Digitale Ablenkung

Mai 2017 | 11 Min. Lesezeit

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UBS

Die Menschheit steht an der Schwelle zu einer technologischen Revolution, die ihr helfen wird, den Kampf gegen die digitale Ablenkung zu gewinnen, die uns unseres wertvollsten Gutes beraubt – der Zeit.

Wir Menschen sind gefangen in einer digitalen Falle, die wir uns selbst gestellt haben und die uns mit jedem Jahr mehr einengt und uns dabei die Zeit nimmt, die wir eigentlich bräuchten, um unser berufliches, persönliches und kulturelles Potenzial voll auszuschöpfen.

Die Online-Technologien, die wir in den vergangenen 20 Jahren erfunden haben, sollten uns eigentlich zeitraubende administrative Aufgaben abnehmen und uns zusätzliche Zeit schenken, um innovativ, kreativ und spielerisch zu Werke zu gehen.

Stattdessen ertrinken wir langsam in einer Flut von E-Mails, Tweets, Likes und Push-Nachrichten und verlieren Woche für Woche Minuten, Stunden und Tage, während wir Gefahr laufen, durch das Internet zu einer Gesellschaft von Ablenkungssüchtigen zu werden.

„Wir müssen der sehr realen Möglichkeit ins Auge sehen, dass die radikale Veränderung unserer Lebensweise in der heutigen Zeit durchaus einen tiefgreifenden und potenziell beunruhigenden Einfluss auf unsere Fähigkeit zur Planung unserer langfristigen Zukunft haben könnte“, so die Neurowissenschaftlerin Baroness Susan Greenfield.

Geschäftigkeit ist zu einem globalen Kult geworden, zu dessen Anhängern die größten Technologie-Unternehmer der Welt ebenso zählen wie Hunderte von Millionen Arbeitnehmer, die alle 30 Sekunden ihre Twitter-Nachrichten und E-Mails checken.

„Wir haben Gefallen daran, beschäftigt zu sein, weil alle anderen es auch sind“, sagt Alex Soojung-Kim Pang, Autor von „Rest and The Distraction Addiction“. „In Wissensgesellschaften ist Geschäftigkeit heute ein Anhaltspunkt dafür, wie effektiv wir sind. Unsere Technologien werden immer schneller, und es wird uns nie gelingen, sie einzuholen oder gleichauf mit ihnen zu stehen.“ Die negativen Konsequenzen liegen auf der Hand.

Forscher der American Psychological Association haben herausgefunden, dass das ständige Wechseln zwischen verschiedenen Aufgaben bis zu 40 Prozent der produktiven Zeit eines Menschen kosten kann, während eine Studie des Institute of Psychiatry der Universität London aufzeigt, dass Second-Screening unserem IQ mehr schadet als das Rauchen von Marihuana.

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Der Weg in eine nicht mehr allzu ferne Dystopie, in der sich die digitale Ablenkung zunehmend destruktiver auswirkt, ist jedoch mitnichten unumgänglich. Deutliche Hinweise lassen darauf schließen, dass die Menschen spannende, ja sogar verblüffende neue Wege finden werden, um ihr zerrüttetes Verhältnis zur unmittelbaren Zeit im nächsten Jahrzehnt auf einen Neuanfang zu setzen.

„Engagierte Menschen und Organisationen zeigen uns, wie wir es schaffen, das ursprüngliche Technologieversprechen einzufordern, nämlich mehr Zeit zu erhalten, um uns den kommenden Herausforderungen kreativ, innovativ und intuitiv zu stellen“, sagt Tom Savigar, Chief Growth Officer bei The Future Laboratory.

Beschleunigen, um zu entschleunigen

Man kann sich dieses Zurückholen der Zeit als Phasen von jeweils zehn Jahren vorstellen. Dabei wird sich die Menschheit Technologie in immer findigerer Weise zunutze machen, sodass sie ihr letztlich Zeit zurückgibt, anstatt ihr diese zu stehlen.

