Wofür wir stehen

Aufgrund Ihres positiven Feedbacks zum letztjährigen Aktionärsbrief beantworten wir auch in diesem Jahr wieder einige Fragen, die uns regelmässig von den verschiedenen Stakeholdern der Bank gestellt werden.

Natürlich überprüfen und verfeinern wir unsere Strategie jedes Jahr und müssen uns permanent auf neue Herausforderungen einstellen. Unsere strategische Ausrichtung jedoch ist klar und konsistent.

Unsere Kunden brauchen weltweite Beratung und Lösungen, sei es für ihr privates Vermögen oder ihr Unternehmen. Sie erwarten, dass wir ihnen das Wissen und Können der gesamten UBS zugänglich machen.

Wie sah das Marktumfeld 2018 aus?

Das Jahr begann positiv, doch ab Ende der ersten Hälfte machte sich Nervosität bemerkbar. An den Märkten wurden Befürchtungen eines Konjunkturabschwungs laut, lange bevor realwirtschaftliche Indikatoren auf einen solchen hindeuteten. Die Aktivität unserer Privatkunden ging zurück, und ab dem vierten Quartal folgte eine Verkaufswelle an den Märkten. Besonders bemerkenswert ist, dass 90% der Anlageklassen gegenüber dem Vorjahr an Wert verloren. Das ist ziemlich aussergewöhnlich. Mit Blick auf die Marktperformance vom Dezember 2018 sahen wir einen der schlimmsten Monate seit der Grossen Depression. Die Kombination von makroökonomischen und geopolitischen Spannungsfeldern sorgte für Verunsicherung unter den Anlegern. Von uns in den USA befragte Wealth-Management-Kunden sagten uns, dass sie im vierten Quartal einen Cash-Anteil von 24% hielten, mehr als jemals zuvor.

Wie beurteilen Sie die Finanzergebnisse des Konzerns im Jahr 2018?

2018 war ein sehr erfolgreiches Jahr für uns, trotz der erwähnten Marktbedingungen. Wir steigerten den Reingewinn1 um 0,6 Milliarden US-Dollar oder 16% auf 4,5 Milliarden USDollar. Unsere bereinigte Rendite auf Eigenkapital abzüglich Goodwill und anderer immaterieller Vermögenswerte lag – ohne latente Steueransprüche2 – bei starken 12,9%. Die ausgewiesene Rendite auf dem harten Kernkapital betrug 13,1%. Damit liegen wir deutlich über den meisten unserer europäischen Mitbewerber und gleichauf mit amerikanischen Banken. Auch generierten wir 2018 zusätzliches Kapital in Höhe von 4 Milliarden US-Dollar, und unser verlustabsorbierendes Kapital erhöhte sich auf insgesamt 84 Milliarden US-Dollar.

Wie haben Sie im Geschäftsjahr 2018 Ihre Kapitalrückführungspolitik umgesetzt?

Wir haben eine Dividendenerhöhung vorgesehen und unser Ziel, eigene Aktien im Umfang von 550 Millionen Franken zurückzukaufen, um 200 Millionen Franken übertroffen. Der Verwaltungsrat beabsichtigt, den Aktionären an der Generalversammlung für das Geschäftsjahr 2018 eine gegenüber dem Vorjahr um 8% höhere Dividende von 0.70 Franken vorzuschlagen. Zusammen mit dem Aktienrückkauf von 750 Millionen Franken im vergangenen Jahr wird sich unsere Ausschüttungsquote3 für 2018 auf 76% belaufen. Wir erwirtschaften damit attraktive Renditen für unsere Aktionäre bei gleichzeitig solider Kapitalposition und investieren in weiteres Wachstum.

Warum ist der Kurs der UBS-Aktie trotz dieser Erfolge so stark zurückgegangen?

Unseres Erachtens entspricht der aktuelle Aktienkurs nicht dem langfristigen Wert der Bank und unserer Marktposition. Im gesamten Bankensektor kam es 2018 zu erheblichen Kurskorrekturen. Man muss die absolute wie auch die relative Performance betrachten. In den Profitabilitätserwartungen der Investoren für die Branche sind Befürchtungen eingepreist, dass es zu einer globalen Konjunkturabkühlung oder schwierigeren Marktbedingungen kommen könnte. Auch eine Kombination aus beidem ist möglich. Dennoch gehören wir in Europa zu den am höchsten bewerteten Banken und konnten bei der Gesamtrendite für die Aktionäre unsere wichtigsten europäischen Konkurrenten hinter uns lassen. Auch im Vergleich zu zahlreichen US-Mitbewerbern stehen wir gut da. Unser Fokus liegt auf nachhaltiger Performance. Das ist ein zentraler Pfeiler unserer Strategie und sollte über den Zyklus zu einer steigenden Bewertung führen.

