Vermögen fair aufteilen

Unter gerechter Aufteilung verstehen alle etwas anderes

Eltern und Nachkommen können unterschiedliche Vorstellungen über die Weitergabe der Familienwerte haben. Gleichzeitig berücksichtigen einseitig gefasste Entscheide nicht die Wünsche aller Beteiligten. Neben den rechtlichen Vorgaben und den finanziellen Rahmenbedingungen spielen emotionale Aspekte eine wichtige Rolle.

Grundsätzlich sind Erbvorbezüge gesetzlich geregelt. Bei einer Barauszahlung bleibt der Betrag immer derselbe. Aber was passiert mit einer zu Lebzeiten auf die Nachkommen überschriebenen Liegenschaft später im Erbfall? Oder was sieht das Gesetz bei unterschiedlich langen oder teuren Ausbildungen vor? Und was muss man bei der Begünstigung von Stiefkindern beachten? Wie sollen Vermögenswerte angelegt werden, damit im Todesfall Erbvorbezüge ausgeglichen werden können?

Vermögen fair aufteilen

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Meinem Sohn aus erster Ehe möchte ich ein Grundstück als Erbvorbezug geben, gleichzeitig meiner Tochter den Gegenwert des Grundstücks in bar. Meine beiden Stiefkinder sollen nach meinem Ableben gleich wie meine leiblichen Kinder behandelt werden.

Anne Zwimpfer

Grundsätzlich gilt: Erbvorbezüge werden an den späteren Erbteil angerechnet. Eine Million in bar bleibt eine Million. Aber bei der Bewertung von Grundstücken verhält es sich anders: Hier wird der Verkehrswert am Todestag des Vererbenden für den Ausgleich herangezogen; dies kann zu einer Pflichtteils-Verletzung führen. Aufwendungen für Ausbildungen werden grundsätzlich nicht als Erbvorbezug betrachtet, sofern sie das übliche Mass nicht übersteigen. Stiefkinder sind in der Regel nicht erbberechtigt und erhalten nichts.

Mit einem Testament hat Anne Zwimpfer einige Möglichkeiten. Sie kann zum Beispiel festhalten, dass das geschenkte Grundstück nicht zum Verkehrswert sondern zum Nominalwert verrechnet wird. Sie könnte auch dafür sorgen, dass Ausbildungskosten sehr wohl zu berücksichtigen sind. Und sie kann ihre Stiefkinder begünstigen. Worauf sie dabei immer achten muss: Die Pflichtteile ihrer Kinder aus erster Ehe dürfen nicht unterschritten werden.

Wussten Sie, dass…

  • ... mit einem Erbvertrag der Anrechnungswert der Liegenschaft für den Ausgleich unter den Erben verbindlich festgelegt werden kann, nämlich mit dem Nominalwert?
  • … die Nachfolgeregelung bei Veränderung der Familiensituation unbedingt aktualisiert werden muss?
  • … unklare und nicht schriftlich festgehaltene Erbvorbezüge oft zu Streit und Zerwürfnis führen?
  • … Stiefkinder in vielen Kantonen erbschaftssteuerpflichtig sind?
  • … Pflegekosten, der Verbundenheit zu Liegenschaften oder Schwierigkeiten der Beteiligten über den Tod zu sprechen oft zu wenig Beachtung in der Nachfolgeplanung geschenkt wird?

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