Wächter des Anleihenmarkts

UBS House View Investor's Guide – August 2021

UBS House View

Unsere «UBS House View» vermittelt Ihnen in kompakter Form die Hausmeinung von UBS zu den Finanzmärkten. Diese stützt sich auf unsere globalen Anlage- und Researchkapazitäten und will Ihnen die besten und aktuellsten Anlageeinschätzungen zur Verfügung stellen.

1994 scherzte US-Präsident Bill Clintons Politikberater James Carville: «Wenn es eine Reinkarnation gäbe, ... würde ich gerne als Anleihenmarkt zurückkommen. Als Anleihenmarkt kann man jeden einschüchtern.» Damals nahm er auf die Vorstellung Bezug, dass höhere Renditen die politischen Entscheidungsträger zu mehr Zurückhaltung in der Haushaltspolitik zwingen. Doch heute, mehr als 25 Jahre später, scheint der Anleihenmarkt die Märkte aus dem genau entgegengesetzten Grund in Aufruhr zu versetzen – weil die Zinsen so niedrig sind. In diesem Monatsind die Renditen der 10-jährigen US-Treasuries bis auf 1,25% gesunken, sodass die Aktienanleger ihre Ansichten über die Konjunkturerholung hinterfragen müssen.

In den letzten sechs Monaten wurden Aktien vom Narrativ «Goldene Zwanziger» angetrieben, auf das wir im Monthly Letter vom April näher eingingen. Diese Interpretation des gesamtwirtschaft lichen Umfelds stützte Aktien, insbesondere jene, die von einer Refl ation profi tieren, zum Beispiel Energie- und Finanzwerte. In den letzten Wochen ist dieses Narrativ jedoch dem von einer «langfristigen Stagnation» gewichen – das durch ein geringes Wachstum, eine niedrige Infl ation und tiefe Zinsen gekennzeichnet ist. Die Aktienkurse sind insgesamt weiter gestiegen, jedoch legen Anleihen kräft ig zu und die Volatilität hat sich erhöht. Zudem entwickeln sich Unternehmen, die am stärksten von einer Konjunkturerholung profi tieren, schlechter als jene, die Nutzniesser eines langfristigen Wachstums sind.

Hauptthemen: Worauf wir uns diesen Monat konzentrieren

Übertriebene Ängste

Die Bedenken, dass eine vorzeitige Straffung durch die US-Notenbank oder die Ausbreitung der Delta-Variante des Coronavirus die Konjunkturerholung zum Erliegen bringen könnte, halten wir für überzogen.

Anleihenrenditen vor der Erholung

Die Daten untermauern nicht, dass die Anleihenmärkte eine langfristige Stagnation eskomptieren. Unseres Erachtens sind eher vorübergehende technische Faktoren im Spiel. Wir erwarten daher, dass die Renditen der 10-jährigen US-Treasuries im 2. Halbjahr auf 2% zusteuern.

«Reflation Trade» weiter intakt

Die robusten Konsumentenbilanzen sowie die Tatsache, dass Unternehmen ihre Lagerbestände wieder auffüllen und Investitionen durchführen müssen, werden die Konjunkturdynamik und die Unternehmensgewinne stützen. Deshalb sind weitere Anhebungen von Gewinnprognosen zu erwarten.

Vermögensallokation

Wir bleiben bei unserer risikobereiten Haltung und positionieren uns für eine Wiedereröffnung und Erholung der Wirtschaft. Im Aktienbereich bevorzugen wir Japan, die Schwellenländer, das Finanzwesen und den Energiesektor. Aufgrund unserer Einschätzung der Zinsentwicklung beurteilen wir EURUSD nun neutral.


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