Die erste Phase wird zwischen heute und 2025 an Dynamik gewinnen und in verschiedenster Hinsicht – von der Art, wie unsere Gehirne funktionieren bis hin zu unserer Art zu reisen – zu einer Beschleunigung führen, damit wir wieder Momente der Ruhe und der Regeneration sowie freie Zeit finden, in der wir uns auf uns selbst besinnen können.

Schnell von A nach B zu kommen wird einen sehr hohen Stellenwert haben, die Reichen und die Geschäftsleute von morgen werden in Hyperschallflugzeugen um die Welt reisen, neben denen die einst gefeierte Concorde zu einer fernen Erinnerung verblassen wird.

Die Startup-Airline Boom, die unter dem Slogan „Time Saved is Life Gained“ operiert, will bis zum Jahr 2030 Strecken zwischen Europa und den USA mit einer Flotte von Überschallflugzeugen bedienen.

„Stellen Sie sich vor, Sie fliegen um 6 Uhr früh in New York ab und landen um 14:30 Uhr Londoner Zeit in Heathrow“, so Gründer Blake Scholl. „Sie schaffen es zu Meetings am Nachmittag, können bis 21:30 Uhr bleiben, den ganzen Tag produktiv sein und um 20 Uhr Ortszeit wieder in New York landen, gerade rechtzeitig, um Ihren Kindern gute Nacht zu sagen.“

Der Übergang vom Überschall- zum Hyperschallfliegen wird schneller vonstatten gehen als gedacht. Der bekannteste Innovator auf diesem Gebiet ist Virgin Galactic, das Unternehmen von Richard Branson. Nach mehreren Rückschlägen hat man dort nun einen erfolgreichen Testflug absolviert.

Virgin Galactic verkauft Tickets für „Gleitflüge“ (zum Preis von 190 000 britischen Pfund (250 000 US-Dollar, 230 000 Euro)), die Zielgruppe sind Menschen, die Schwerelosigkeit und einen unvergesslichen Ausblick vom Weltall auf die Erde erleben möchten. Das ultimative Ziel aber sind suborbitale Linienflüge von einer Destination zur anderen, die Fluggäste einmal in zwei Stunden von London nach Sydney bringen sollen.

Kürzere Reisezeiten werden verlorene Stunden zurückbringen, durch therapeutische Maßnahmen und Medikamente optimierte Gehirne werden schnelleres und effizienteres Arbeiten erlauben und einen Beitrag dazu leisten, dass die Menschen mit den Maschinen Schritt halten und früher von der Arbeit nach Hause gehen können.

Luxusmarken im Hospitality-Bereich zeigen schon heute ansatzweise, was irgendwann einmal Mainstream und Gegenmittel zur digitalen Überlastung sein wird, die uns so viel unserer wertvollen Zeit nimmt.

Das „Brain Power Residential Package“ des Corinthia Hotel in London beispielsweise wartet mit einem Menü auf, das die Gehirntätigkeit anregen soll, außerdem mit einem „Brain Lab“, in dem die Gäste ihre mentale Widerstandsfähigkeit stärken können, um besser im Alltag zurechtzukommen, der geprägt ist von ständiger Erreichbarkeit.

Nach Auffassung von Dr. Tara Swart, der Neurowissenschaftlerin des Hotels, werden Therapien, die unser Gehirn neu verdrahten sollen, damit wir Zeit finden, um mit dem Tempo des Wandels Schritt zu halten, in Zukunft etwas ganz Normales sein.
Solace Lifesciences – Experten in Sachen Stressintervention für Athleten, Piloten und hochrangige Führungskräfte – präsentierte auf der CES 2017 erstmals sein System ReNu mit Nahrungsergänzungsmitteln auf Aminosäurebasis und Mikrostrom-Pflastern, das Anwendern im Wachzustand die regenerative Wirkung von Schlaf bringen soll.

Das Gift als Gegenmittel

In Phase zwei im Kampf der Menschheit gegen die Kräfte der digitalen Ablenkung werden dann KI-Technologien, Apps und Plattformen ins Spiel kommen, die uns dabei helfen, unsere Zeit zu optimieren.

