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UBS research focus - Ausblick 2006

Zürich / Basel | | Media Releases Switzerland

Das Jahr 2006 wird von der weiteren Wachstumsabschwächung in den USA geprägt sein. Weder der asiatische Wirtschaftsraum noch der von Konsumschwäche betroffene europäische Wirtschaftsraum können sich dieser Abschwächung in den USA ganz entziehen. Mit der Stabilisierung der Ölpreise bleiben die Inflationsrisiken jedoch begrenzt und deuten auf das Erreichen eines neuen Zinsplateaus hin. Damit sollten auch die Risiken an den Finanzmärkten kalkulierbar bleiben. Bei den Anleihen rechnet UBS mit leicht unterdurchschnittlichen Renditen. Die Bewertungen an den Aktienmärkten lassen dagegen im Durchschnitt noch mehrheitlich einstellige Renditen erwarten. Grössere Marktunsicherheiten und Rückschläge im Jahresverlauf können jedoch nicht völlig ausgeschlossen werden.

Konjunktur: Weitere Wachstumsverlangsamung in den USA
Das US-Wachstum konnte sich 2005 trotz erheblicher Belastungen infolge der Wirbelstürme mit rund 3,5% gut behaupten, wenn auch auf einem tieferen Niveau als noch 2004 (4,2%). Der private Konsum war weiterhin die Hauptstütze des Wachstums. UBS rechnet bei dieser Nachfragekomponente mit einer Abschwächung im Jahr 2006. Der Konsum wird zwar sowohl von einem soliden Beschäftigungszuwachs als auch von weiter steigenden Löhnen und Gehältern unterstützt, doch die Sparquote der US-Haushalte war bereits im dritten Quartal 2005 negativ. Das private Einkommen reichte demzufolge nicht aus, um den privaten Konsum zu finanzieren, und die Haushalte mussten entsprechend Ersparnisse auflösen. Zudem wird eine wichtige Einkommensquelle der Haushalte, die Neufinanzierung bzw. Aufstockung von Hypotheken, aufgrund der höheren Zinsen und einer allmählichen Abschwächung des Preisauftriebs bei privaten Wohnliegenschaften im Jahresverlauf, versiegen.

Das Wirtschaftswachstum in Asien übertraf auch 2005 den globalen Trend. China hat das Jahr erneut mit einem BIP-Zuwachs von über 9% abgeschlossen, Japan erzielte nach einem schwachen Start ins Jahr eine Wachstumsrate von ca. 2%. Obwohl der innerasiatische Handel immer mehr an Bedeutung gewinnt, geht UBS nicht davon aus, dass sich die Region von der US-Wachstumsschwäche abkoppeln kann, zumal der innerasiatische Handel zu einem wesentlichen Teil aus Zwischen- und nicht aus Endprodukten besteht.

Die drei grossen Volkswirtschaften der Europäischen Währungsunion kamen 2005 kaum in Schwung. Italien dürfte 2005 im Jahresdurchschnitt eine Quasi-Stagnation ausweisen, Frankreich unter den Unruhen spürbar gelitten haben und auch Deutschland dürfte ein Wachstum von lediglich rund 1% erreicht haben. Obwohl sich die Konjunkturindikatoren quer durch Europa im vierten Quartal etwas aufgehellt haben, scheint der alte Kontinent auch weiterhin nicht so richtig in Fahrt zu kommen. Das schwache Wachstum des privaten Konsums und die Sensitivität auf zu erwartende Zinserhöhungen sprechen gegen einen starken Aufschwung.

