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Neue Studie in Südafrika: Eines von fünf Kindern ist Opfer von sexuellem Missbrauch

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Zürich, 31. Juli 2015 – Die Ergebnisse einer heute veröffentlichten Optimus Studie zeigen, dass in Südafrika nahezu 20% der Jugendlichen Opfer von sexuellem Missbrauch sind. Der Wert liegt über dem globalen Durchschnitt, ist jedoch nicht schlechter als die Höchstwerte, die Studien zu Australien und anderen afrikanischen Ländern ergaben.¹ Das Meldeverhalten bezüglich des sexuellen Missbrauchs variiert leicht zwischen Jugendlichen unterschiedlicher Ethnien. Die Optimus Studie hat ergeben, dass die Opfer häufiger von einem anderen Kind als von einem Erwachsenen missbraucht wurden. Frühere Optimus Studien in der Schweiz und China haben gezeigt, dass der Anteil der Missbrauchsfälle bei 15% beziehungsweise 7% liegt.

Kindsmissbrauch, wo auch immer er vorkommt, hat gravierende Folgen. Die Kosten für das Opfer sind unermesslich und für dessen Gemeinschaft und Land immens. Schätzungen beziffern die Kosten von Kindsmissbrauch für die Weltwirtschaft auf bis zu 7 Billionen US-Dollar², was weit über dem Betrag liegt, der erforderlich wäre, um einen grossen Teil des Kindsmissbrauchs in all seinen Formen zu verhindern.

Spitze des Eisbergs: Die Optimus Studie Südafrika und alle übrigen Studien in dieser Reihe belegen, dass Missbrauchsopfer weltweit die Verbrechen nicht immer den Behörden melden.³ Das Problem ist folglich viel grösser als eingestanden wurde oder wird. Zahlreiche Opfer leiden infolge kultureller oder anderer Zwänge im Stillen. Und selbst wenn sie den Missbrauch melden, fehlt es in vielen Ländern an Ressourcen zur korrekten Erfassung der Daten oder Bereitstellung der nötigen Unterstützung. Den Missbrauchsopfern zu helfen, ist von grösster Bedeutung. Aber es ist auch belegt, dass sich Prävention auszahlt. Sie verhindert, dass es überhaupt zu Kindsmissbrauch kommt, und schützt die Opfer vor dessen schrecklichen Folgen.

Verheerende Folgen: Sämtliche Optimus Studien zeigen, dass Missbrauchshandlungen neben kurzfristigen Traumata auch schlimme Langzeitfolgen mit sich bringen. Untersuchungen⁴ haben ferner einen engen Zusammenhang zwischen Missbrauch in der Kindheit und diversen Risikofaktoren für die häufigsten Todesursachen bei Erwachsenen nachgewiesen. Bei Missbrauchsopfern

  • ist das Alkohol-, Drogen-, Depressions- und Selbstmordrisiko um das 4- bis 12-Fache höher;
  • ist das Risiko zu rauchen um das 2- bis 4-Fache höher; ebenso steigt die Wahrscheinlichkeit promiskuitiven Verhaltens und der Übertragung von Geschlechtskrankheiten; und
  • ist das Risiko von schwerer Fettleibigkeit um das 1,4- bis 1,6-Fache höher.
  • Sie leiden auch häufiger unter Herzkrankheiten, Krebs, chronischen Lungenerkrankungen sowie Leberkrankheiten und haben zudem eine kürzere Lebenserwartung.

Dr. Alexander Butchart, Prevention of Violence Coordinator bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf, Schweiz, betonte die Bedeutung solcher Umfragen. «Wenn Kindern Gewalt angetan wird, wird dies der Polizei, den Mitarbeitern des Gesundheitswesens oder den Kinderschutzbehörden oft nicht gemeldet. Umfragen wie diese sind folglich die einzige Möglichkeit, um Licht ins ‹Was, Wann, Wo und Wer› zu bringen. Die gesammelten Informationen sind zentral für die Entwicklung und Überwachung von Präventionsprogrammen sowie Unterstützungsangeboten für die Opfer.»

Alexander Butchart verwies zudem auf den «WHO Global status report on violence prevention 2014», der das Fehlen einer repräsentativen nationalen Umfrage zum Thema Kindsmisshandlung in Südafrika als grosse Lücke erkannte. Diese wird mit der vorliegenden Umfrage grösstenteils geschlossen. «Es liegt nun an der Regierung, den zivilgesellschaftlichen Organisationen und den Forschern zu gewährleisten, dass den Umfrageergebnissen konkrete Präventionsmassnahmen und Massnahmen für eine bessere Opferhilfe folgen», ergänzte er.