Ein frühes Beispiel dafür ist die App „Time“. Sie optimiert Aufgaben und überwacht, wie viel Zeit der Benutzer für deren Bewältigung aufbringt. Je mehr die Time App in Gebrauch ist, umso mehr lernt ihre integrierte künstliche Intelligenz (KI) über die Gewohnheiten des Benutzers. Anhand dieser Daten bietet sie Tipps zur Produktivitätssteigerung und Zeitersparnis an.

Apps, die den Menschen helfen, sich zu fokussieren, werden sich mit zunehmender Weiterentwicklung immer mehr über das Internet der Dinge mit Gegenständen vernetzen und damit den Verbrauchern die Möglichkeit geben, in Echtzeit Anpassungen vorzunehmen, die ihnen dabei helfen, ihre verfügbare Zeit effektiver zu optimieren.

Dr. Jenny Brockis, Autorin des Buches „Future Brain“, glaubt, dass diese Art selbstüberwachender Technologie in den 2020er-Jahren selbstverständlich sein wird. „Sie wird dazu führen, dass die Technik für uns arbeitet und wir nicht mehr von ihr getrieben werden“, erklärt sie.

Damit dies geschieht, müssen KI-Systeme die menschlichste aller Eigenschaften entwickeln – das Gespür für Intuition. Einen Ansatz zur Realisierung zeigt das Unternehmen Nara Logics aus dem Silicon Valley, das es seinen Plattformen für maschinelles Lernen durch eine Kombination aus Programmierung und Neurowissenschaft ermöglicht, menschenähnliche Entscheidungen zu treffen.
Nach Meinung von Kai-Fu Lee, Chairman und CEO des chinesischen Venture-Capital-Unternehmens Sinovation Ventures, wird diese Fähigkeit den Menschen die Freiheit geben, das zu tun, was sie am besten können.

Mit dem Aufkommen von KI können sich die Menschen endlich von mechanischen Aufgaben befreien und ihre Zeit intellektuelleren, kreativeren und produktiveren Unternehmungen widmen. „KI-Technologie ist die größte Chance der Menschheitsgeschichte“ – Kai-Fu Lee.

Die Datenvisualisierungskünstlerin und TED Fellow Sey Min aus Seoul vertritt ebenfalls die Auffassung, dass die wachsende Mensch-Maschine-Synergie den Menschen die Möglichkeit geben wird, die durch unsere ununterbrochene Konnektivität entstehende Fülle an Daten sinnvoll zu nutzen. Diese Fähigkeit wird den zeitraubenden Ablenkungen, die unsere heutige Online-Existenz mit sich bringt, eine stark korrigierende Wirkung entgegensetzen.

„Wenn wir in der Lage sind, unser Verhalten in den Daten eindeutig abzubilden, werden wir intensiver darüber nachdenken, wie wir unsere Zeit und unser Geld verwenden, und dies wird dazu führen, dass wir unser Verhalten künftig optimieren“, sagt sie.

Der Aufstieg des 24-Stunden-Menschen

Der Kampf um die Rückgewinnung der Kontrolle über unsere Zeit im Angesicht der beschleunigten Digitalisierung wird noch auf einer anderen Bühne ausgetragen werden. Diese Entwicklung wird manche begeistern und viele beunruhigen.

Eine wachsende Zahl technologischer Visionäre glaubt, dass der Mensch eins werden muss mit den Maschinen, um mit ihnen Schritt halten zu können. Andernfalls, so befürchtet Elon Musk, der Gründer von Tesla, könnten die Menschen von KI-Meistern zu KI-„Haustieren“ degradiert werden.

Mit seinem neuesten Unternehmen Neuralink will Musk verhindern, dass dieses Szenario Realität wird. Das von Neuralink entwickelte neuronale Gewebeimplantat soll eine direkte Vernetzung des Menschen mit dem Internet und anderen digitalen Schnittstellen durch die Kraft der Gedanken ermöglichen.

Das mag zwar nach Science-Fiction klingen, doch wurde die Technologie bereits erfolgreich an Mäusen getestet.

