
In den letzten Wochen hat Gold für einiges Aufsehen gesorgt. Das hat viele Anlegerinnen und Anleger bewogen, ihre Auffassung von einem «sicheren Hafen» zu überdenken und den möglichen fairen Wert neu zu beurteilen. Goldkäufer wissen seit Langem, dass der Preis des Edelmetalls von den fundamentalen Faktoren losgelöst ist, die auf reine Rohstoffe massgeblichen Einfluss haben. Vielmehr wird der Goldpreis von eher «weichen» dynamischen Faktoren wie der Nachfrage seitens privater Anleger angetrieben.
Es wäre falsch, daraus zu schliessen, dass Anlagen in Vermögenswerten, die allein auf dem fundamentalen Wert basieren, immer funktionieren würden. Die Volatilität des Goldpreises erinnert uns daran, dass Anleger unbedingt wachsam sein müssen, wenn die Preise vom fundamentalen Wert entkoppelt sind. Ganz besonders gilt das in einer Welt, in der die Zentralbanken in der allgemeinen Wahrnehmung die Preise an vielen Anlagemärkten beeinflussen, insbesondere an den Märkten für festverzinsliche Anlagen.
Die heutigen Märkte können wir uns als eine Gruppe von Gummienten in einer Badewanne vorstellen. Das aus dem Hahn strömende Wasser stellt die von den Zentralbanken bereitgestellte Liquidität dar, die Enten stehen für die Marktperformance und der Stöpsel repräsentiert die fundamentale Stärke der Wirtschaft.
In die amerikanische Badewanne strömt weiterhin Wasser und wir glauben, dass der Stöpsel angesichts der Erholung am Wohnimmobilienmarkt und des guten Gewinnwachstums der Unternehmen sicher sitzt. Daher fühlen wir uns mit unseren übergewichteten Positionen in US-amerikanischen Aktien und High-Yield-Unternehmensanleihen wohl. Was dagegen die chinesische Badewanne betrifft, ist die Regierung mittlerweile besorgt, dass die Ente zu weit oben schwimmt. Sie hat daher das Wasser abgedreht, sodass wir Schwellenländeraktien auf neutral heruntergestuft haben. In der japanischen Badewanne sitzt der Stöpsel indes seit Jahren nicht richtig. Doch die Bank of Japan hat nun den Wasserhahn bis zum Anschlag aufgedreht und das Wasser steigt schnell. Daher sind wir neu in japanischen Aktien übergewichtet.
Alexander S. Friedman
Global Chief Investment Officer
Wealth Management
Goldpreis sinkt deutlich
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