Frauen als treibende Kraft für wirtschaftlichen Wandel

Frauen als treibende Kraft für wirtschaftlichen Wandel

Während die Welt sich bemüht, neue Wachstumsquellen zu finden, gibt es eine Lösung, um stotternde Wirtschaftsmotoren wieder in Gang zu bringen, für die weder Bohrungen noch Innovation benötigt werden und die innerhalb eines Jahrzehnts bis zu 12 000 Milliarden US-Dollar zur Weltwirtschaft beitragen könnte. Doch die Realität ist von diesem Ideal weit entfernt. Die Frauen in der Welt sind als Erwerbstätige immer noch mit großen Barrieren in der Arbeitskraft konfrontiert, trotz der nicht von der Hand zu weisenden Vorteile. Theoretisch müssten Unternehmen und Gesellschaften sich geradezu darum reißen, sich ein solches Wundermittel zu beschaffen - und mehr Frauen an die Arbeit zu lassen.

Wirtschaftliche Gründe für eine Beseitigung geschlechtsspezifische Unterschiede am Arbeitsmarkt

Laut einer Studie des Internationalen Währungsfonds (IWF) aus dem Jahr 2013 schmälern geschlechtsspezifische Unterschiede am Arbeitsmarkt an einigen Märkten das Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf um bis zu 27 Prozent. Außerdem fand der IWF heraus, dass es das BIP maßgeblich steigern würde, wenn man die Frauen in gleichem Maße an der Arbeit teilhaben ließe wie die Männer - um 5 Prozent in den USA, 9 Prozent in Japan, 12 Prozent in den Vereinten Arabischen Emiraten und 34 Prozent in Ägypten.

Geschlechtsspezifische Unterschiede persistieren

Nur 50 Prozent der Frauen in der Welt sind aktuell erwerbstätig - viel weniger als die Männer, bei denen es 75 Prozent sind. Die „Geschlechterkluft“ (der Unterschied zwischen der Zahl der erwerbstätigen Männer und Frauen) besteht auf der ganzen Welt - von Saudi-Arabien und Indien (jeweils über 45 Prozent) bis Kanada und Frankreich (jeweils unter 10 Prozent). Frauen verdienen global außerdem im Durchschnitt 24 Prozent weniger als Männer. Die Gründe dafür sind regional unterschiedlich, manche Faktoren sind jedoch universell.

Defizit der Beteiligung von Frauen am Arbeitsmarkt gegenüber Männern nach Ländern (15 bis 64 Jahre)

Geschlechtsspezifische Unterschiede in %

Defizit der Beteiligung von Frauen am Arbeitsmarkt gegenüber Männern nach Ländern (15 bis 64 Jahre)

Quelle:OECD Datenbank zur Beschäftigung, März 2014

Bildungschancen sind nicht immer Grund für geschlechtsspezifische Diskriminierung und ungleiche Bezahlung

Gleiche Bildungschancen sind zwar eine wichtige Voraussetzung, um die Ungleichbehandlung der Geschlechter zu beseitigen, sie allein erlauben Frauen jedoch noch keine gleiche Teilhabe am Arbeitsleben. In den Bereichen Wissenschaft, Technik, Fertigung, Bau und IT sind Frauen trotz gleicher Bildungschancen weiterhin unterrepräsentiert. Viel weniger Frauen als Männer erreichen höhere Bildungsabschlüsse, was sich auch in der Beschäftigung widerspiegelt - lediglich 30 Prozent aller Wissenschaftler und 33 Prozent der IT-Arbeitskräfte sind Frauen. Die meisten Frauen sind weiterhin in Privathaushalten, im Bildungs- und Gesundheitssektor oder in sozialen Einrichtungen beschäftigt. Diese Ungleichheit wird noch verschärft durch stillschweigende Vorurteile, die sich weltweit in hartnäckigen Lohnunterschieden ausdrücken. Laut einer UN-Studie sind die Unterschiede der Stundenlöhne von Frauen und Männern im Finanz- und Versicherungssektor am größten.

Wissenschaftliche Forschung ist eines der vielen Felder, auf denen Frauen unterrepräsentiert sind.

Frauen- und Männeranteil nach Regionen, 2011

Wissenschaftliche Forschung ist eines der vielen Felder, auf denen Frauen unterrepräsentiert sind

Quelle: UN, Stand 2015

Wissenschaftliche Forschung ist eines der vielen Felder, auf denen Frauen unterrepräsentiert sind.

Die „gläserne Decke“: Frauen sind in Führungspositionen unterrepräsentiert

Eine stärkere Teilhabe von Frauen am Arbeitsleben ist nur ein Teilerfolg, wenn sich ihre Beschäftigung auf die unteren Ebenen der Unternehmenshierarchie beschränkt. Nach Angaben des MSCI waren 18,1 Prozent aller Direktorenposten der im MSCI World erfassten Unternehmen mit Frauen besetzt. In den Schwellenländern waren es nur 8,4 Prozent. Nach einer Studie des MSCI liegt dies nicht an Unterschieden in der Qualifikation; Geschäftsführerinnen sind oft besser ausgebildet als ihre männlichen Kollegen.

