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Grösseres Europa - Stärkeres Europa?

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Die EU-Erweiterung wird auf die Wirtschaft in den Beitrittsländern beträchtliche Wachstumseffekte haben, während die Auswirkungen auf die bestehenden Mitglieder begrenzt sind. Insgesamt jedoch sind besonders starke Impulse auf Wirtschaft und Finanzmärkte ebenso wenig zu erwarten wie eine Destabilisierung der Arbeitsmärkte und des Euro. Zu diesen Schlüssen kommt die UBS-Studie "Grösseres Europa - Stärkeres Europa?", welche die Auswirkungen der EU-Erweiterung auf Wirtschaft und Finanzmärkte untersucht hat.

In den kommenden Wochen finden in Estland und Lettland die letzten Volksabstimmungen zur EU-Erweiterung statt. Nach der Ratifikation durch die Parlamente der 15 derzeitigen EU-Länder erfolgt im Mai 2004 der formelle Beitritt der 10 neuen süd- und osteuropäischen Mitglieder (BL10). Während dieser Schritt zurecht als wichtiger politischer Meilenstein angesehen wird, herrscht über die wirtschaftlichen Folgen und die Implikationen für Anleger beträchtliche Unsicherheit. Die im Bereich Wealth Management Research der UBS erarbeitete Studie "Grösseres Europa - stärkeres Europa?" geht diesen Wirkungen im Detail nach. Die Studie zeigt die Wachstumseffekte in den Beitrittsländern auf, die nach Meinung der Autoren beträchtlich ausfallen werden, und geht auf die Wirkungen der Erweiterung auf die "alten" EU-Länder ein. Zudem wird die Entwicklung der Finanzinstrumente und -märkte in den Beitrittsländern analysiert. Zentral für Anleger ist schliesslich die Frage, ob die oft geäusserten Befürchtungen über eine Destabilisierung des Euro durch die - nochmalige - Aufblähung eines heterogenen Teilnehmerkreises berechtigt sind.

Grösseres Europa - höheres Wachstum?
Die Antwort bezüglich der Wachstumsaussichten für die BL10 fällt eindeutig positiv aus: Der Aufholprozess, der Mitte der Neunzigerjahre eingesetzt hat, wird sich fortsetzen. Wie auch in früheren Beitrittsrunden wird jedoch der Erfolg der einzelnen Länder unterschiedlich ausfallen. Die Bereitschaft zur Fortsetzung von Strukturreformen und der Durchsetzung einer disziplinierten Haushalts- und Geldpolitik werden sich als entscheidende Erfolgsfaktoren erweisen. Unterstützung von aussen ist zu erwarten: Länder mit günstigen Marktbedingungen werden weiterhin von umfangreichen und damit wachstumssteigernden Direktinvestitionen aus dem Ausland profitieren. Mit stabilen Bankensystemen und graduell wachsenden Finanzmärkten können in den meisten Ländern zunehmend inländische Ersparnisse mobilisiert werden, die ihrerseits das Wachstum stärken.

Die Wirkung der EU-Erweiterung auf die bestehenden EU-Mitglieder bleibt begrenzt, da die wirtschaftliche Grösse der Beitrittsländer im Vergleich zu den bestehenden klein ist. Primäre Effekte werden über den intensiveren Wettbewerb bei Gütern und Dienstleistungen und den Zustrom von Arbeitskräften erfolgen, die Angst vor einer Destabilisierung des Arbeitsmarktes in Westeuropa ist jedoch stark übertrieben. Das Überalterungsproblem Europas wird durch die EU-Erweiterung nicht gelöst, sondern eher noch verschärft.

Grösserer Euro - schwächerer Euro?
Der Euro-Beitritt der BL 10 wird ab 2007 stufenweise erfolgen. Die grösseren Länder werden mit dem Beitritt bis gegen Ende des Jahrzehntes zuwarten. Daher könnten einige der BL10-Währungen in den kommenden Jahren noch stärkeren Schwankungen unterliegen, Währungskrisen wie in der Vorphase der Euro-Schaffung Mitte 90er Jahre sind jedoch unwahrscheinlich. Da mit einer strikten Einhaltung der Maastricht-Kriterien gerechnet werden kann, sind Ängste über eine Destabilisierung des Euro ebenfalls übertrieben. Längerfristig kann sich der Euro weiter festigen, da einerseits die schneller wachsenden neuen Mitglieder das Gesamtwachstum in der Euro-Zone etwas steigern, andererseits die Europäische Zentralbank auch in Zukunft für tiefe Inflation sorgen wird.

Grössere Märkte - höhere Erträge?

Die Finanzmärkte der BL 10 sind deutlich weniger entwickelt als jene der EU 15. Auf lokaler Ebene dürften eher die Anleihens- als die Aktienmärkte wachsen. Die Bewertungen der Anleihen- und Aktienpreise haben sich weitgehend an das Niveau Westeuropas angeglichen. Die Renditen an den Märkten der BL10 dürften zwar zumindest das Niveau der grossen Märkte erreichen, übermässige Gewinne sind indes nicht zu erwarten. Anlagen in den BL10-Märkten sind als Portfolio-Beimischung gut geeignet, Investitionen in Nischensegmenten, wie bestimmten Asset-Backed-Instrumenten, Immobilien und Private Equity Anlagen, werden langfristig von noch grösserem Interesse sein.


Medien können die Studie bei UBS Media Relations beziehen. UBS Kunden können Research Focus bei ihrem Kundenberater bestellen. Ab 8. September 2003 ist sie in gedruckter Form verfügbar.



Zürich / Basel, 1. September 2003
UBS