Management von Umwelt- und Sozialrisiken

Management von Umwelt- und Sozialrisiken

Wir wenden einen robusten Risikorahmen für alle Transaktionen, Produkte, Dienstleistungen und Aktivitäten an, um Umwelt- und Sozialrisiken für unsere Kunden und unser Unternehmen zu identifizieren und zu steuern. Dieser wird durch unseren strengen Due Diligence-Prozess ergänzt, in dem Umwelt- und Sozialrisiken in Verbindung mit bestimmten Kunden, Lieferanten oder Transaktionen identifiziert und beurteilt werden. Wir sind entschlossen, keine Geschäftsbeziehungen mit Kunden oder Lieferanten einzugehen, deren Tätigkeit unserer Position zu kontroversen Aktivitäten zuwiderläuft. Dasselbe gilt für bestimmte Transaktionen. An bestimmten Aktivitäten beteiligen wir uns nur im Rahmen von strengen, vorab festgelegten Richtlinien. Dabei beurteilen wir jeweils den Einzelfall und wenden einen erweiterten Due Diligence- und Genehmigungsprozess an, bevor wir die endgültige Entscheidung treffen.

Wir wenden für alle Transaktionen, Produkte, Dienstleistungen und Aktivitäten einen Rahmen für Umwelt- und Sozialrisiken an, um mögliche nachteilige Auswirkungen auf die Umwelt und die Menschenrechte sowie damit verbundene Umwelt- und Sozialrisiken zu identifizieren und zu steuern, denen das Vermögen unserer Kunden und unser eigenes ausgesetzt sind. Unter Umwelt- und Sozialrisiken (einschliesslich Menschenrechte) versteht man im Allgemeinen die Gefahr von Reputationsschäden oder finanziellen Verlusten, die aus Transaktionen, Produkten, Dienstleistungen oder Aktivitäten (wie Kreditvergabe, Kapitalbeschaffung, Beratung oder Anlagen), in die eine Partei mit ökologisch oder sozial sensitiven Aktivitäten involviert ist, resultieren können.  Für Produkte, Dienstleistungen und Aktivitäten, die erhebliche potenzielle Umwelt- und Sozialrisiken aufweisen können, kommen Verfahren und Instrumente zur rechtzeitigen Identifizierung, Bewertung, Genehmigung und Überwachung solcher Risiken zum Einsatz, die in Standardverfahren für Risiko, Compliance und Betriebsvorgänge integriert werden:

  • Client Onboarding oder Unbedenklichkeitsfeststellung hinsichtlich Konflikten: Neue Geschäftskunden werden auf Umwelt- und Sozialrisiken hin überprüft, die mit ihren Geschäftsaktivitäten im Zusammenhang stehen.
  • Transaktionsspezifische Due Diligence: Vor Durchführung einer Transaktion werden - im Rahmen der Sorgfaltsprüfungen für Standardtransaktionen - Umwelt- und Sozialrisiken identifiziert und analysiert.
  • Produktentwicklung: Neue Finanzprodukte und -dienstleistungen werden vor ihrer Einführung auf Kompatibilität mit den Umwelt- und Menschenrechtsgrundsätzen von UBS geprüft.
  • Supply-Chain-Management: Bevor neue Verträge vergeben oder alte Verträge verlängert werden, erfolgen Standardkontrollen, um lieferanten- und rohstoffspezifische Risiken für Umwelt, Arbeits- und Menschenrechte zu bewerten.
  • Eigene Abläufe: Alle betrieblichen Aktivitäten und Mitarbeiter (beziehungsweise Auftragsnehmer an den UBS-Standorten) werden auf die Einhaltung der relevanten Umwelt- und Arbeitsschutz- sowie Arbeitsrechtbestimmungen hin überprüft.