Woran liegt es also? Die „gläserne Decke", jene unsichtbare Barriere, die Frauen von Spitzenpositionen fernhält, zeigt sich am deutlichsten, wenn man das Zahlenverhältnis von Männern und Frauen in Führungspositionen ihren Qualifikationen gegenüberstellt.

Die „gläserne Decke“: Frauen sind in Führungspositionen unterrepräsentiert

Zahlenverhältnis von Männern und Frauen in Führungspositionen und ihre Qualifikationen

Geschäftsführer im MSCI World, Stand 15. August 2015

Zahlenverhältnis von Männern und Frauen in Führungspositionen und ihre Qualifikationen

Quelle: MSCI ESG Research, Stand November 2015

Die systematische Bevorzugung von Männern bei der Besetzung von Führungspositionen hat ihren Preis. In unserem Bericht „Gender-Diversität ist wichtig“ stellten wir fest, dass Unternehmen mit mindestens 20 Prozent Frauen in höheren Führungspositionen profitabler sind als Unternehmen, in denen Führungsetagen noch weitgehend Männern vorbehalten sind. Unsere Untersuchung hat ferner ergeben, dass Unternehmen in denen mehr Frauen die Führung übernehmen, in der Regel den MSCI World Aktienindex übertreffen. Eine gleichrangige Beteiligung beider Geschlechter an der Unternehmensführung ist erwiesenermaßen von Vorteil. Bedeutende Vermögensinhaber und Lobbygruppen in aller Welt fordern, Direktorenposten und Verwaltungsräte zu mindestens 30 Prozent mit Frauen zu besetzen.

Mutterschaft und häusliche Belastungen sind jedoch für alle Frauen eine Herausforderung

Wenn Frauen nicht oder nur in Teilzeit arbeiten, verbunden mit niedrigerer Bezahlung, geringerer Arbeitsplatzsicherheit und schlechteren Aufstiegschancen, dann ist fast durchweg die Betreuung der Kinder der Grund. Der Beschäftigungsgrad von Frauen in den verschiedenen Ländern ist nicht selten ein Gradmesser für die Familienfreundlichkeit der dort betriebenen Politik. Eine Untersuchung der UN hat gezeigt, dass die Erwerbsquote von Frauen in den skandinavischen Ländern durchweg höher liegt als in anderen europäischen Ländern - das Resultat einer gelungenen Familienpolitik.

In Japan fehlt eine ganzheitliche Familienpolitik, sodass Frauen dort nur schwer ins Arbeitsleben zurückfinden - und folglich auch keine Managementpositionen übernehmen können, wie es die Regierung anstrebt.

Durchschnittlicher Beschäftigungsgrad von Müttern in %, aufgeschlüsselt nach Anzahl ihrer Kinder, in EU-Ländern mit unterschiedlicher Familienpolitik

Durchschnittlicher Beschäftigungsgrad von Müttern in %, aufgeschlüsselt nach Anzahl ihrer Kinder, in EU-Ländern mit unterschiedlicher Familienpolitik

Quelle: UN (berechnet aus Daten von Eurostat, 2015)

Regierungen und Unternehmen spielen eine tragende Rolle bei der Gleichstellung der Geschlechter

Den Regierungen kommt die Aufgabe zu, den optimalen Mix aus Bildungs-, Familien-, Fiskal- und Arbeitsmarktpolitik zu finden, der die besonderen Bedürfnisse der jeweiligen Region berücksichtigt. Bestimmte Maßnahmen könnten jedoch bereits heute überall Frauen den Zugang zur Arbeitswelt erheblich erleichtern. Ein Problem, das in allen Nationen gelöst werden muss, ist die Unterbrechung der Berufstätigkeit wegen Mutterschaft. Die Praxis einiger Länder zeigt, dass die Erwerbsquote von Frauen erhöht werden kann, wenn der bisherige Mutterschaftsurlaub durch ein Elterngeld ersetzt wird. Eine direkt verfügbare, subventionierte und professionelle Kinderbetreuung erleichtert es Müttern zudem erheblich, nach der Geburt wieder zu arbeiten. Und die Unternehmen können zum Beispiel durch Einführung von Quoten, Anreizen, Mentor- und Sponsorprogrammen ihren Beitrag dazu leisten, dass mehr Frauen in Führungspositionen aufsteigen.

Nachhaltige Lösungen erfordern Geld, Kompromisse und eine Änderung der inneren Einstellung

Die Gleichstellung der Geschlechter innerhalb eines Jahrzehnts wird nach Berechnungen des McKinsey Global Institute 2000 Milliarden US-Dollar kosten - 1,7 Prozent des globalen BIP. Dauerhafte Lösungen und nachhaltige Fortschritte erfordern einen grundlegenden Wandel der geistigen und kulturellen Einstellungen - und eine in der Gesellschaft und ihrer Regierung verbreitete Einsicht, dass diese Maßnahmen dem Allgemeinwohl dienen. Und sie werden Familien, Unternehmen und der öffentlichen Hand kurz- und längerfristig Kosten und Kompromisse abverlangen. Die Erfolge werden zudem von Land zu Land unterschiedlich ausfallen und davon abhängen, wie fest bestimmte soziale Vorstellungen verankert sind und welche Anreize bestehen, eine solche Politik umzusetzen.

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