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Die schweizerische Industriekonjunktur stockt. Im Startquartal 2003 fiel gemäss neuester UBS-Umfrage der Geschäftsgang der Unternehmen enttäuschend aus. Ein Trend Richtung Stabilisierung ist zwar erkennbar, wird aber nur langsam greifen.

UBS Outlook 2. Quartal 2003

Angesichts der nach wie vor stockenden Weltkonjunktur erlitt die Schweizer Industrie im Startquartal 2003 erneut einen Dämpfer. Sowohl auf den heimischen Märkten als auch im Ausland konnte im Vergleich zum Vorjahr deutlich weniger abgesetzt werden. Die erhoffte Stabilisierung der Auslandnachfrage ist damit ausgeblieben, aber auch die Binnennachfrage entwickelte sich unter den Erwartungen. Gemäss den Resultaten der jüngsten UBS-Umfrage vom März bei rund 350 Industriefirmen sind noch keine Anzeichen einer durchgreifenden Erholung in Sicht: Der Rückgang bei den Indikatoren Auftragseingang, Produktion und Ertrag hat sich im Vergleich zur letzen Quartalsumfrage sogar noch etwas verschärft. Der auf den Umfrageergebnissen beruhende UBS-Konjunkturindikator, der mit zwei Quartalen Vorsprung auf die offiziellen Zahlen die Entwicklung des Schweizer Bruttoinlandprodukts (BIP) anzeigt, deutet bis Mitte Jahr auf einen weiterhin kaum wahrnehmbaren, aber immerhin positiven Wachstumstrend.

Rückschläge im Startquartal
Der Start ins neue Jahr gestaltete sich für die Schweizer Industrie enttäuschend. Die Stabilisierung des Exportumsatzes, wovon in der Dezember-Umfrage ausgegangen worden war, ist im 1. Quartal ausgeblieben und die Binnennachfrage schrumpfte etwas stärker als erwartet. Die nach wie vor niedrige Kapazitätsauslastung der Firmen - mit 83% liegt sie klar unter der langjährigen Normalauslastung von gut 87% -, die grossen wirtschaftlichen und geopolitischen Unsicherheiten sowie die geringe Ertragskraft vieler Unternehmen beeinträchtigen namentlich den Geschäftsgang der Investitionsgüterindustrie. Immerhin dürfte hier der Tiefpunkt durchschritten sein. Gleichzeitig dämpfen aber die stark eingetrübten Beschäftigungsperspektiven die Konsumlust zunehmend. Von der betonten Zurückhaltung der Haushalte sind namentlich die Möbel- und die Uhrenhersteller stark betroffen. Alle Industrien mit Ausnahme von Nahrungsmittel, Papier und Chemie/Pharma verzeichneten daher im 1. Quartal Auftragsrückgänge und erlitten Umsatzeinbussen. Die Produktion musste erneut gedrosselt und die Belegschaft reduziert werden. 38% aller Firmen haben in den Monaten Januar bis März den Personalbestand verringert, aber nur 6% konnten ihn erhöhen. Der harte Wettbewerb auf den Exportmärkten und die Frankenaufwertung zum US-Dollar erzwangen ausserdem weitere Preisabschläge. Der Anteil der Firmen mit verschlechterter Rentabilität hat sich dadurch im Vergleich zur letzten Umfrage vom Dezember von 36% auf 40% erhöht, während sich die Quote der Unternehmen mit Gewinnzuwächsen von 21% auf 17% verkleinert hat.

Stabilisierung der Auslandnachfrage in Sicht
Vor dem Hintergrund des anhaltend flachen Konjunkturverlaufs, der dünnen Auftragsbücher und stark gesunkener Arbeitsvorräte bleiben die Perspektiven im 2. Quartal für die Industrie insgesamt noch schwierig. Die Unternehmen rechnen mit einem leicht rückläufigen Geschäftsgang. Dennoch gewinnen die positiven Einschätzungen insgesamt an Gewicht. Namentlich bei den Exportumsätzen wird von einer annähernd stabilen Entwicklung ausgegangen, während die Inlandlieferungen noch etwas skeptischer beurteilt werden. Dank anhaltender Produktionsdrosselung werden die Fertigwarenlager weiter abgebaut. Nur 5% der Unternehmen melden aber einen Bedarf für Neueinstellungen, während 31% bis Ende Juni einen Personalabbau vorsehen. Die Verkaufspreise tendieren weiterhin rückläufig. Entsprechend dürften per Saldo noch immer 18% der Industrieunternehmen von Ertragsproblemen betroffen sein.

In der etwas optimistischeren Einschätzung des 2. Quartals sind sich alle Branchen mit Ausnahme von Uhren, Chemie & Pharma sowie Druck & Grafik einig. Über gute Wachstumsperspektiven verfügt die Nahrungsmittel- vor der Papierindustrie. Auf deutlich anziehende Bestellungen setzt ausserdem die Kunststoffindustrie, während die anderen Branchen noch mit einem - verlangsamt - rückläufigen Geschäftsgang rechnen.

UBS-Konjunkturindikator und Bruttoinlandprodukt

(Veränderung zur Vorjahresperiode in %)

Daten (in %)



Quellen: seco (BIP); UBS (Umfrage und Berechnungen) *provisorische amtliche Zahlen


Zürich / Basel, 4. April 2003
UBS AG