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Alterung der Gesellschaft

Zürich/Basel | | Media Releases

Die Weltbevölkerung wird immer älter. Familien haben weniger Kinder, Fortschritte in der Medizin erhöhen die Lebenserwartung und die Baby-Boom- Generation kommt ins Rentenalter. Diese Trends sind nichts Neues. Sie wurden bereits in zahlreichen anderen Studien untersucht, die häufig zu recht düsteren Schlussfolgerungen kommen. UBS Wealth Management Research prognostiziert jedoch, dass die negativen Auswirkungen der Alterung der Bevölkerung auf das gesamte Pro-Kopf-Wachstum der Wirtschaft durch Gegenkräfte gemildert werden. Selbst bei einem höheren Transfer an die älteren Generationen wird das Wachstum des Pro-Kopf-Einkommens der Bevölkerung im erwerbstätigen Alter überraschend solide bleiben. Auch auf die Finanzmärkte dürfte die demographische Entwicklung nur moderaten Einfluss haben, da die fundamentalen Faktoren stärker ins Gewicht fallen. Der tief greifende demografische Wandel bis zur Mitte dieses Jahrhunderts wird jedoch weit reichende Auswirkungen auf die nachgefragten Produkte und Dienstleistungen und somit auf die Perspektiven der betroffenen Branchen und ihre Attraktivität für Finanzanlagen haben.

UBS Wealth Management Research hat eine neue Studie veröffentlicht, in der die Auswirkungen der alternden Bevölkerungsstruktur in den entwickelten Ländern auf das künftige Wirtschaftswachstum, die Finanzmärkte und die Branchentrends beleuchtet werden.

Insbesondere kommt die Studie zu folgenden Erkenntnissen:

  • Trendwachstum der globalen Wirtschaft verlangsamt sich; Einkommensverteilung infolge der alternden Bevölkerungsstruktur gewinnt an Bedeutung

  • Mässige, aber uneinheitliche Auswirkungen auf die Finanzmärkte, wobei Renten und regionale Abhängigkeiten eine entscheidende Rolle spielen

  • Nachfrage nach neuen, massgeschneiderten Produkten, einhergehend mit branchenspezifischen Innovationen und Entwicklungen in der Zukunft

Das Trendwachstum der globalen Wirtschaft verlangsamt sich

Eine Folge der alternden Bevölkerungsstruktur ist, dass weniger Menschen ins Arbeitsleben eintreten, während gleichzeitig mehr Menschen in den Ruhestand treten. Laut UBS ergeben sich dadurch zwei wirtschaftliche Herausforderungen: Erstens verlangsamen die schrumpfende Erwerbsbevölkerung und das geringere Sparaufkommen das Trendwachstum in etlichen Industriestaaten. Eine Erhöhung der Erwerbsquote, eine Anhebung des Rentenalters, längere Wochenarbeitszeiten sowie eine vermehrte Einwanderung könnten wohl dazu beitragen, die Verlangsamung des Wirtschaftswachstums aufzuhalten. Sie dürften die Auswirkungen der Alterung auf die Volkswirtschaften der entwickelten Länder aber nicht in vollem Umfang ausgleichen.

Zweitens müssen die Länder ihre Wirtschaftsleistung bzw. das Einkommen auf immer mehr Pensionäre und immer weniger Erwerbstätige verteilen. Staatliche Massnahmen z.B. in den Bereichen Gesundheitsfürsorge und Rentenprogramme werden zwar für eine gewisse Umverteilung des Einkommens zwischen den Altersgruppen sorgen. Selbst die besten Finanzierungsprogramme kommen jedoch nicht an der Tatsache vorbei, dass nur das konsumiert werden kann, was produziert wurde. Die Studie führt vor Augen, dass die von der demografischen Alterung am meisten betroffenen Länder Wege finden müssen, wie der Transfer der wirtschaftlichen Leistung von den Erwerbstätigen auf die ältere Generation erfolgen kann, um eine absolute Verschlechterung des Lebensstandards der älteren Mitbürger zu verhindern. Selbst wenn die Transferleistungen gross genug sind, um das Pro-Kopf-Einkommen der älteren Menschen konstant um 1,0% pro Jahr steigen zu lassen, würde das Einkommenswachstum der Bevölkerung im erwerbstätigen Alter in den Industrieländer nach wie vor zwischen 1,1% pro Jahr in der Schweiz und 1,8% in Japan steigen.

Dagegen wird gemäss demografischen Prognosen in vielen Entwicklungsländern der Anteil der erwerbstätigen Bevölkerung ansteigen, da die Geburtenrate weiterhin weit über der Ersatzquote liegt. Die Studie zeigt überdies, dass dieser demografische Trend das Wirtschaftswachstum in den Entwicklungsländern weiterhin stützt, sofern er durch die notwendigen institutionellen Reformen, Produktivitätssteigerungen und eine verstärkte Beteiligung am Weltwirtschaftssystem begleitet wird.

