Vorwärts zur Natur

Schweizer Bauexperten setzen auf Holz – und tüfteln an neuen nachhaltigen Materialien.

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22.07.2014, Jürg Zulliger (Text) und Anja Schori (Fotos)

Beginnen wir mit einem Baustoff, der in der Schweiz reichlich vorhanden ist: Holz. Lange dachte man bei diesem Stichwort an eine Heidi-Welt – an eine traditionelle Dorfszenerie mit malerischen Chalets, Bauernhäusern und Speichern. Dabei halten viele Fachleute Holz für einen Hightechbaustoff mit erspriesslicher Zukunft. Denn Forschungen zeigen: Holzhäuser halten einem Brand genauso gut stand wie konventionelle Gebäude aus Beton oder Backsteinen.

Stararchitekten setzen auf Holz

Lange war Holz auf kleinere Gebäude und Einfamilienhäuser beschränkt. Doch vor zehn Jahren haben die Behörden die Brandschutzvorschriften angepasst. Inzwischen sind in der Schweiz Mehrfamilienhäuser mit bis zu sechs Geschossen sowie Büro-, Industrie- und Gewerbebauten aus Holz möglich. Renommierte Architekten wie Herzog & de Meuron und Peter Zumthor entwerfen spektakuläre Gebäude aus Holz. Mitten in Zürich hat der japanische Stararchitekt Shigeru Ban für das Verlagshaus Tamedia einen siebengeschossigen Holzbau errichtet. In St. Moritz macht die Chesa Futura – zu Deutsch «Zukunftshaus» – ihrem Namen alle Ehre: ein Appartementhaus des Stararchitekten Lord Norman Foster. Charakteristisch ist die Rundform der Chesa Futura, verkleidet mit 250 000 handgefertigten Holzschindeln. Die Genossenschaft Gesewo hat in Oberwinterthur das europaweit grösste Holzwohnhaus erbaut. Das «Mehrgenerationenhaus » mit seinen 155 Wohnungen gilt ökologisch, architektonisch und sozial als vorbildlich.

Für Michael Meuter vom Branchenverband Lignum der Holzwirtschaft ist klar: «Holz wird den Wohnungsbau in der Schweiz fundamental verändern.» Heute stehen Baufirmen alle Optionen offen, neue Mietwohnungen in Holz oder in Mischbauweise (Kombination mit Materialien wie Beton oder Stahl) zu verwirklichen. Wegen seiner Leichtigkeit und Flexibilität spielt Holz eine Schlüsselrolle, um bei bestehenden Gebäuden Aufstockungen oder Anbauten effizient vorzunehmen – und ist zudem aus nachhaltiger Forstwirtschaft vor Ort verfügbar.

CO2 sparen, Ökobilanz aufbessern

Das Thema Holz inspiriert Architekten und Forscher auf der ganzen Welt. Das angesehene Architekturbüro SOM aus Chicago schlug kürzlich ein neues Hochhaus mit bis zu 42 Geschossen vor, das zu einem wesentlichen Teil aus Holz konstruiert werden soll. Hauptargument: Die Herstellung benötigt deutlich weniger Energie als Stahl- oder Betonbauten. Holz schneidet in Sachen CO2-Fussabdruck erheblich besser ab als andere Materialien.

Firmen in der Schweiz und in Österreich profitieren von weiteren Vorzügen: Holz muss nicht wie Beton vor Ort gegossen und verarbeitet werden, sondern eignet sich hervorragend zur industriellen Vorfertigung in geschützten Werkhallen. Dank modernster Technik weisen die entsprechenden Elemente eine sehr hohe Präzision und Qualität auf.

Der sogenannte Holzrahmenbau ist besonders für Niedrigenergiehäuser geeignet, weil sich die Wärmedämmung relativ einfach in der gleichen Ebene wie die tragende Struktur anbringen lässt. Wie weit man mit dem Bauen nach System und dem Material Holz kommt, belegen Architekten im österreichischen Vorarlberg. Der neue Life Cycle Tower in Dornbirn wurde in Mischbauweise erstellt und besteht vor allem aus modular zusammengebauten Einzelteilen. Das Objekt ist acht Geschosse hoch und soll die CO2-Bilanz um 90 Prozent verbessern.

