu unterstützen» (Statuten UBS Kulturstiftung 1999). Auch aus diesem Grund haben sich sowohl die Vorgängerstiftungen wie auch die UBS Kulturstiftung immer um die Zusammenarbeit zwischen öffentlichen und privaten Kulturfinanzierern, insbesondere aber um den Austausch zwischen den privaten Stiftungen im Kulturbereich bemüht. Die UBS Kulturstiftung ist Gründungsmitglied von SwissFoundations, dem 2001 gegründeten Verband der Schweizer Förderstiftungen, und beteiligt sich seit 2001 aktiv am FORUM · KULTUR UND ÖKONOMIE.

Im Bewusstsein ihrer Geschichte engagiert sich die UBS Kulturstiftung heute für eine zugleich eigenständige und komplementäre, innovative und bewahrende, priorisierende und ausgewogene, insbesondere aber für eine profilierte, professionelle, zielorientierte und nachhaltige Praxis der Förderung und Unterstützung des kulturellen Lebens und Schaffens in der Schweiz und zur Schweiz.