Mässige, jedoch gemischte Auswirkungen auf die Finanzmärkte

Gemäss der neuen Studie müssen das aufgrund der alternden Bevölkerung verlangsamte Wirtschaftswachstum und die geringere Sparquote in den entwickelten Ländern nicht zwingend zu schlechteren Bedingungen am Finanzmarkt führen. Die demografischen Veränderungen dürften gegenüber anderen grundlegenden Trends in den Hintergrund rücken, beispielsweise die geografischen Einkommensunterschiede, die Integration der globalen Kapitalmärkte und die angepasste Kapital-Allokation der Pensionskassen. Zudem sind die Unternehmen aufgrund ihrer Direktinvestitionen im Ausland und der zunehmenden geografischen Diversifikation ihrer Umsatz- und Kostenstruktur immer weniger vom Wachstum ihres Heimmarktes abhängig.

Der Realzins (d.h. der um die Inflationsrate bereinigte Nominalzinssatz) bildet sich zunehmend aufgrund des globalen Zusammenspiel von Investitionen und Ersparnissen. In den Industrieländern dürfte eine Verringerung des Sparaufkommens infolge des Vermögensverzehrs der Rentner einen Aufwärtsdruck auf den Realzins bewirken, während in Entwicklungsländern das Gegenteil zu erwarten ist. Allerdings wird dieser Effekt durch die zunehmend integrierten Anleihemärkte gedämpft. Insbesondere dürfte der Kapitalfluss von den Schwellenmärkten mit hohen Sparquoten in Industrieländer mit geringerem Sparaufkommen den Druck auf den Realzinssatz in den entwickelten Ländern mildern.

An den Finanzmärkten deutlicher spürbar werden die Auswirkungen der demografischen Trends anhand der veränderten Kapitalallokation der Pensionskassen. Bei kürzerem Anlagehorizont wegen des zunehmenden Alters der Versicherten dürften die Pensionskassen bestrebt sein, ihre Anlagen von Aktien auf Anleihen umzuschichten und dabei Anleihen mit kürzerer Laufzeit zu bevorzugen. Insgesamt dürften diese Portfolio-Umschichtungen einen negativen Einfluss auf Aktien haben, die Anleihen hingegen stützen (d.h. zur Beibehaltung von niedrigen Anleiherenditen beitragen).

Da diese Auswirkungen erwartungsgemäss von institutionellen Investoren und nicht von einzelnen Privatanlegern herrühren, ist davon auszugehen, dass sie in Ländern mit einem gut entwickelten Pensionskassensystem am stärksten zu spüren sein werden. Dazu zählen insbesondere die Niederlande, Grossbritannien, die USA und - in geringerem Ausmass - die Schweiz. In gewissen rasch alternden Ländern, deren Rentensystem stark auf dem Umlageverfahren beruht, werden die Finanzmärkte von einer verstärkten Selbstvorsorge der aktiven Bevölkerung Impulse erhalten. Daraus ergeben sich eine Stärkung der Aktienkultur, eine Vertiefung der Finanzmärkte und eine grössere Nachfrage nach finanziellen Vermögenswerten. Eine solche Entwicklung wird voraussichtlich in Deutschland, Frankreich und Italien zu beobachten sein.

Nachfrage nach neuen massgeschneiderten Produkten

Die Studie zeigt auf, wie die alternde Bevölkerungsstruktur die Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen sowohl positiv als auch negativ beeinflusst und wie sich ein Arbeitskräftemangel auf bestimmte Industrien auswirken kann. Untersucht werden insbesondere die Auswirkungen der Überalterung auf folgende Bereiche: Gesundheitsindustrie, Verbrauchs- und Luxusgüter, Technologie und Finanzdienstleistungen. Laut UBS werden die Folgen der sich verändernden Demografie für Branchen und Unternehmen weit reichend sein, was ein fundiertes Verständnis der wichtigsten Probleme erfordert, mit denen jeder Sektor zu kämpfen hat. Einige Branchen, wie zum Beispiel die Nahrungsmittelherstellung oder Fahrzeugmontage, dürften ihre Produktion in Regionen mit niedrigeren Lohnkosten verlagern. Andere Sektoren, beispielsweise der Orthopädiebedarf und das Bankwesen, werden ihre Produkte und Dienstleistungen den Bedürfnissen des alternden Kundenstamms anpassen. Im Bereich Robotik oder Medizingeräte für den Heimgebrauch werden neue Industrien entstehen, die zugleich dem Arbeitskräftemangel und den Bedürfnissen älterer Verbraucher Rechnung tragen.

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