Herausforderung Renovation

Stararchitektin Tilla Theus lässt alte Gebäude in neuem Glanz erstrahlen. Ihre Erfahrungen.

23.04.2013, Jürg Zulliger (Text), Gerry Amstutz (Bild)

Frau Theus, in der Schweiz schiessen Neubauten wie Pilze aus dem Boden. Wie beurteilen Sie diese Veränderung?
Tilla Theus: Das Bevölkerungswachstum und der Wunsch nach immer mehr Wohnfläche leisten der «Zerhäuselung» Vorschub. Ich halte den Gegentrend, «verdichtetes Bauen», für richtig. Denn der Boden in der Schweiz ist knapp. Zwar gibt es vielerorts Einfamilienhauszonen wie in den USA. Aber diese können wir uns nicht mehr leisten. In vielen Städten sehen wir heute ermutigende Beispiele für Verdichtung. Nötig sind intelligente Lösungen, die verdichtetes Bauen und individuelles Wohnen kombinieren.

Wann ist eine Verdichtung gelungen?
Das muss jeder für sich selbst beantworten. Wer durch eine Stadt fährt, erkennt rasch, ob sie Lebensqualität bietet. Neue Quartiere sollten sowohl fürs Wohnen als auch fürs Arbeiten, Einkaufen und Ausgehen, für den Rückzug wie auch für Begegnungen geplant werden. Bis aus dem Zusammenspiel dieser Funktionen Lebensqualität entsteht, dauert es. Unsere Kernstädte entwickelten ihre Urbanität und ihren identitätsstiftenden Charakter nicht von heute auf morgen.

Für welche älteren Gebäude lohnt sich die Erhaltung, für welche nicht?
Bei einem Quartier handelt es sich um einen lebendigen Organismus. Jeder einzelne bauliche Eingriff wirkt sich auf die nähere oder gar weitere Umgebung aus. Er kann für das Quartier vitalisierend oder tödlich sein. Nur aus dem sorgfältig analysierten Zusammenhang heraus darf über Abbruch, Neu- oder Umbau entschieden werden.

Sie haben zahlreiche Gebäude renoviert. Wie gehen Sie dabei vor?
Am Anfang begeben sich mein Team und ich wie Detektive auf Recherche im Gebäude. Wir erfassen und ergründen es und erkennen, welche Veränderungen es erlaubt. Das Neue liegt im Alten. Man muss es nur entdecken. Bei dieser sensiblen Entwicklung aus dem Bestehenden sind kühne Lösungen möglich.

Gibt es verunglückte Sanierungen?
Oh ja, die Sündenliste ist lang. Ursachen sind Unverständnis gegenüber Altbauten und oft auch massloses Renditedenken, etwa eine zu grosse Ausnützung auf einem Areal zulasten der Qualität. Oder der Bauherr spart das Geld für eine gute Umgebungsgestaltung. Der Mix solcher Faktoren garantiert das Misslingen.

Was macht gute Architektur aus?
Davon spreche ich, wenn der Bau zur Umgebung passt, Material und Proportionen spannend komponiert wurden, innen und aussen eine Atmosphäre spürbar wird und die Benutzer sich wohlfühlen. Architektur darf herausfordern und eine Angewöhnung verlangen. Qualität erkennt man erst mit der Zeit. Architektur ist Liebe auf den zweiten Blick.

Oft heisst es, Altbauten seien energetisch unzureichend. Stimmt das?
Wer bloss auf die Energie schaut, übersieht die Qualitäten alter Häuser mit ihrer Wohnbehaglichkeit. Ein dickes konventionelles Mauerwerk kann zu dieser Qualität mehr beitragen als eine dünne hochgedämmte und mehrschichtige Konstruktion. Ein altes Haus mit seiner einzigartigen Atmosphäre bietet ein besonderes Wohnerlebnis.

Ist die Sanierung von Altbauten teuer?
Bei jedem Bau bestimmen die Ansprüche die Kosten. Sie steigen mit einer exzessiven Perfektion und einer überlangen Wunschliste.

Wie lassen sich die Kosten senken?
Mit vernünftigen Anforderungen können Sie jede Menge Geld sparen! Bei Altbauten lässt es sich zum Beispiel kaum vermeiden, dass an den Wänden im Winter eine kühle Abstrahlung spürbar ist. Das Innenraumklima ist in einem Altbau dennoch oft gesünder als in vielen Neubauten. Wer in einem alten Gebäude die gleichen Ansprüche wie in einem Neubau umsetzen will, lässt besser die Finger davon.

Was ist Ihr eigener Wohntraum?
In jeder Phase habe ich «traumgerecht» wohnen können. Überall, wo ich lebe und arbeite, habe ich vier, fünf oder neun Meter lange Tische. Sie bilden für mich das Zentrum. Jetzt wohne ich in einem Haus am See, das meinem Mann und mir Rückzugsmöglichkeiten bietet - und sich bei Bedarf gastfreundlich öffnet.

Tilla Theus im von ihr renovierten Gran Café Motta in Zürich. Zu ihren Projekten gehören auch der FIFA- Sitz oder die Ausstattung der Swissair-Flieger. 


Marktstand

Häuser bleiben gefragt

Die Angebotspreise für Einfamilienhäuser sind auch im vierten Quartal 2012 stark gestiegen. Das Wachstum von 1,5 Prozent gegenüber dem Vorquartal lag über dem langjährigen Durchschnitt der Quartalsveränderungen von 0,5 Prozent. Die Preissteigerung über das Gesamtjahr 2012 war mit 4 Prozent jedoch bloss durchschnittlich. Während die Preise in der Innerschweiz beispielsweise um stolze 12 Prozent zulegten, zogen sie in der Südschweiz und in Bern nur um 1 Prozent an. 2013 dürften Einfamilienhäuser dank günstiger Finanzierungsbedingungen gefragt bleiben. UBS rechnet aber mit einem Preisanstieg von nur 2,5 Prozent.


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