Unsere Geschäfts- und Kontrollfunktionen sind für die Identifikation und Bewertung der mit Kunden, Lieferanten oder Transaktionen verbundenen Umwelt- und Sozialrisiken im Rahmen des entsprechenden Due Diligence-Prozesses verantwortlich. In Fällen, in denen diese Funktionen potenziell wesentliche Risiken identifizieren, weisen sie die Untersuchung der betreffenden Kunden, Lieferanten und Transaktionen einer speziellen Einheit für Umwelt- und Sozialrisiken zu, durch die eine erweiterte Due Diligence erfolgt. Um die konsistente Identifikation und Bewertung solcher Risiken zu unterstützen, bieten unsere internen Sektorrichtlinien einen Überblick über wichtige Umwelt- und Sozialthemen, die für die verschiedenen Lebenszyklen des Sektors relevant sind, und fassen die Branchenstandards für den Umgang mit diesen Themen zusammen. Diese Richtlinien decken derzeit sechs Branchen ab: Chemie, Forstwirtschaft und Biotreibstoffe, Infrastruktur, Bergbau und Gewinnung von Metallen, Erdöl und Gas sowie Versorgung. Sollten identifizierte Risiken potenziell erhebliche Umwelt- oder Sozialrisiken darstellen, werden sie je nach ihrer Wesentlichkeit zur Genehmigung an das Senior Management des Unternehmensbereichs, der Region oder des Konzerns eskaliert.

Diese Position legt alle Aktivitäten fest, an denen wir uns nicht beteiligen. So werden wir nicht wissentlich Finanzdienstleistungen Firmenkunden anbieten oder Waren und Dienstleistungen von Lieferanten beziehen, bei denen die Verwendung der Erlöse, die primäre Geschäftstätigkeit oder die Akquisitionsziele Umwelt- und Sozialrisiken beinhalten. Diese Risiken werden wie folgt definiert:

Rohstoffindustrien, Grossinfrastrukturprojekte sowie Tätigkeiten in der Forst- und Plantagenwirtschaft, bei denen Gefahr besteht für oder durch:

Erhalt von Wäldern mit hohem Schutzwert, wie in den sechs Kategorien des Forest Stewardship Council (FSC) definiert

unkontrollierte und / oder illegale Brandrodung zur Landgewinnung

illegale Abholzung, einschliesslich Kauf von illegal geschlagenem Holz (Baumstämme oder andere Rundhölzer)

Feuchtgebiete und -biotope, wie in der Ramsar-Konvention (Übereinkommen über Feuchtgebiete, insbesondere als Lebensraum für Wasser- und Watvögel, von internationaler Bedeutung) aufgeführt

Sämtliche Geschäftstätigkeiten, die:

mit Kinderarbeit gemäss den Konventionen 138 (Mindestalter) und 182 (Schlimmste Formen) der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) verbunden sind,

die mit Zwangsarbeit gemäss Konvention 29 der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) verbunden sind,

die Rechte indigener Völker gemäss dem Leistungsstandard 7 der Internationalen Finanz-Corporation (IFC) bedrohen,

mit dem Abbau und Handel von Rohdiamanten verbunden sind,
es sei denn, sie sind Kimberley Process-zertifiziert.

Auf Bereiche, in denen wir nur im Rahmen strenger, vorab festgelegter Richtlinien Finanzdienstleistungen erbringen, wird ein erweiterter Due Diligence-Prozess angewendet. Zu diesen Bereichen zählen

Palmölproduktion: Kunden müssen angesehene Mitglieder des Runden Tisches für nachhaltiges Palmöl (Roundtable on Sustainable Palm Oil) sein und sich aktiv um eine Ausweitung der Zertifizierung ihrer Palmölproduktion bemühen.

MTR-Tagebergbau (Mountaintop Removal) zum Abbau von Kohle (lesen Sie die UBS-Erklärung zu MTR (Mountaintop Removal Coal Mining)

Hydraulic Fracturing als Explorations- oder Extraktionsmethode für Erdöl und Gas sowie für Exploration

Erschliessung von Ölsanden

Die erweiterte Due Diligence beinhaltet auch eine Bewertung der Einhaltung regulatorischer Bestimmungen, der Umweltbilanz in Vergangenheit und Gegenwart sowie Bedenken von Anspruchsgruppen.

