Bauen Das Zuhause ins richtige Licht setzen

Wie man mit Licht im Gebäude umgeht, verrät Stararchitektin Annette Gigon.

von Ueli Bischof 20. Okt 2015

Was bedeutet Licht für die Architektur?

Sonnenlicht ist existenziell. Ohne dieses gäbe es uns nicht, weder Menschen, Tiere noch Pflanzen. Und doch ertragen wir Menschen nicht so viel Licht, wie die Sonne ausstrahlt. Auch darum bauen wir Häuser. Sie schützen uns vor Regen und Kälte – und vor Sonnenlicht. Dieses dosieren wir mit Fensteröffnungen, damit nicht zu viel, aber genügend Licht ins Innere dringt.

Wie viel Licht brauchen wir in einem Gebäude?

Ich mag grosszügige Fensteröffnungen in Häusern. Aber man braucht weniger Licht, als man denkt: Ein Zehntel der Bodenfläche eines Raums ist das gesetzliche Minimum für Fensteröffnungen im Wohnungsbau. In einem Kunstmuseum reicht ein halbes bis ein Prozent der Lichtmenge draussen unter freiem Himmel für die natürliche Belichtung der Kunstwerke im Inneren.

Sie haben für das Kirchner Museum in Davos den renommierten Tageslicht-Award erhalten. Worin lagen die Herausforderungen?

Wir wollten die Kunst Ernst Ludwig Kirchners im alpinen Davos mit natürlichem Licht zeigen. Dies führte zu einer neuartigen Oberlichtlösung. In Davos liegt drei Monate im Jahr Schnee auf den Dächern. Schon eine dünne Schicht lässt kein Licht mehr durch. Darum fällt das Tageslicht im Museum nur über seitliche Fenster in einen Oberlichtraum. Dieser ist von den darunterliegenden Ausstellungsräumen durch Glasdecken getrennt. Die Gläser der Fenster des Oberlichtraums und der Glasdecke sind geätzt. So wird das Licht gestreut und schattenlos im Raum verteilt. Um die Wände der Ausstellungsräume auch bei Sonnenschein gleichmässig auszuleuchten, befinden sich an den seitlichen Fenstern der Oberlichträume zusätzlich Lamellen. Deren Stellung ändert sich automatisch – je nach Sonnenstand über den Tag und im Verlauf des Jahres. Der Ausdruck der Ausstellungsräume selbst sollte einfach sein, um vorrangig die Werke Kirchners zur Geltung zu bringen. Das Kirchner Museum war eines der ersten Museen, die diesen Gedanken aufgegriffen haben. Obwohl das Museum bereits 1992 eröffnet wurde, vermochte es 20 Jahre später die Jury des Tageslicht-Awards 2012 zu überzeugen.

Welche Vorzüge hat Tageslicht gegenüber Kunstlicht?

Tageslicht enthält alle Spektralfarben, aber es verändert sich im Laufe eines Tages und je nach Wetter. Trotzdem arbeiten wir auch bei Kunstmuseen möglichst mit Tageslicht. Es ist das beste Licht, um die Farben von Kunstwerken wiederzugeben. Halten wir Menschen uns lange in Räumen auf, die nur mit Kunstlicht beleuchtet sind, leben wir unter Tageslicht förmlich auf. Auch die Sicht ins Freie spielt eine wichtige Rolle. Sie ist mit ein Grund, warum wir in Museen nach zwei bis drei geschlossenen Ausstellungsräumen einen Raum mit Fenstern konzipieren, damit unsere Blicke in die Ferne schweifen können.

Worauf ist in Sachen Licht bei einem Gebäude zu achten?

Ausschlaggebend sind hierbei die Nutzung, der Standort und damit die Aussicht. Beim Blick auf einen See oder in einen Park machen grossflächige Fenster mehr Sinn als bei Sicht auf einen Parkplatz. Dem Bürohochhaus Prime Tower beispielsweise liegt die Stadt Zürich zu Füssen – aber auch viel befahrene Strassen und ein riesiges Gleisfeld. Wir haben die ganze Fassade verglast und auf geschlossene Brüstungen verzichtet, um nicht nur den Arbeitsplätzen in der ersten Reihe, sondern auch in der zweiten oder dritten Aussicht auf die Stadt zu gewähren. Ebenso kommt es darauf an, wie ein Gebäude genutzt wird. Handelt es sich um die private Wohnung, wollen sich die Menschen nicht ausgestellt fühlen. Dient es als Büro, gelten zuerst Kriterien wie genügend Licht und blendfreie Arbeitsplätze. In Kunstateliers oder Handwerkstätten bevorzugt man für möglichst konstante Lichtverhältnisse häufig das gleichmässigere Nordlicht.