Warum ist Ihre Strategie für UBS immer noch die richtige – was ist Ihre Stärke gegenüber anderen?

Langfristige Trends wie die globale Vermögensbildung, einschliesslich des wachsenden Bedarfs an Vorsorgeprodukten, und die Öffnung der chinesischen Finanzmärkte werden sich auch in Zukunft positiv auswirken. UBS ist nicht kopierbar. Wir sind der führende Wealth Manager für Kunden im Segment High Net Worth und Ultra-High Net Worth sowie die Nummer eins als Schweizer Universalbank. Dabei werden wir unterstützt durch eine Investment Bank, die in ausgewählten Wettbewerbsfeldern zur Spitze gehört, sowie durch einen erfolgreichen Asset Manager. Die Stärke unseres Geschäftsmodells und unser strategischer Fokus brachten über die vergangenen fünf Jahre einen Reingewinn von mehr als 19 Milliarden US-Dollar. Mehr als die Hälfte unserer Gewinne stammt aus der Vermögensverwaltung, und unser Schweizer Geschäft trägt zusätzlich zur Stabilität bei. Wir sind geografisch gut diversifiziert, mit einer guten Ausgangslage in den weltweit grössten und am schnellsten wachsenden Märkten. Natürlich überprüfen und verfeinern wir unsere Strategie jedes Jahr, und müssen uns permanent auf neue Herausforderungen einstellen. Unsere strategische Ausrichtung jedoch ist klar und konsistent.

Sind Sie zufrieden mit den Ergebnissen der kombinierten Wealth-Management-Einheit, und wo gibt es dort noch Verbesserungspotenzial?

Wir erzielten gute Fortschritte dabei, die Grössenvorteile und gebündelten Kompetenzen zu nutzen, die durch die Zusammenlegung beider Einheiten entstanden sind. Global Wealth Management erwirtschaftete 2018 mit 3,6 Milliarden US-Dollar den höchsten Vorsteuergewinn seit zehn Jahren. Die Integration der Geschäftseinheit schafft neue Ertragsmöglichkeiten und verbessert unsere Fähigkeit, bestehende Chancen zu nutzen. Wir gehen davon aus, dass wir durch den Zusammenschluss unser Gewinnwachstumsziel von 10% bis 15% in der Einheit erreichen können. Ausserdem rechnen wir über die kommenden drei Jahre mit Kostensynergien von 600 Millionen US-Dollar, die uns helfen werden, Investitionen für mehr Wachstum und Effizienz zu finanzieren. Bis 2021 planen wir strategische Investitionen von mehr als 1 Milliarde US-Dollar, um das Angebot für unsere Kunden und Berater weiter zu verbessern. Bezüglich unserer Wachstumspläne sind wir zuversichtlich, auch wenn die Nettoneugelder 2018 unter den Erwartungen blieben. Wir werden noch mehr tun, um einen höheren Anteil der Vermögen unserer bestehenden und potenziellen Kunden zu gewinnen und zu halten.

Ihr bereinigtes Aufwand-Ertrags-Verhältnis liegt derzeit bei 79,5%. Wie wollen Sie das für 2021 anvisierte Ziel von rund 72% erreichen?

Beim Thema Effizienz steht die risikobereinigte Kapitalrendite im Vordergrund. Man sollte das Aufwand-Ertrags-Verhältnis nicht isoliert betrachten. Unser Ziel ist es, das Ertragswachstum mit Kosten- wie auch Kapitaleffizienz in Einklang zu bringen. 2018 konnten wir den Operating Leverage um 3% verbessern, indem wir die Erträge gesteigert und gleichzeitig die Kosten gesenkt haben. Unser Ziel ist es, die Kosten – ohne leistungsabhängige Vergütungen – über die nächsten drei Jahre auf nahezu unverändertem Niveau zu halten. Eine Reihe taktischer Massnahmen wird uns helfen, für anspruchsvolle Marktbedingungen bereit zu sein.

Wo und wie wird die Bank künftig wachsen?

