Finanzstabilität

Die G20 hat sich verpflichtet, das globale Finanzsystem einer fundamentalen Reform zu unterziehen. Durch zahlreiche Massnahmen wurde die Widerstandsfähigkeit der systemrelevanten Banken deutlich erhöht.

Internationale Bestrebungen

Die Finanzstabilität ist ein globales Thema, und globale Koordination ist entscheidend. Dennoch werden die entsprechenden legislativen und regulatorischen Änderungen weitgehend auf nationaler Ebene umgesetzt. Ein wichtiges Bindeglied in diesem Prozess ist das internationale Financial Stability Board (FSB), welches eng mit nationalen Regulatoren zusammenarbeitet.

Stossrichtungen

Im Bereich der Finanzstabilität werden drei Hauptziele angestrebt: Das Schaffen einer erhöhten Widerstandsfähigkeit der Finanzinstitute, die Lösung der Too-big-to-fail-Problematik sowie die Stärkung der Regulierung im Bereich des sogenannten «shadow banking».

Unter dem Stichwort «resilience», also Widerstandsfähigkeit, sind auf internationaler Ebene eine Reihe von Bestrebungen im Gang, welche zum Ziel haben, die Stabilität von Finanzinstituten zu stärken.

Das Kernelement bildet die Basel III-Regulierung, welche eine Weiterentwicklung der Basel II-Regulierung des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht (BCBS) darstellt. Dieser hat nicht nur die Grundsätze für eine wirksame Bankenaufsicht festgelegt. Basel III verschärft auch die Anforderungen an das risikogewichtete Eigenkapital der Banken und ergänzt diese mit der Leverage Ratio um ein einfacheres nicht risikobasiertes Mass. Als drittes Element kommen neue Standards hinzu, die Mindestanforderungen hinsichtlich der Liquidität definieren. Mit diesen Massnahmen werden die Krisenresistenz des einzelnen Instituts und des gesamten Bankensektors gestärkt.

In einer vielbeachteten Rede im November 2014 hat der Gouverneur der Bank of England Mark Carney berechnet, dass sich die Kapitalanforderungen für einen Grossteil der Banken in den vergangenen sieben Jahren versiebenfacht haben. Für die grossen globalen Banken haben sich die Anforderungen im gleichen Zeitraum verzehnfacht. Dennoch werden viele diese Unternehmen die neuen Anforderungen frühzeitig umgesetzt haben.

Was wir dazu meinen: Der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht hat Ende 2013 ein Diskussionspapier über die zukünftige Ausgestaltung des regulatorischen Frameworks publiziert. In dem Papier "Regulatorische Rahmenregelungen: Abstimmung von Risikosensitivität, Einfachheit und Vergleichbarkeit" schlägt der Ausschuss unterschiedliche Ideen vor, wie eine Vereinfachung der Eigenkapitalstandards und eine Verbesserungen der Vergleichbarkeit der Ergebnisse erzielt werden kann. UBS hat umfassend auf die Konsultation geantwortet. Die Antwort stellt die UBS-Sicht zu den prudenziellen Regulierungsmassnahmen dar.

Im Herbst 2014 hat der Basler Ausschuss im Rahmen des G20-Treffen den Zeitplan zu der Umsetzung von einzelnen Massnahmen veröffentlicht.

Zusätzliche Anforderungen gelten für Finanzinstitute, welche aufgrund ihrer Grösse, Marktbedeutung und Vernetzung als systemrelevant gelten. Systemrelevante Banken müssen insbesondere umsetzbare Massnahmen entwickeln, die im Krisenfall sicherstellen, dass die Bank ohne Beteiligung des Steuerzahlers stabilisiert oder – falls dies nicht gelingt – abgewickelt werden kann.

Um die Risiken für das Finanzsystem zu reduzieren und systemrelevante Institute zu stärken, wurden auf internationaler Ebene unter anderem folgende Massnahmen ergriffen:

  • Massnahmen zur Identifikation und Bewertung von systemrelevanten Instituten
  • Schaffung von verlustabsorbierenden Instrumenten, um die Widerstandsfähigkeit der relevanten Institute zu stärken und genügend Kapital im Fall einer Abwicklung zur Verfügung zu stellen
  • Verschärfte Aufsichtsmassnahmen in den Bereichen Governance, Risikotoleranz, oder auch bei Stresstests
  • Effektive Abwicklungsmechanismen, welche es erlauben, Banken gezielt abzuwickeln
  • und eine stabilere Finanzmarktinfrastruktur (siehe auch unter Finanzmarktregulierung)

Im November 2015 hat das the Financial Stability Board (FSB) den finalen Total Loss-Absorbing Capacity (TLAC) Standard für global systemrelevante Banken (G-SIBs) bekannt gegeben. Der TLAC Standard ist so ausgestaltet, dass  eine gescheiterte Bank genügend verlustabsorbierendes und zur Rekapitalisierung geeignetes Kapital aufweisen wird, um eine ordentliche Abwicklung vollziehen zu können.