Anleihen: Zinsen erreichen neues Plateau
Die Zinsen haben insbesondere in den USA das Jahr auf höherem Niveau beendet. Im Jahresverlauf waren die Schwankungsbreiten jedoch beträchtlich. Auch die europäischen Renditen haben sich spürbar von den Tiefstständen Mitte 2005 gelöst, liegen jedoch immer noch unter den fairen Gleichgewichtswerten. Vor diesem Hintergrund muss für das kommende Jahr mit weiter steigenden Zinssätzen gerechnet werden. Die erwartete Abschwächung der US-Wachstumsdynamik und die begrenzten Inflationsrisiken sprechen jedoch dafür, dass in den USA das Zinshoch überschritten wird. Auch die zu erwartende Erhöhung der Ersparnis der privaten Haushalte wird die langfristigen Zinssätze in Schach halten. Per Saldo erwarten wir, dass sich die Renditen 10-jähriger Staatsanleihen in den USA zwischenzeitlich 5% annähern und in Europa nur leicht aufwärts gegen 3,7% tendieren werden.

Aktien: Zyklische Risiken abgefedert durch faire Bewertungen
2005 war in vielen Regionen der Welt ein sehr gutes Aktienjahr, wobei die USA eine prominente Ausnahme bildete. Hier waren bereits sehr positive Erwartungen im Markt berücksichtigt worden. Wie erwartet ist damit der Bewertungsvorteil des europäischen gegenüber dem US-Aktienmarkt zurückgegangen. Die globale Wachstumsverlangsamung, die leicht anziehenden Zinsen und die sich merklich abflachende Gewinnentwicklung ergeben für 2006 ein nicht sehr freundliches Aktienumfeld. Da die Marktpreise jedoch sehr vorsichtige Annahmen widerspiegeln, ist das Potenzial für negative Überraschungen begrenzt. Auch das erwartete Ende der geldpolitischen Straffung in den USA im Verlaufe des Jahres könnte als Katalysator für steigende Aktienmärkte dienen. Zudem bestätigen unsere Modelle, dass der US-Aktienmarkt auch bei konservativen Annahmen über die Ertragskraft der Unternehmen fair bewertet ist. Das heisst, dass Investoren mit einer mehrheitlich einstelligen Rendite rechnen können. Für die Eurozone und Grossbritannien geht UBS von noch günstigen Bewertungen aus, die langfristig sogar ein überdurchschnittliches Renditepotenzial erwarten lassen. Trotz des rauer gewordenen zyklischen Umfeldes bleiben Aktien deshalb weiterhin eine interessante Anlageklasse. Die höheren Risiken werden allerdings von den Investoren etwas mehr Geduld und Nerven abverlangen. Zudem können grössere Rückschläge im Jahresverlauf nicht ausgeschlossen werden.

Währungen: Wachstumsabschwächung lastet auf USD
Der US-Dollar wird nach wie vor vom hohen Leistungsbilanz-Ungleichgewicht zwischen den USA und ihren Handelspartnern in Asien und dem Mittleren Osten belastet. Zudem gehen von der erwarteten Abschwächung des US-Konsums, von der fehlenden Finanzdisziplin, von den Sorgen um die Inflation und vom abnehmenden Zinsvorteil negative Impulse auf den Dollar aus. Euro, britisches Pfund, australischer Dollar, kanadischer Dollar wie auch Schweizer Franken dürften als Diversifikationswährungen von der US-Dollar-Schwäche profitieren. Chinas langsam nachgebender Widerstand gegen eine Aufwertung des Renminbi gegenüber dem US-Dollar begünstigt Anlagen in andere sichere Währungsräume. Der hoch entwickelte japanische Finanzmarkt birgt dagegen zusätzliche Risken, wenn das Ende der Deflation naht. Der Transformationsprozess von der expansiven Politik zur Stützung der Wirtschaft hin zu einer Politik vermehrter Haushaltsdisziplin dürfte wohl in erhöhten Währungsschwankungen resultieren.

Nicht-traditionelle Anlageklassen: Weiterhin wertvolle Portfolioergänzungen
Im vergangenen Jahr wurde das Eingehen von Risiken an den Finanzmärkten weiterhin belohnt. Hervorragende Renditen warfen Anleihen und Aktien aus Schwellenländern ab, welche von den Leistungsbilanzüberschüssen und der insgesamt guten weltwirtschaftlichen Nachfrage profitierten. Auch Unternehmensanleihen, insbesondere solche minderer Bonität, vermochten eine Zusatzrendite gegenüber Staatsanleihen zu erwirtschaften. Es ist nicht davon auszugehen, dass dies 2006 im Umfeld erhöhter zyklischer Risiken so bleiben wird.