Wir glauben, dass wir über den Zyklus ein Ertragswachstum erzielen können, das die Wachstumsrate der Weltwirtschaft übertrifft. Geografisch gesehen dürften zusätzliche Marktanteile in den USA und der Region Asien/Pazifik das stärkste Wachstum bringen. In den USA bietet uns das Kundensegment Ultra-High Net Worth bedeutende Chancen, und wir möchten unsere Beziehungen mit US-Personen ausserhalb der USA ausbauen. Auch die weitere Internationalisierung im Segment Global Family Office ist Teil unserer Wachstumsinitiativen. In China sind wir die erste ausländische Bank, die ihre Beteiligung an einem Wertpapier-Joint-Venture auf einen Mehrheitsanteil von 51% aufstocken konnte, was uns eine starke Ausgangsposition für künftige Expansion verschafft. Bei Personal & Corporate Banking war die Wachstumsrate des Nettoneugeschäftsvolumens letztes Jahr doppelt so hoch wie das Schweizer BIP Wachstum. Unser Ziel ist es, unsere Position als Nummer eins in unserem Heimmarkt zu festigen, etwa indem wir unseren Vorsprung als digitaler Anbieter weiter ausbauen. Dies sind nur einige der Chancen, auf die wir uns konzentrieren. Es gibt zahlreiche andere, auf die in unserem Geschäftsbericht noch näher eingegangen wird.

Sie möchten für Unternehmer und Unternehmen in den USA, Asien und Europa die Bank der Wahl sein. Warum sollten sich diese mit ihren lokalen und globalen Bedürfnissen an UBS wenden?

Weil wir eine wirklich global tätige Bank sind. Unsere Kunden brauchen weltweite Beratung und Lösungen, sei es für ihr privates Vermögen oder ihr Unternehmen. Sie erwarten, dass wir ihnen das Wissen und Können der gesamten UBS zugänglich machen. Angefangen bei globalen Wealth-Management- und Investment-Bank-Kompetenzen unter einem Dach, über Akquisitionen und Übernahmen bis hin zu Nachfolgeplanung. Aufgrund erstklassiger Teams für Research und Execution und einem breiten Angebot können wir die Brücke zwischen den finanziellen Bedürfnissen unserer Kunden als Privatanleger und Unternehmer bauen.

Nachhaltigkeit ist ein tragender Pfeiler Ihrer Strategie. Inwieweit spiegelt sich diese im Produktangebot für die Kunden?

Wir bieten sowohl privaten wie auch institutionellen Kunden eine breite Palette an nachhaltigen Anlagen und Lösungen im Bereich Impact Investing. Zum Beispiel legte das Asset Management nach dem regelbasierten UK Climate Aware Fund einen ähnlichen Fonds auf, der internationalen Anlegern offensteht. Das Portfolio ist auf Unternehmen ausgerichtet, die besser für eine CO2-arme Zukunft gewappnet sind. Gleichzeitig werden Anlagen in Unternehmen mit höherem CO2-Risiko nicht ausgeschlossen, sondern reduziert eingegangen, zugunsten einer strategischen Einflussnahme auf diese Unternehmen. 2018 lancierte Global Wealth Management auch das weltweit erste komplett nachhaltige Cross-Asset-Portfolio für Privatkunden. Per 31. Dezember 2018 beliefen sich die verwalteten Vermögen, die unsere Kunden in diese innovative Lösung investiert hatten, auf 2,8 Milliarden US-Dollar.

Wie bereiten Sie UBS auf die digitale Zukunft im Bankgeschäft vor?

Wir bereiten uns nicht nur auf die Zukunft vor, sondern gestalten sie aktiv mit. Neue Technologien verändern die Art und Weise, wie Banken arbeiten. Daher investieren wir jedes Jahr über 10% unserer Erträge in Technologie, das sind mehr als 3 Milliarden US-Dollar. Wir arbeiten immer stärker im Cloud- Bereich und können damit die Anzahl kostspieliger traditioneller Rechenzentren reduzieren. Im vergangenen Jahr erhöhten wir die Anzahl automatisierter Prozesse, die Routineaufgaben erledigen, von rund 700 auf 1000. Wir werden vermehrt Maschinelles Lernen und durch Künstliche Intelligenz unterstützte Systeme einsetzen, um schnellere und bessere Entscheidungen zu treffen. Der Hauptfokus liegt aber klar auf Front-to-Back-Digitalisierung, die letztendlich zu einer besseren Kundenerfahrung führen wird. Bei Technologie geht es also um weit mehr als nur um Kosteneinsparungen.

Sie haben 2018 zahlreiche Altlasten hinter sich gelassen, wurden jedoch in Frankreich erstinstanzlich verurteilt. Was können Sie dazu sagen?