UBS unterstützt internationale Bemühungen, um die Finanzstabilität zu erhöhen und das von Banken ausgehende Risiko zu vermeiden, die systembedingt "too big to fail" (TBTF) sind und im Krisenfall mit Steuergeldern gerettet werden müssten.

Die Schweiz hat frühzeitig und umfassend auf die TBTF-Herausforderung reagiert. In seinem Evaluationsbericht vom Februar 2015 hält der Bundesrat fest, dass im internationalen Vergleich die Beurteilung des Schweizer Ansatzes in einer Gesamtbetrachtung grundsätzlich positiv ausfällt.

  • Grossbanken müssen heute mehr und qualitativ hochwertigere Eigenmittel halten
  • Neue organisatorische Massnahmen sorgen für eine erleichterte Sanierung und Abwicklung im Krisenfall
  • Verschärfte Anforderungen im Bereich der Liquidität und der Risikoverteilung sorgen für bessere Krisenresistenz

Die Schweizer TBTF-Regulierung hat sich als wirksam und effizient erwiesen:

  • UBS hat ihre Eigenkapitalsubstanz deutlich erhöht, signifikant Risiken abgebaut und die  Bilanzsumme stark reduziert. UBS gehört international zu den am besten kapitalisierten Grossbanken. (UBS Investor Relations)
  • UBS hat die notwendigen organisatorischen Massnahmen eingeleitet, um die Weiterführung der für die Schweiz systemrelevanten Funktionen in einer möglichen Krise sicherzustellen.

Neue rechtliche Struktur: Um eine Erhöhung der Abwicklungsfähigkeit des Konzerns zu erreichen, hat UBS eine Konzernholdinggesellschaft etabliert, basierend auf einem Aktientausch im Verhältnis 1:1. Gewisse Teile des Schweizer Geschäfts werden in eine neue Schweizer Tochtergesellschaft, die UBS Switzerland AG, übertragen. Weitere Informationen finden Sie hier

Im Oktober 2015 hat der Schweizer Bundesrat die Eckwerte für Anpassungen der geltenden "Too-big-to-fail"-Bestimmungen verabschiedet. Durch die neuen Anforderungen soll die Widerstandsfähigkeit der systemrelevanten Banken weiter erhöht werden. Die Anforderungen in der Schweiz sind im weltweiten Vergleich auf relativer Basis die weitaus strengsten.

  • Die Sockelanforderung für die Leverage Ratio beträgt dabei 4.5% und für die risikogewichteten Aktiven 12.9%. Bei den beiden Grossbanken führt dies zu Going-Concern-Anforderungen von insgesamt 5% für die Leverage Ratio und 14.3% bei den risikogewichteten Aktiven.
  • Die Going-Concern-Anforderungen werden gespiegelt, womit die beiden Grossbanken zusätzliche Gone-Concern-Anforderungen von nochmals 5% für die Leverage Ratio und 14.3% bei den risikogewichteten Aktiven halten müssen. Die Erfüllung der Gone-Concern-Anforderungen erfolgt grundsätzlich mit Bail-In-Instrumenten.

Die neuen Anforderungen sind bis Ende 2019 zu erfüllen.

Im November hat das Financial Stability Board (FSB) den finalen Total Loss-Absorbing Capacity (TLAC) Standard für global systemrelevante Banken (G-SIBs) bekannt gegeben. 

Das FSB definiert Schattenbanken als ein «System der Kreditvermittlung, an dem Unternehmen und Tätigkeiten ausserhalb des regulären Bankensystems beteiligt sind». Unter diese Definition fallen zwei Bereiche: Einerseits handelt es sich um Unternehmen, die ausserhalb des regulären Bankensystems operieren und eine der folgenden Tätigkeiten ausüben:

  • Entgegennahme von Geldern mit einlageähnlichen Merkmalen,
  • Durchführung von Fristen- und/oder Liquiditätstransformation,
  • Kreditrisikotransfer und
  • Einsatz direkter oder indirekter finanzieller Hebeleffekte.

Andererseits geht es um Tätigkeiten, die für Nichtbanken bedeutende Finanzierungsquellen darstellen könnten. Hierzu zählen Verbriefungen, Wertpapierleihe- und Pensionsgeschäfte («Repos»).

Der Bereich der Schattenbanken ist heute weniger transparent als traditionelle Finanzmärkte und nur wenigen Finanzmarktregulationen unterworfen. Es stellt als solches auch ein potenzielles Risiko für die Stabilität des Finanzsystems dar. Um diesem Risiko zu begegnen, sind internationale Bestrebungen im Gang, um die Widerstandsfähigkeit der Akteure zu erhöhen und nachhaltige Finanzquellen für die Realwirtschaft zu schaffen. Der Fokus liegt dabei im Bereich der verschärften Aufsicht und Regulierung.