Phyllis Costanza, CEO UBS Optimus Foundation, sagte: «Kindsmissbrauch in jeder Form ist weder tolerierbar noch unvermeidlich. Er lässt sich durchaus verhindern. Das Bewusstein der Öffentlichkeit für das Ausmass dieses Missbrauchs und die Wut darüber nehmen weltweit zu. Untersuchungen wie die Optimus Studie bilden eine solide Grundlage für öffentliche und private Massnahmen zur Verhinderung von Kindsmissbrauch.»

Prävention zahlt sich aus, und es gibt bereits bewährte Strategien, die Regierungen bei der Missbrauchsprävention unterstützen.

  • Förderung von Elternkompetenzen, um häusliche Gewalt zu verringern
  • Kindern die Fähigkeit vermitteln, mit Herausforderungen umzugehen, ohne Gewalt anzuwenden
  • Gesellschaftliche Einstellungen und Normen ändern, die oft dazu führen, dass die Augen vor offensichtlichem Missbrauch verschlossen werden
  • Kinder dazu ermutigen und sie dabei unterstützen, professionelle Hilfe zu suchen und Missbrauchsvorfälle zu melden
  • Gesetze und Massnahmen umsetzen, die Kinder schützen und eine starke Botschaft an die Gesellschaft aussenden
  • Das Wissen über Kindsmissbrauch – wo, wann, in welcher Form und in welchen Altersstufen er geschieht – erweitern, damit wirksame Interventionsstrategien erarbeitet und implementiert werden können

Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse der Optimus Studie

Optimus Studie Südafrika

  • 19,8% (20,3% männlich, 19,2% weiblich) der Befragten gaben an, Opfer von sexuellem Missbrauch geworden zu sein.
  • Dieser Wert liegt über dem weltweiten Durchschnitt von 12,7%¹. Der Prozentsatz in Südafrika ist indes nahezu identisch mit den höchsten Werten in der globalen Studie: In Australien gaben 21,5% der Mädchen an, Opfer von sexuellen Übergriffen geworden zu sein, und in Afrika 19,3% der Jungen.
  • Kinder neigten eher dazu, sexuellen Missbrauch durch Erwachsene, die sie kennen, zu melden als Übergriffe durch fremde Erwachsene. Kinder wurden zudem häufiger von einem anderen Kind als von einem Erwachsenen missbraucht.
  • Das Meldeverhalten bezüglich sexuellen Missbrauchs variiert leicht unter Jugendlichen unterschiedlicher Ethnien. In individuellen Fragebögen gaben 21,2% der farbigen, 19,7% der schwarzen, 17,5% der weissen und 17% der indischen Jugendlichen an, Erfahrungen mit sexuellem Missbrauch gemacht zu haben.

Optimus Studie Schweiz

  • 15% (8% männlich, 22% weiblich) der Befragten gaben an, sexuell missbraucht worden zu sein.
  • Davon fielen 27% der Mädchen und 33% der Jungen mindestens fünf Mal oder mehr sexuellem Missbrauch zum Opfer.
  • Jugendliche sind häufiger Opfer von sexuellen Übergriffen durch Gleichaltrige als durch Familienmitglieder. Knapp die Hälfte aller Schüler, die einmal Opfer eines sexuellen Übergriffs mit physischem Kontakt waren, gaben an, dass der / die Täter(in) der/ die aktuelle Freund(in) oder ein(e) Bekannte(r) gewesen sei.
  • Sowohl männliche als auch weibliche Opfer wiesen ein deutlich höheres Risiko auf, andere sexuell zu missbrauchen.

Optimus Studie China

  • 7% (8% männlich, 6,4% weiblich) der Befragten gaben an, Opfer von sexuellem Missbrauch geworden zu sein.
  • Dies steht im Widerspruch zum gängigeren Befund, dass Mädchen öfter Opfer sexueller Gewalt werden als Jungen. Weniger Mädchen als Jungen berichteten von sexuellem Missbrauch. Diese Studie ist indes nicht die einzige, die zum Schluss kommt, dass Jungen mit grösserer Wahrscheinlichkeit Opfer eines sexuellen Übergriffs werden. Andere Untersuchungen aus der Vergangenheit haben ähnliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern ergeben (Madu & Peltzer, 2000; Yen et al., 2008; Luo et al., 2008; Choo et al., 2011).
  • Für die Planung von Interventions- und Präventionsprogrammen ist es wichtig, die Ursachen für diese geschlechtsbedingten Unterschiede besser zu verstehen.

Anmerkungen für die Redaktion

Die «Optimus Study on Child Abuse, Violence and Neglect in South Africa» wurde heute vom Centre for Justice and Crime Prevention sowie von der Gender, Health & Justice Research Unit und dem Departement Psychologie der Universität Kapstadt veröffentlicht.

