Grün am Bau Wie Pflanzen die Wohnqualität verbessern

Brombeeren, Kiwi oder einfach Efeu: Begrünte Hauswände sind mehr als eine Modeerscheinung. Sie tragen sogar zur Gesundheit bei.

von Ueli Bischof 08. Jan 2018

Grüne Akzente an Gebäuden wirken nachweislich beruhigend auf die menschliche Psyche. Bild: istock.com.

Bauland ist knapp. Vier von fünf Menschen leben in der Schweiz in Städten. Die Verdichtung nimmt zu. Zugleich hält das Bedürfnis nach Grün an. «Eine Lösung dieses Dilemmas besteht darin, mehr Grün in die Stadt zu bringen», erklärt Mark Krieger von der Hochschule für Technik Rapperswil HSR. «Das ist gesund und wirtschaftlich attraktiv.» Der Professor für Landschaftsarchitektur weiss, dass sich Pflanzen beruhigend auf uns auswirken – ebenso aufs Stadtklima. «Bäume reduzieren Stress. Ausserdem mildern sie Kälte und Hitze.» Darum sei es auf den begrünten Boulevards in Paris angenehm kühl, während in der übrigen Stadt Temperaturen von 30 Grad und mehr herrschten. «Welche technische Einrichtung ist so raffiniert, dass sie im Sommer Schatten spendet und im Winter die Sonne durchlässt?»

Vertikale Gärten

So schön Pflanzen in der Stadt sind – viel Platz bleibt für sie nicht. Mark Krieger nennt Lösungen: «Selbst auf kleinstem Raum lässt sich optisch viel Grün erzeugen.» Mit Kletterhilfen an Gebäudewänden würden Glyzinen und Obst wie Brombeeren oder Kiwi gedeihen. Wer es einfacher will, kann auf Efeu zurückgreifen. «Dass dieser die Fassade kaputt macht, ist ein Ammenmärchen.» Der Verputz müsse einfach gut versiegelt und die Pflanze zurückgeschnitten werden, bevor sie in Fenster oder unters Dach wachse.

Vertikale Gärten gewinnen in der Architektur an Bedeutung. «Begrünte Fassaden sind ein Ersatz für bepflanzte Flächen», verrät Moritz Küderli, CEO von Hydroplant. Die Firma beschäftigt sich seit 45 Jahren mit der Begrünung von Gebäuden. So hat sie etwa an einer Fassade des Novartis Campus Kletter und Hängepflanzen wachsen lassen. Sie verändern sich mit den Jahreszeiten, schützen vor UV-Licht und Schall.

Grün steigert den Immobilienwert

«Dieser Effekt funktioniert auch in Innenräumen», fügt Küderli hinzu, der kürzlich ein Büro in Oerlikon mit Olivenbäumen bestückt hat. «Die Pflanzen erhöhen die Luftfeuchtigkeit und verbessern die Luftqualität.» Was nachweislich die Konzentrationsfähigkeit stärke.

Die Pflanzen haben einen weiteren Effekt: Sie erhöhen den Wert einer Immobilie. Das bestätigt Daniel Hengartner, Präsident des Schweizer Immobilienschätzer-Verbands. «Ansprechende Aussenräume steigern die Vermietbarkeit der Liegenschaften und sorgen dafür, dass sich die Bewohner wohlfühlen.» Allerdings müsse man die Umgebung instandhaltungsarm planen.

Ganz schön grün

Wiesenrahmen: Natürliche Wiesen sind für den Artenreichtum am besten. Wer es ordentlicher mag, installiert am besten einen meterbreiten Rasenrahmen um die Naturwiese. Das fördert die Biodiversität und sieht schick aus.

Durchatmen: In Gebäuden mit geschlossenen Fenstern ist die Luftfeuchtigkeit oft zu niedrig, was die Schleimhäute austrocknet. Mit Zypergräsern lässt sich das natürlich regulieren. Zeigt das Hygrometer 45 Prozent an, ist der Wert ideal.