Daniel Kalt, Chefökonom und Regional Chief Investment Officer Schweiz, erklärt, weshalb es sich lohnen kann, eine Alternative zum Sparkonto zu prüfen – unabhängig von der Grösse des Vermögens.

Weshalb sollen sich auch Personen mit kleineren Vermögen Gedanken übers Anlegen machen?

Wer sein Geld auf dem Sparkonto liegen hat, vermehrt es derzeit nicht. Tendenziell ist es sogar so, dass man Verluste riskiert, weil die Inflation bald einmal höher sein könnte als der Zins.

Auf welche Punkte muss man als Anleger achten?

Ungeachtet des anzulegenden Betrags ist es wichtig, ein Anlagekonzept zu haben. Das beginnt mit der Definition des persönlichen Risikoprofils. Ist man eher ein defensiver Anleger, der das Risiko höherer Verluste nicht eingehen kann oder will? Oder tendiert man zu mehr Aggressivität bei der Anlage und ist bereit, zugunsten einer höheren Ertragsmöglichkeit zumindest vorübergehend auch allfällige Verluste in Kauf zu nehmen? Vom Risikoprofil abgeleitet soll man sich dann ein gut diversifiziertes Portfolio zusammenstellen. Und schliesslich gilt es, die gewählte Anlagestrategie mit viel Disziplin umzusetzen.

Lesen Sie auch: Achtung, Anlegerfallen!

Manche Anleger lassen sich von Emotionen leiten. Wir haben für Sie einige psychologische Anlegerfallen zusammengefasst.

«Die Anlagestrategie muss auf die Vermögensplanung abgestimmt sein.»

Wie ermittelt man sein Risikoprofil?

In den Grundzügen kann man das eigentlich selbst machen. Sinnvoller ist aber, das Risikoprofil zusammen mit einem Berater zu erarbeiten. Denn die Anlagestrategie muss auf die eigene Vermögensplanung abgestimmt sein und Punkte wie Sparquote und gewünschte Bargeldreserve berücksichtigen

Welche Faktoren spielen fürs Risikoprofil die wichtigste Rolle?

Der allerwichtigste Faktor ist der Zeithorizont. Dieser ist hauptsächlich abhängig von den Zielen, die man verfolgt. Es ist etwas anderes, ob man als junge Person auf ein Haus spart oder on man Geld für die Vorsorge auf die Seite legen will. Und es ist nochmals etwas anderes, wenn nur noch wenige Jahre bis zur Pensionierung bleiben. Grundsätzlich gilt: Je weiter der Horizont, desto höher das Risiko, welches man eingehen kann. Auch gilt: Je mehr Risiko man eingehen kann, desto mehr Aktien kann man im Portfolio halten. Diese bergen zwar mehr Risiken, haben aber langfristig gesehen das grösste Renditepotenzial.

Kennen Sie Ihr Risikoprofil?

Jeder Kundenberater unterstützt den Kunden bei der Ermittlung des individuellen Risikoprofils. Diese Fragen müssen dabei beantwortet werden:

Je höher die gewünschte Rendite, desto höher ist das Anlagerisiko.

Mit einer vernünftigen Liquiditätsreserve verhindern Sie, dass Sie Anlagen zu einem ungünstigen Zeitpunkt verkaufen müssen.

Mehr Zeit bietet in der Regel mehr Anlagemöglichkeiten und lässt andere Risiken zu.

 Bei geringem Fachwissen oder wenig Zeit empfiehlt sich eine umfassende Beratung.

Wer hohe Renditen erwartet, sollte langfristig planen, um auf Schwankungen reagieren zu können.

«Empfehlenswert ist, mit weiteren Anlageklassen eine zusätzliche Diversifikation ins Portfolio zu bringen.»

Sind für Kleinanleger neben Aktien weitere Anlageklassen empfehlenswert?

Durchaus. Mit der Definition der Anlagestrategie legt man den Aktienanteil fest. Es wäre aber nicht klug, den Rest des Vermögens auf dem Sparkonto zu belassen. Empfehlenswert ist, mit weiteren Anlageklassen eine zusätzliche Diversifikation ins Portfolio zu bringen. Das können Anleihen sein, aber auch Immobilien oder Rohstoffe, respektive darauf basierende Fonds. Tendenziell gilt: Je breiter diversifiziert man anlegt, desto besser gewappnet ist man für mögliche Rückschläge an den Finanzmärkten, auch bei geopolitischen Schocks.

Eine breite Diversifizierung ist also die wichtigste Massnahme, um sich gegen Verluste abzusichern?

Genau. Allerdings gibt es auch alternative Anlagekonzepte. So hat UBS beispielsweise ein Angebot, bei dem die Aktienquote ständig entlang des Marktzyklus angepasst wird. Dies geschieht automatisch, ohne dass der Kunde etwas dafür machen muss.