Welchen Einfluss hat Kunstlicht auf uns Menschen?

Das Kunstlicht war für die Menschen eine grosse Befreiung. Denn damit ist man nicht mehr vom Tageslicht abhängig, sondern kann auch nachts arbeiten und seine freie Zeit in die Abendstunden ausdehnen. Interessanterweise erscheinen uns abends diejenigen Leuchtmittel, die der bläulichen Tönung des Tageslichts am nächsten kommen, kalt und künstlich. Dann bevorzugen wir wärmeres Licht.

Heute sprechen alle von LED. Steht mit dieser Technik eine Revolution des Kunstlichts an?

Das wird sich zeigen. Die Energieeffizienz gängiger Fluoreszenzlampen, wie wir sie aus Büros oder Geschäften kennen, ist seit Jahrzehnten etwa fünfmal besser als jene von Glühbirnen. Erst seit Kurzem weisen LED-Leuchten eine minimal bessere Effizienz auf als Fluoreszenzlampen. Glühlampen mit LED-Lampen zu ersetzen macht also energetisch Sinn, bestehende Fluoreszenzlampen gegen LED auszuwechseln noch nicht. Der Vorteil von LED ist aber, dass sich dünnere Leuchten mit längerer Lebensdauer bauen lassen. Das eröffnet uns neue Gestaltungsmöglichkeiten.

Wohnungen, Museen, das höchste Haus der Schweiz: Sie haben mit Ihrem Büro Gigon  / Guyer schon vieles erreicht. Bleiben da noch Träume?

Natürlich! Wir träumen von Bauaufgaben wie Bibliotheken, Schulen, weiteren Museen, aber auch von neuen Wohn- und Bürohäusern. Dabei sind wir nicht einmal sehr wählerisch bezüglich der Gebäudetypen. Viel wichtiger ist, dass wir zu den Bauherrschaften eine tragfähige, vertrauensvolle Beziehung etablieren können. Denn Bauen ähnelt dem gemeinsamen Erklimmen eines Bergs. Hier muss vieles stimmen: nicht nur die Architektur, die Kosten, die Termine. Letztlich sollen die Menschen, die ein Gebäude beleben, sich darin wohlfühlen. Hierin liegt das höchste Ziel.

Helle UBS

Wenn UBS ihre 280 Geschäftsstellen in der Schweiz umbaut, trimmt sie diese gleichzeitig auf Energieeffizienz. So basiert das Beleuchtungskonzept weitgehend auf LED-Leuchten mit dem Gütesiegel Minergie. Ein besonderes Lichtkonzept für aussen und innen erhielt die UBS-Geschäftsstelle Davos. Für das neue UBS-Bürogebäude an der Europaallee in Zürich entwickelten Spezialisten von Regent neuartige energieeffiziente Stehlampen. Eine automatische Steuerung reagiert dabei auf Tageslicht und die Präsenz der Mitarbeitenden.

Marktstand: Hauspreise

Das Wachstum der Transaktionspreise für Einfamilienhäuser lässt weiter nach. So stiegen diese im 3. Quartal 2014 im Jahresvergleich lediglich um 2,4 Prozent. Am stärksten erhöhten sich die Preise in der Ostschweiz (5,8 Prozent) und in der Südschweiz (4,7 Prozent). Gefallen sind die Preise im Vorjahresvergleich nur in der Region Genfersee, der teuersten Region der Schweiz (–1,8 Prozent). Ein anderes Bild ergibt sich im Vergleich zum Vorquartal. Da nahmen die Transaktionspreise für Einfamilienhäuser fast flächendeckend ab, abgesehen von den Regionen Ostschweiz und Bern. Die Gründe für das schwächere Wachstum dürften in den jüngst verschärften Regulierungen des Hypothekargeschäfts und dem teilweise regional als zu hoch empfundenen Preisniveau liegen.