Wir konnten im letzten Jahr bei verschiedenen langjährigen Rechtsstreitigkeiten erhebliche Fortschritte erzielen. Unter anderem konnten Lösungen bei zwei RMBS-bezogenen Angelegenheiten gefunden werden. Bei den zwei prominentesten noch offenen Fällen FIRREA und Frankreich haben wir uns dazu entschlossen, die Bank vor Gericht entschieden zu verteidigen. Dies ist aus unserer Sicht im besten Interesse der Aktionäre. Wir sind von unserer rechtlichen Position überzeugt. Indem wir uns gegen diese Klagen zur Wehr setzen, können wir unsere Argumente auch öffentlich unseren Stakeholdern darlegen. Das Urteil im Frankreich-Fall weisen wir entschieden zurück. UBS hat ihre Pflichten gemäss schweizerischem und französischem Recht sowie der europäischen Zinsbesteuerungsrichtlinie respektiert und eingehalten. Die Verurteilung stützt sich auf keinerlei Fakten. So wurden keine Beweise dafür vorgelegt, dass ein französischer Kunde von einem Kundenberater der UBS AG für eine Kontoeröffnung in der Schweiz angegangen wurde. Dies wird auch im Urteil selbst bestätigt. Selbst wenn eine Haftbarkeit vorliegen würde, was wir bestreiten, ist die Berechnung der Busse und Schadenersatzforderung aus unserer Sicht inkonsistent und nicht im Einklang mit geltendem Recht. Wir haben das Urteil an ein Berufungsgericht weitergezogen. Dort wird der Fall nochmals vollständig neu verhandelt. Die Berufungsinstanz steht unter Aufsicht des französischen Kassationsgerichts und muss bei ihrem Entscheid auf unsere Argumente eingehen. Wir sind der Auffassung, dass das Urteil aufgrund der Rechts- und Faktenlage aufgehoben werden sollte.

Welche Rückstellungen haben Sie für den Frankreich-Fall vorgenommen?

Ungeachtet unserer starken rechtlichen Argumente und des Mangels an Beweisen für die Anschuldigungen haben wir die Rückstellungen in dieser Angelegenheit auf 450 Millionen Euro (516 Millionen US-Dollar) erhöht. Gemäss Rechnungslegungsstandard müssen wir beurteilen, ob und in welchem Ausmass ein Mittelabfluss wahrscheinlich ist, vor dem Hintergrund verschiedenster Szenarien. Angesichts des erstinstanzlichen Urteils und unter Berücksichtigung der ganzen Bandbreite an potenziellen Endergebnissen entsprechen die Rückstellungen in der Bilanz unserer besten Schätzung der möglichen finanziellen Auswirkungen. Wir glauben jedoch nach wie vor, dass das Urteil aufgehoben werden sollte und wir die Rückstellungen dann wieder auflösen können.

Wie ist die Bank mit Blick auf das Investor Update von vergangenem Oktober ins Jahr 2019 gestartet?

Angesichts der Marktentwicklungen seit vergangenem Oktober ist unsere Ausgangslage für 2019 anders als geplant, und die Zielerreichung für dieses Jahr wird herausfordernder. Obwohl sich die Aktienmärkte bis zu einem gewissen Grad erholten, blieb die Kundenaktivität im ersten Quartal 2019 bisher zurückhaltend. Doch es bleibt abzuwarten, wie sich der Rest des Jahres entwickelt. Eines unserer am Investor Update 2018 genannten Ziele hiess, transparent zu kommunizieren, welche Faktoren wir beeinflussen können und welche nicht. Wir haben weder Kontrolle über das externe Umfeld noch die Aktienmärkte oder die Zinssätze. Was natürlich nicht heisst, dass wir passiv abwarten, bis die Märkte noch weiter nach oben tendieren. Es ist an uns, unsere Pläne weiterhin entschlossen und konsequent umzusetzen, mit Blick auf nachhaltige und langfristige Wertschöpfung.

Wo liegen mittel- bis langfristig die grössten Chancen?

Über die vergangenen zehn Jahre haben wir UBS neu aufgestellt und waren damit erfolgreich. Wir sehen für unser Unternehmen in den nächsten zehn Jahren viel Potenzial. Wir waren in der Vergangenheit mit einigen Herausforderungen konfrontiert. Dabei haben wir vieles gelernt, was uns in Zukunft helfen wird, noch besser zu werden. Wir brauchen dazu eine noch engere Zusammenarbeit innerhalb der Bank. Dies führt zu besseren Ergebnissen für Kunden, was wiederum mehr Kapitalwachstum und noch bessere Renditen für unsere Aktionäre bringt. Wir gehen davon aus, dass wir in den kommenden drei Jahren fast ebenso viel Kapital generieren werden, wie in den vergangenen sechs Jahren. Neben den erwähnten Wachstumsplänen verfügen wir über eine globale Infrastruktur mit Kapazität für weitaus mehr verwaltete Vermögen. Aus Kundenperspektive sehen wir, dass diejenigen am erfolgreichsten sind, die auf eine klare langfristige Strategie setzen. Genau das tun wir auch bei UBS. Für Ihre Unterstützung sind wir dankbar. Wir freuen uns auf Ihr Feedback und darauf, Sie an der Generalversammlung am 2. Mai 2019 in Basel zu begrüssen.


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