2015 stellten chinesische und US-amerikanische Wissenschaftler aus Harvard und vom National Center for Nanoscience and Technology in Peking ein Verfahren vor, um elektronisches Gewebe in die Gehirne von Mäusen zu injizieren. Dieses Gewebe verschmilzt mit der Hirnsubstanz und ermöglicht damit die direkte Kommunikation mit Maschinen mittels Gedanken.

Ein weiteres Startup-Unternehmen aus dem Silicon Valley ist Kernel, das aufbauend auf diesen Forschungsergebnissen eine interne Schnittstelle zur Implantation in den Menschen entwickeln will. Das Unternehmen nennt als eine der grundlegenden Motivationen die Überwindung von Krankheiten wie Alzheimer.

Innovatoren wie die vorstehend genannten sind Teil einer wachsenden globalen Technologiebewegung, nach deren Auffassung der Mensch nur dann mit den Maschinen Schritt halten kann, wenn er selbst zu einem Teil zur Maschine wird, indem man ihm Netzwerke in den Körper einpflanzt, die enorme Datenmengen verarbeiten, die dann durch menschliche Intuition und Vorstellungskraft interpretiert werden können.

„Bildschirme, Tastaturen, Gestenschnittstellen und Sprachbefehle setzen unserer Vernetzung mit den von uns neu geschaffenen Formen von Intelligenz Grenzen“, so der Gründer von Braintree, Bryan Johnson, der mit 77 Millionen britischen Pfund (100 Millionen US-Dollar, 92 Millionen Euro) an Kernel beteiligt ist. „Wir haben nur sehr wenig Zugang zu unserem eigenen Gehirn. Das schränkt uns in unserer Fähigkeit ein, uns parallel zu den siliziumbasierten Maschinen kraftvoll weiterzuentwickeln.

Die Tragweite solcher Fortschritte ist enorm. Vom sofortigen Lernen bis hin zum unbegrenzten Gedächtnis, durch das man scrollen kann wie durch einen Feed in den sozialen Medien, werden die Menschen einen neuen Daseinszustand erreichen. Möglicherweise werden wir auch die Fähigkeit zum Neustart unserer Gehirne entwickeln, sodass Schlaf weniger lebensnotwendig wird und der Mensch irgendwann einmal rund um die Uhr „funktionsfähig“ ist.

Dass der Wunsch nach dieser Art tragfähiger mentaler Agilität vorhanden ist, zeigt bereits der Umstand, dass Solace Lifesciences seine Entspannungsprodukte an Privatkliniken, Profiathleten, Jetpiloten und Firmenchefs liefert. In den Nahrungsergänzungsmitteln und Pflastern der ReNu-Serie kommen binaurale Rhythmen zum Einsatz, die – während der Anwender wach ist – dem Gehirn die Entspannung bringen, die es im Schlaf erhält.

„ReNu bietet Menschen die Chance, ihren Lebensstil zu optimieren“, so James Poole, CEO von Solace Lifesciences. „Es erzeugt Tiefenentspannung, indem es Muster nachahmt, die das Gehirn und der Körper als Aufforderung zur Entspannung, zur Erholung und zum Auftanken erkennen.“

Fazit:

Jedes Zeitalter hat seine eigenen imaginären Dystopien, in denen sich die Ängste der Zeit widerspiegeln. Heute fürchten wir, dass die Beschleunigung des technologischen Wandels uns überwältigen und der Fähigkeit berauben wird zu steuern, wie wir Zeit erleben.

Ohne Zweifel besteht Grund zur Wachsamkeit – die digitale Überlastung in ihrem heutigen Umfang ist eindeutig untragbar. Aber wie so oft in der jüngeren Geschichte steht die Menschheit kurz davor, sich die Technologie, die das Problem herbeigeführt hat, auch zur Lösung dieses Problems zunutze zu machen. Es bleibt abzuwarten, ob wir damit den nächsten logischen Schritt in unserer Evolution tun – vom Homo Sapiens zum digital gestützten Homo Superior.

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