Beton, Aerogel & Co.

Dennoch werden konventionelle Gebäude – etwa Einfamilienhäuser – bis jetzt überwiegend in Massivbauweise, sprich Beton, erstellt. Fundament und Untergeschoss, meist auch die tragenden Zwischenwände sind aus Beton gefertigt. Der Baustoff ist sehr robust und wohl deshalb weltweit die Nummer eins. Und was Innovationen betrifft, schläft auch die Betonindustrie nicht: Neue Zusammensetzungen verbessern die Ökobilanz in der Herstellung von Beton deutlich. Mit gewissen Zusatzstoffen lässt sich Beton heute auch während der Wintermonate auf der Baustelle verarbeiten, was die Produktivität des Baugewerbes erhöht.

«Wenn wir die Ökobilanz landesweit verbessern wollen, müssen wir aber auch beim Gebäudebestand ansetzen», erklärt Peter Richner, Departementleiter der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt Empa. Seit 2013 ist zum Beispiel ein neuer Wärmedämmputz auf der Basis von Aerogel auf dem Markt. Das Material lässt sich einfach auf die Fassade eines Gebäudes aufspritzen. Extrem kleine Poren machen es zu einem ausgezeichneten Wärmeisolator. Den neuartigen Wärmedämmputz hat die Empa in Zusammenarbeit mit einem Industriepartner entwickelt. «Die Anwendung auf dem Bau ist schon jetzt möglich», betont Peter Richner. «Noch sind die Herstellungskosten von Aerogel zwar relativ hoch, doch in den nächsten Jahren dürften sie sinken.»

Fotovoltaikweltrekord aus der Schweiz

Weiter hat die Empa neue Fotovoltaikpanels entwickelt, die mit einer Effizienz von 20,4 Prozent einen neuen Weltrekord erreichen. Im Energiebereich ist der Fortschritt nicht aufzuhalten. Moderne Wärmepumpen, die mit wenig Strom Energie aus Wasser, Luft oder aus Erdwärme schöpfen, arbeiten ebenfalls immer effizienter. Fotovoltaikpanels sind auf dem Weltmarkt zu immer günstigeren Preisen erhältlich. Und auch die Bohrungen für Erdsonden, die für den Betrieb der Wärmepumpen nötig sind, wurden in den letzten Jahren erschwinglicher.

Es gibt viele weitere Beispiele: Die Industrie lanciert neuartige Mauersteine und Betonelemente, die bereits einen Dämmstoff integriert haben. Solche Baumaterialien sind essenziell, um die Dauerhaftigkeit des Materials und die Senkung von Wärmeverlusten im Winter voranzubringen. Die Materialforschung leistet somit einen entscheidenden Beitrag in Richtung 2000-Watt-Gesellschaft: Schon in wenigen Jahren wird es Gebäude geben, die vor Ort gleich viel Energie erzeugen, wie ihnen von aussen für den Betrieb von Wärmepumpen, Haustechnik und sonstigen Geräten zugeführt werden muss.


Marktstand  

Preisanstieg lässt nach

Die Wachstumsdynamik der Transaktionspreise für Eigentumswohnungen lässt nach. Im 1. Quartal 2014 sind sie im Jahresvergleich um 2,3 Prozent gestiegen, was der tiefsten Wachstumsrate seit über 10 Jahren entspricht. Während die Preise in der teuersten Region – dem Genfersee – im Jahresvergleich stagnierten, haben sich die Transaktions-preise in der Ostschweiz um 6,6 Prozent und in der Innerschweiz um 4,5 Prozent erhöht. Bern, die Region mit den bisher geringsten Preiserhöhungen, verzeichnet einen Preisanstieg von gerade einmal 0,9 Prozent. Die derzeit diskutierte Verschärfung der Selbstregulierung und die Unsicherheit über die Entwicklung der Zuwanderung aufgrund der Masseneinwanderungsinitiative könnten die Trendwende bei der Preisentwicklung einleiten.

Wachstumsrate 2013, 4. Quartal, in Prozent
(Vergleich zum Vorjahr) 


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