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Schweizer Industriekonjunktur schwächer als erwartet

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UBS-Unternehmensumfrage vom Juni 2001 Die Wachstumsabschwächung in der Industrie ist ausgeprägter als ursprünglich angenommen. Gemäss neuester UBS-Umfrage war der Geschäftsgang im zweiten Quartal mit einer einzigen Ausnahme in allen Branchen schlechter als die Unternehmen vor drei Monaten erwartet hatten. Für das laufende Quartal wird aber mit einer leichten Besserung gerechnet.

Der Verlauf der Industriekonjunktur hat sich im 2. Quartal nochmals deutlich verflacht. Nachdem sich die Resultate der von UBS seit 1975 durchgeführten Quartalsbefragung bei rund 350 Industrieunternehmen bisher als zuverlässiger Indikator der kurzfristigen Wirtschaftsentwicklung erwiesen haben, deuten die jüngsten Resultate vom Juni 2001 für das Sommerhalbjahr auf eine Wachstumsverflachung hin. Der UBS-Konjunkturindikator als Trendbarometer des Bruttoinlandprodukts signalisiert für das 2. Quartal 2001 einen stark verringerten Zuwachs von 1,3%. Obwohl sich die Erwartungen der Umfrageteilnehmer für das 3. Quartal auf etwas höherem Niveau bewegen, zeigt der vorwiegend auf effektiven Ergebnissen basierende Indikator vorerst eine weitere Abkühlung an. Diese verschlechterten Umfrage-Ergebnisse sind ein Hauptgrund dafür, dass UBS Mitte Juni ihre Wachstumsprognose für das BIP 2001 von 2,2% auf 1,6% revidiert hat.

Erwartungen für zweites Quartal nicht erfüllt

Die Abschwächung der Industriekonjunktur hat sich in den Monaten April bis Juni akzentuiert. Dabei wurden die relativ optimistischen Prognosen, die in der März-Umfrage geäussert worden waren, nicht erfüllt. Insbesondere die Exportkonjunktur erhielt einen deutlichen Dämpfer, der von den Unternehmen nicht vorhergesehen wurde. Aber auch die Hoffnungen zur Entwicklung der Binnennachfrage erfüllten sich nicht. Per Saldo hat sich im 2. Quartal nur noch bei 2% aller Umfrageteilnehmer der Gesamtauftragseingang im Vergleich zum Vorjahr erhöht; im März hatten per Saldo 28% der Unternehmen eine positive Entwicklung erwartet. Da die Industrieunternehmen ihre Produktion trotz stagnierender Aufträge erneut deutlich ausgedehnt haben, bildeten sich per Ende Juni die während der konjunkturellen Blütezeit des vergangenen Jahres stark angestiegenen Arbeitsvorräte im Vergleich zum Vorjahr erstmals wieder zurück. Zum gestiegenen Gesamtumsatz trugen vor allem die höheren Inlandlieferungen bei. Die Fertigwarenlager blieben gegenüber dem Vorquartal mehrheitlich stabil; insgesamt resultierte aus den Antworten ein leicht positiver Saldo. Auch wenn in den meisten Branchen leichte Preiserhöhungen durchgesetzt werden konnten, hat sich die Ertragslage einzig in der Nahrungsmittel- und der Uhrenindustrie nochmals verbessert. Mehrheitlich hat sie sich aber infolge vermehrter Ausgaben für Personal und Investitionen sowie höherer Einkaufspreise nur stabilisiert oder sogar verschlechtert. Im Zeitraum April bis Juni haben beachtliche 23% der Firmen den Personalbestand erhöht, während ihn nur 15% reduziert haben. Damit blieb die Zahl der Beschäftigten bei den befragten Industriefirmen Ende Juni weiterhin über dem Vorjahreswert.

Leichte Auftriebstendenzen im dritten Quartal

Für das 3. Quartal wird sowohl bei den Inland- als auch bei den Auslandaufträgen mit leichten Auftriebstendenzen gerechnet. Immerhin 35% der an der UBS-Umfrage beteiligten Firmen erwarten ein höheres, nur 19% ein tieferes Produktionsvolumen. Der Arbeitsvorrat dürfte im Gesamttrend nochmals sinken. Die Umfrageteilnehmer rechnen ausserdem mit einer etwas dynamischeren Entwicklung des Binnen- und Exportumsatzes bei anhaltend steigenden Verkaufspreisen. Damit dürfte sich die Ertragslage insgesamt stabilisieren. Die Beschäftigungsaussichten trüben sich einzig in der Textil-, Maschinen-, Metall- sowie Holz- und Möbelindustrie ein. Insgesamt planen im Verlauf der nächsten drei Monate per Saldo nur noch 3% der befragten Industriebetriebe eine Personalaufstockung.

Mehrheitlich eingetrübtes Branchenbild

Alle Wirtschaftszweige sahen im 2. Quartal ihre Erwartungen enttäuscht und konstatierten mit Ausnahme der Sparten Nahrungsmittel, Uhren und Kunststoff eine deutliche Verlangsamung ihres Geschäftsgangs. Von zwei Ausnahmen abgesehen, blieb jedoch der Geschäftsgang in allen Branchen im positiven Bereich. Im Quervergleich führen die Nahrungsmittel- und die Uhrenindustrie das Feld klar an, gefolgt von der chemischen Industrie. Als einzige Branchen sahen sich die Wirtschaftszweige Textil und Druck/Grafik mit einem leichten Abschwung konfrontiert. Ausser der Uhren-, Maschinen- und Kunststoffindustrie rechnen in den kommenden drei Monaten alle Branchen mit einem im Vergleich zum Vorquartal besseren Geschäftsgang. Den insgesamt stärksten Verlauf erwartet wiederum die Nahrungsmittelindustrie vor der Chemie und der Uhrenindustrie, während die Sparten Kunststoff, Maschinen sowie Papier, Druck und Grafik am pessimistischsten sind.

UBS Schweiz
Division Privat- und Firmenkunden

UBS-Konjunkturindikator und Bruttoinlandprodukt
(Veränderung zur Vorjahresperiode in %)

Daten (in %):

Quellen: seco (BIP); UBS (Umfrage und Berechnungen)
*provisorische amtliche Zahlen

Wirtschaftsindikatoren Schweiz - Reale Veränderung gegenüber Vorjahr in %

Niveau*

1999

2000

2001P

2002P

Bruttoinlandprodukt

407,4

1,5

3,4

1,6

2,1

Privater Konsum

242,7

2,2

2,0

1,8

1,8

Staatlicher Konsum

57,7

-0,4

0,2

1,0

1,0

Investitionen

84,4

1,8

6,8

2,9

4,3

Bau

39,8

-5,3

2,7

2,0

2,2

Ausrüstungen

44,6

8,8

10,3

3,7

6,0

Exporte

183,9

5,9

9,5

3,6

6,2

Güter

140,3

4,4

8,9

3,7

6,2

Dienstleistungen

43,6

11,9

11,5

3,0

6,1

Importe

164,4

5,5

8,6

4,1

6,0

Güter

144,5

5,9

9,1

4,4

6,4

Dienstleistungen

19,9

2,7

4,7

2,0

3,1

Inflation

0,8

1,6

1,4

1,6

Arbeitslosenquote in %

2,7

2,0

1,8

2,0

Anzahl Arbeitslose in 1000

154

72

65

71

P:Prognose UBS Schweiz; *Jahr 2000 (in Mrd. CHF zu laufenden Preisen)

Zürich/Basel, 04. Juli 2001
UBS AG