Kunden, Lieferanten und Transaktionen, die potenziell gegen die Position von UBS verstossen oder anderweitig Gegenstand signifikanter Umwelt- oder Menschenrechtskontroversen sind, werden im Zuge des «Know Your Client»-Prozesses identifiziert. Eine erweiterte Datenanalyse für Unternehmen, die mit solchen Risiken in Verbindung gebracht werden, ist in dem webbasierten Compliance-Tool integriert, das unsere Mitarbeiter nutzen, bevor sie eine Kunden- oder Lieferantenbeziehung eingehen oder eine Transaktion ausführen. Dank des systematischen Charakters dieses Tools können wir potenzielle Reputationsrisiken deutlich besser identifizieren. Der Anstieg in der Zahl der Fälle, die 2013 zur Bewertung an unsere Einheiten für Umwelt- und Sozialrisiken weitergeleitet wurden, erklärt sich aus der grösseren Reichweite bei der Anwendung dieses Prozesses.

Eskalationsprozess von Umwelt- und Sozialrisiken

Eskalationsprozess bei Umwelt- und Sozialrisiken

Abklärung von Umwelt- und Sozialrisiken

Abklärung von Umwelt- und Sozialrisiken
 

 

Für das Geschäftsjahr endend am  

Veränderung in %

 

GRI 1 31.12.13 31.12.12 31.12.11 31.12.12
Zur Prüfung weitergeleitete Fälle2 FS2 1,716 1,039 416 65
nach Region          
Amerika FS2 367 288 111 27
Asien Pazifik FS2 296 222 136 33
Europa, Mittlerer Osten und Afrika FS2 373 225 119 66
Schweiz FS2 680 304 50 124
nach Business Division          
Wealth Management FS2 298 157 59 90
Wealth Management Americas FS2 46 5 5 820
Retail & Corporate FS2 598 223 22 168
Global Asset Management FS2 14 12 n/a 17
Investment Bank 3 FS2 657 533 330 23
Corporate Center FS2 103 109 n/a (6)
nach Sektor          
Metalle und Bergbau FS2 418 217 n/a 93
Öl und Gas FS2 239 136 n/a 76
Agrarindustrie 4 FS2 155 45 n/a 244
Versorgungswirtschaft (Energie, Wasser, Abfall)
FS2 95 38 n/a 150
Chemie FS2 67 29 n/a 131
Infrastruktur 5 FS2 51 15 n/a 240
Andere FS2 691 559 n/a 24
nach Beurteilung          
angenommen 6 FS2 1,462 812 n/a 80
angenommen unter Vorbehalt 7 FS2/FS3 196 171 n/a 15
abgelehnt oder nicht weiterverfolgt 8 FS2 42 56 n/a (25)
hängig 9 FS2 16 0 n/a n/a

1 Global Reporting Initiative (siehe www.globalreporting.org). FS steht für Performance Indicators, wie sie im GRI Financial Services Sector Supplement definiert sind.
2 Transaktionen und Onboardinganfragen, die an die Abteilung für die Bewertung von Umwelt- und Sozialrisiken eskaliert wurden.
3 Bezieht sich auf die Beschaffung von Produkten und Dienstleistungen.
4 Beinhaltet seit 2013 z.B. waldwirtschaftliche Produkte, Biotreibstoffe, Getränke und Lebensmittel.
5 Beinhalten z.B. Finanzsektor, Luftfahrt und Verteidigung, Telecom, Technologie.
6 Kunde / Transaktion / Anbieter wurde auf Umwelt- und Sozialrisiken geprüft und als konform mit dem UBS Framework beurteilt.
7 Kunde / Transaktion / Anbieter wurde auf Umwelt- und Sozialrisiken geprüft und unter Vorbehalt angenommen. Vorbehalte können Ausschluss bestimmter Projekte, Bedingungen gegenüber Kunde / Anbieter oder interne Empfehlungen beinhalten.
8 Kunde / Transaktion / Anbieter wurde auf Umwelt- und Sozialrisiken geprüft und wurde abgelehnt oder nicht weiterverfolgt.
9 Entscheidung hängig.

