Bauarbeiter Günstige Handwerker per Mausklick?

Auf Web-Portalen gibt's die Offerte von Handwerkern im Nu. Aber nicht immer ist die günstigste auch die beste.

von Jürg Zulliger 05. Dez 2016

Der Business Case ist einfach: Man eröffnet eine Internet-Plattform, auf der unzählige Handwerker und Baugeschäfte ihre Dienstleistungen anbieten. Potenzielle Kunden, oft ganz einfach private Hauseigentümer, holen auf diesem Weg Offerten ein. Bequem von zu Hause aus wählen sie das beste Angebot aus. Die Vielfalt der Aufträge lässt praktisch keine Wünsche offen: Maler- und Gipserarbeiten, Böden verlegen, Fenster ersetzen, Badezimmer renovieren, Sauna einbauen, Zimmer neu verkabeln.

Als Auftraggeber genügt es bereits, die gewünschte Arbeit etwas genauer zu umschreiben. Je nach Komplexität liefert man noch weitere Unterlagen, Pläne, Beschreibungen oder Fotos mit. Weiter hinterlässt man seinen Namen und seine Kontaktangaben. Und schon fliegt die Offerte ins Haus.

Enorme Preisunterschiede

Ein Test zeigt erstaunliche Resultate. Vor allem für einfache Arbeiten hat der Auftraggeber teils schon in wenigen Minuten die ersten Offerten. Ein etwas grösseres Unterfangen, etwa ein Küchenumbau oder gar die Renovation eines Dachs, stösst meist auf weniger Resonanz. Verblüffend sind die Preisunterschiede: Bei Malerarbeiten liegen die günstigsten und die teuersten Offerten manchmal um den Faktor 4 oder 5 auseinander.

«Die Preisofferten liegen heute teils so tief, dass eine Umsetzung zu solch niedrigen Preisen grundsätzlich nicht realistisch ist», warnt Sascha Fopp, Bereichsleiter Rechtsdienst beim Schweizerischen Maler- und Gipserunternehmer-Verband (SMGV). Er rät zur Vorsicht, wenn das Angebot ungewöhnlich tief liegt oder wenn unklar ist, wer überhaupt der Auftragnehmer wäre.

Ein Handwerker oder ein Geschäft, der beziehungsweise das vor Ort bekannt und etabliert sei, verspreche in der Regel eine verlässlichere Abwicklung und bessere Betreuung, falls zum Beispiel Mängel oder sonstige Probleme auftreten. Fopp meldet daher gegenüber den Online-Ausschreibungen Vorbehalte an. Die Betreiber der Web-Portale halten dem entgegen, dass die Leistungen transparent seien – denn die Auftraggeber könnten die Benotungen früherer Auftraggeber ebenfalls online einsehen.

Die gesetzlichen Rechte

Viele Auftraggeber fragen sich, auf welche Geschäftsbedingungen oder Mängelrechte sie sich bei Online-Geschäften berufen können. Grundsätzlich gelten zwar die gleichen Rahmenbedingungen und Grundlagen wie bei einer konventionellen Ausschreibung. Der Auftraggeber kann sich darauf verlassen, dass ihm die gesetzlichen Rechte zustehen – etwa bei Baumängeln, die zu beanstanden sind. Auch gewisse technische Normen und die sogenannten «Regeln der Baukunde», also der aktuelle Stand der Technik, sind zu beachten – unabhängig davon, auf welchem Weg der Vertrag zustande kommt.

Die schnelle und relativ formlose Ausschreibung ist aber dennoch mit höheren Risiken verbunden. Solange man nicht ausdrücklich ganz bestimmte Geschäftsbedingungen oder klar definierte Vertragsnormen vereinbart, die sonst in der Branche üblich sind, bewegt man sich in einer Grauzone. Weder der Besteller noch der Unternehmer können sich darauf berufen.