Die Optimus Studienreihe: Bislang gab es praktisch keine fundierten Daten zum tatsächlichen Ausmass sowie zu den Formen, Umständen und möglichen Folgen von sexuellem Missbrauch an Kindern. Die UBS Optimus Foundation hat sich zum Ziel gesetzt, dies zu ändern und den Schutz von Minderjährigen vor sexueller Nötigung nachhaltig und langfristig zu verbessern. Zu diesem Zweck hat sie die Optimus Studienreihe lanciert – ein international ausgerichtetes, gross angelegtes wissenschaftliches Projekt. In verschiedenen Ländern sollen repräsentative Daten zum Ausmass und zu den Formen von sexuellen Übergriffen auf Kinder und Jugendliche erhoben und mit Daten von Kinderschutzorganisationen in den jeweiligen Ländern verglichen werden. So können die elementaren Lücken der jeweiligen Kinderschutzsysteme aufgedeckt und darauf aufbauend wirksame Präventions- und Interventionsstrategien entwickelt werden.

Im Rahmen der Optimus Studie Südafrika wurden 9730 Jugendliche zwischen 15 und 17 Jahren in Privathaushalten und Schulen befragt. 5635 Interviews wurden in zufällig ausgewählten Privathaushalten und 4095 in Schulen derselben Gegenden durchgeführt. Für die Befragungen in den Haushalten und den Schulen wurden identische Fragebögen verwendet. Jedes Mal erhielten die Jugendlichen die Gelegenheit, einen eigenen Fragebogen auszufüllen. Aus den Daten ergibt sich, dass diese selbstverfassten Fragebögen (vor allem in den Schulen) besonders viele Angaben enthielten. Sie werden daher als am zutreffendsten erachtet.

Beim heute veröffentlichten Forschungsbulletin handelt es sich nicht um den abschliessenden Forschungsbericht zu den Ergebnissen dieser Studie. Eine umfassende Version der Forschungsergebnisse wird zu einem späteren Zeitpunkt publiziert. Sie wird zudem Informationen zur Häufigkeit von Kindsmisshandlungen sowie zu den Tätern, den Risikofaktoren und den Reaktionen der Kinderschutzorganisationen enthalten. Das heute publizierte Bulletin stellt vielmehr eine Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse der Studie zur Verbreitung dar. Daraus geht hervor, dass südafrikanische Kinder und Jugendliche ein hohes Mass an Kindsmisshandlung (Missbrauch und Vernachlässigung) sowie Gewalt erfahren und daher eine (Neu-)Fokussierung auf Prävention und Intervention von grosser Dringlichkeit ist.

Zur UBS Optimus Foundation: Wir haben eine klare Vision: eine Welt, in der alle Kinder ihr volles Potenzial entfalten können. Um das zu erreichen, konzentrieren wir uns auf wirkungsvolle Projekte, die dazu beitragen, dass Kinder sicher und gesund aufwachsen können, eine Ausbildung erhalten und für die Zukunft gerüstet sind.

Wir überwinden die Hürden, die verhindern, dass Kinder sich entfalten können, indem wir innovative Programme in Regionen finanzieren, in denen Kinder unter widrigen Umständen aufwachsen. Wir unterstützen zurzeit 128 Programme auf vier Kontinenten, die 1,8 Millionen Kindern direkt zugutekommen.

UBS-Kunden haben Zugang zu unseren Experten in der Schweiz, Deutschland, Hongkong, Grossbritannien und den USA. Darüber hinaus haben wir die Möglichkeit, die Wirkung der Spenden über unser globales Netzwerk, zu dem internationale Spender und Finanzierungspartnerschaften gehören, sowie Spendenverdoppelungen durch UBS erheblich zu verstärken. Da alle unsere administrativen Kosten von UBS getragen werden, wissen unsere Spender, dass 100 Prozent ihrer Beiträge direkt in Projekte fliessen, die Kinder unterstützen.

Unsere Förderexperten wenden bei der Projektauswahl einen rigorosen, evidenzbasierten Ansatz an, um sicherzustellen, dass die Projekte messbare Ergebnisse liefern. Daher können unsere Spender sicher sein, dass ihre Investitionen die bestmöglichen Ergebnisse für bedürftige Kinder hervorbringen werden.

Eine Vorversion der Studie ist unter http://www.cjcp.org.za/publications.html verfügbar. Die finale Version wird in den nächsten Wochen erscheinen.

Medienkontakte UBS Optimus Foundation
Ian Welle-Skitt: +41-44-235 90 49 E-Mail ian.welle-skitt@ubs.com
Pierre-Guillaume Kopp: +41-44-237 27 89 E-Mail pierre-guillaume.kopp@ubs.com

Pressestelle der Universität Kapstadt
Azwi Mufamadi: +27 21 650 5427 E-Mail azwi.mufamadi@uct.ac.za

Links
www.ubs.com/optimus