Infolge der Ratifizierung des Übereinkommens über Streumunition und der darauf folgenden Gesetzesänderungen in der Schweiz hat UBS ihre Weisungen und Richtlinien zu umstrittenen Waffen geändert.

Die betreffenden Weisungen und Richtlinien von UBS stehen mit dem überarbeiteten «Bundesgesetz über das Kriegsmaterial (KMG)» im Einklang. UBS finanziert weder direkt noch indirekt die Entwicklung, Herstellung oder den Kauf umstrittener Waffen durch Unternehmen, die dem Gesetz zuwiderhandeln.

Bei allen Geschäften mit potenziell betroffenen Unternehmen sind die jeweiligen Transaktionen und die Wahrscheinlichkeit, dass diese zur Umgehung der oben genannten Finanzierungsbestimmung verwendet werden könnten, im Einzelfall zu beurteilen. Geschäfte mit potenziell betroffenen Unternehmen erfordern die vorherige Genehmigung der Sanctions Compliance-Abteilung von UBS.

UBS zieht zur Beurteilung der Frage, ob ein Unternehmen den im Schweizer Recht festgelegten Beschränkungen unterliegt, externe Fachexperten zu Rate.

Zum Thema Streumunition und Antipersonenminen:

  • UBS räumt Unternehmen, die an der Entwicklung, Herstellung oder am Kauf von Streumunition und Antipersonenminen beteiligt sind, keine Kreditfazilitäten ein und führt für sie keine Kapitalmarkttransaktionen durch.
  • Die Wertpapiere betroffener Unternehmen dürfen nicht in aktiv verwaltete Fonds für Privat- und institutionelle Anleger und Vermögensverwaltungsmandate aufgenommen werden.

UBS wurde von einem in Schwarzafrika tätigen Bergbauunternehmen kontaktiert. Die Bergbauindustrie wird häufig mit schweren Umweltbelastungen in Verbindung gebracht. Unter anderem wird sie für den Rückgang der Artenvielfalt und die Umweltverschmutzung verantwortlich gemacht, ebenso wie für soziale Missstände wie Zwangsumsiedlungen, schlechte Arbeitsbedingungen oder Kinderarbeit. Das Unternehmen wurde von den Medien scharf kritisiert. Ihm wurde vorgeworfen, dass es Rohstoffe indirekt über kleingewerbliche Bergleute beschaffe, darunter Kinder, die ohne Sicherheitsausrüstungen arbeiten.

Die Branchenrichtlinie von UBS über Metalle und Bergbau bietet Orientierungshilfen für den Umgang mit den ökologischen und sozialen Fragen der Branche. Sollten während des Due Diligence-Prozesses erhebliche Risiken identifiziert werden, müssen sie zur Genehmigung an das Senior Management eskaliert werden. In der Position von UBS zu kontroversen Aktivitäten ist festgehalten, dass UBS wissentlich keine Finanzdienstleistungen für Firmenkunden erbringen darf, die Kinderarbeit einsetzen. UBS setzte das Unternehmen von diesen Anforderungen in Kenntnis und besprach die Vorwürfe mit den verantwortlichen Führungskräften. Das Unternehmen gab Einblicke in seinen Supply-Chain-Prozess, um zu gewährleisten, dass seine Lieferanten unter anderem die Standards der ILO zu Kinderarbeit und Arbeitsschutz einhielten. Angesichts der schweren Vorwürfe in den Medien einerseits und der Reaktion des Unternehmens andererseits entschloss sich UBS, einen unabhängigen Dritten mit der Beurteilung der Umsetzung Supply-Chain-Prozesses im Unternehmen zu beauftragen.

Der unabhängige Dritte bestätigte die Angaben des Unternehmens und belegte glaubhaft, dass die Lieferkette des Unternehmens den Standards von UBS entsprach. Die Genehmigung wurde unter Festlegung bestimmter Bedingungen erteilt. UBS konnte das Unternehmen infolgedessen überwachen und von ihren Verpflichtungen zurücktreten, falls in Zukunft ähnliche Vorwürfe erhoben würden und das Unternehmen sie nicht widerlegen könnte.