Vorsicht: vage Angaben

«Grosse Schwierigkeiten», so betont Sascha Fopp, «ergeben sich oft auch daraus, dass Auftraggeber die konkreten Umstände oder etwa räumliche Ausmasse und den Umfang der Arbeiten und der dazu nötigen Vorbereitung gar nicht oder viel zu vage definieren.» Öfters liegen auch keine Pläne vor, was ein seriöses Vorgehen verunmöglicht.

Ein Beispiel: Aufgrund einer Online-Ausschreibung kalkuliert der Handwerker, dass Gipserarbeiten für 300 Quadratmeter Fläche notwendig sind, und unterbreitet auf dieser Grundlage seine Offerte. Vereinbart wird eine Pauschale nach der SIA-Norm 118. Erst vor Ort stellt er aber überrascht fest, dass es hier um 600 oder sogar um 1000 Quadratmeter geht. Online-Aufträge sind vor allem dann heikel, wenn mangels Plänen, Mass- oder Volumenangaben beide Seiten von ganz verschiedenen Voraussetzungen ausgehen.

Praktisch für Kleinaufträge

Thomas Ammann, Ressortleiter Energie- und Bautechnik beim Hauseigentümerverband Schweiz (HEV), erachtet diesen Kanal vor allem für kleinere, klar definierte Aufträge als durchaus geeignet: «Das gilt etwa für den Ersatz von Fenstern, für Gärtner-, Maler- und Tapeziererarbeiten.»

Entscheidend sei, dass die Arbeit sehr klar definiert werden könne und nicht mit einem grösseren Koordinations- oder Planungsaufwand verbunden sei. Etwas anders liegt der Fall nach Ansicht des HEV-Experten aber, wenn mehrere Arbeitsgattungen koordiniert werden müssen. Das gilt bereits für einige klassische Tätigkeiten, wie sie private Bauherren oft in Auftrag geben: etwa der Einbau einer neuen Küche, bei dem es nebst dem Küchenbauer oft auch noch andere Handwerker braucht wie Maler, Elektriker, Schreiner, Bodenleger. Dasselbe gilt für einen Badezimmerumbau oder technisch anspruchsvollere Massnahmen an der Energie- und Haustechnik eines Gebäudes.

Thomas Ammann empfiehlt auch, je nach Auftrag auf den Hintergrund eines Handwerkers respektive Baugeschäfts zu achten: Für die eine oder andere Arbeit, die rasch und unkompliziert durchgeführt werden soll, ist vielleicht ein Allrounder die richtige Person. «Bei vielen Arbeitsgattungen lohnt es sich aber, nur Handwerker zu berücksichtigen, die dafür auch tatsächlich ausgebildet und qualifiziert sind.»

Vorsicht: vage Angaben

Handwerkerwahl: sieben Tipps

  1. Achten Sie bei der Online-Ausschreibung darauf, die Arbeit ausführlich zu beschreiben. Nebst einer detaillierten Beschreibung sind Fotos, Pläne oder Skizzen anzufügen.
  2. Vergessen Sie nicht, die exakten Masse, die gewünschten Materialien, die Qualität von Parkett und Fliessen genau aufzuführen.
  3. Es empfiehlt sich, unterschiedliche Arbeiten nach Möglichkeit in einzelne Anfragen zu unterteilen.
  4. Bei grösseren Arbeiten sollten Sie vorgängig einen Besichtigungstermin vorschlagen.
  5. Komplexe Arbeiten, etwa ein Küchenumbau, erfordern eine sehr gute Planung und Koordination. Meist führt dann der Weg doch über einen Architekten.
  6. Bei sehr tiefen Preisofferten sollten Sie nebst der Online-Offerte zusätzlich Referenzen beim Anbieter einholen und prüfen. Es empfiehlt sich auch, Vergleichsofferten von Handwerksbetrieben in Ihrem Dorf oder Ihrem Quartier einzuholen.
  7. Verlangen Sie eindeutige Kostenvoranschläge oder klar definierte Pauschalpreise. Falls nur ein Richtpreis offeriert wird oder die Preisangaben vage bleiben, darf ein Handwerker einen allfälligen Mehraufwand verrechnen.