Ebenfalls auf einen bescheideneren, aber nach wie vor positiven Ertragstrend dürften Immobilien und Rohstoffe, welche in den letzten Jahren die Spitzenpositionen in den Renditeranglisten belegten, einschwenken. Während die Rohstoffpreise aufgrund solider Nachfrage und begrenzter Angebotskapazitäten auf hohem Niveau verharren, werden Immobilienaktien von stabilen Gewerbeimmobilienpreisen und hohen Dividendenrenditen profitieren. Hedge Fonds, die 2005 mit einer Rendite von über 7% in USD gut abschnitten, werden sich voraussichtlich aufgrund der erhöhten Marktschwankungen stabilisierend auf Anlageportfolios auswirken.

Kontakt:
Alex Kobler, Leiter Globale Investmentstrategie, UBS Wealth Management Research Tel. +41-44-234 59 43

Wirtschaftsprognosen
BIP-Wachstum in %

2004

2005

2006

2007

USA

4.2

3.4

3.0

2.0

Kanada

2.9

2.8

3.0

2.5

Australien

3.6

3.0

3.0

3.0

Japan

2.6

2.0

2.0

2.0

EWU

1.7

1.3

1.6

1.4

Deutschland

1.6

1.0

1.3

1.4

Frankreich

2.1

1.6

1.7

1.6

Italien

1.0

0.3

0.9

0.5

Spanien

3.1

3.3

3.0

2.5

Niederlande

1.7

0.5

1.6

1.9

Grossbritannien

3.1

1.7

2.4

2.3

Schweden

3.1

2.3

2.8

2.6

Schweiz

2.1

1.9

2.0

1.3

China

9.5

9.2

8.5

8.2

Asien1

6.0

6.7

6.4

4.5

Lateinamerika

6.0

4.0

3.8

3.2

Mittel-/Osteuropa

6.2

4.9

4.6

4.4

1 ohne Japan

Prognosen UBS WMR

Wirtschaftsprognosen
Inflation in %

2004

2005

2006

2007

USA

2.7

3.1

3.4

2.7

Kanada

1.8

2.0

1.8

1.5

Australien

2.2

2.5

2.5

2.0

Japan

-0.1

-0.1

0.2

0.4

EWU

2.1

2.2

1.8

1.5

Deutschland

1.6

1.9

1.5

1.0

Frankreich

2.1

1.8

1.5

1.8

Italien

2.3

2.1

1.9

1.5

Spanien

3.0

3.3

3.0

2.6

Niederlande

1.4

1.5

1.3

1.6

Grossbritannien

1.3

2.1

2.2

1.8

Schweden

0.5

0.6

1.4

1.9

Schweiz

0.8

1.1

0.6

1.1

China

4.0

2.5

2.3

2.0

Asien1

3.3

3.5

3.5

3.3

Lateinamerika

7.3

6.0

6.4

5.8

Mittel-/Osteuropa

8.6

7.4

7.2

6.5

1 ohne Japan

Prognosen UBS WMR

Zinsprognosen

3-Monats-LIBOR

Staatsanleihen (10 J.)

Mitte 06

Ende 06

Mitte 06

Ende 06

USD

4.50

4.25

4.70

4.50

EUR

2.30

2.30

3.60

3.70

JPY

0.10

0.30

1.80

1.90

GBP

4.60

4.60

4.40

4.40

CHF

1.30

1.25

2.30

2.50

AUD

5.50

5.50

5.50

5.50

CAD

3.60

3.60

4.30

4.50

SEK

2.10

2.40

3.30

3.60

Zürich / Basel, 5. Januar 2006
UBS