«Marktumfeld bleibt interessant»

Vincent Duval, Manager der UBS Suisse Funds, erklärt, wie sich die Masseneinwanderungsinitiative auf die Schweizer Wirtschaft auswirken könnte und wo weiterhin interessante Anlagemöglichkeiten zu finden sind – wenn man bereit ist, gewisse Risiken einzugehen.

23.04.2014, Interview: Stephan Lehmann-Maldonado
 

Herr Duval, das Schweizer Stimmvolk hat die Masseneinwanderungsinitiative angenommen. Geraten die hiesigen Finanzmärkte und die Firmen künftig unter Druck?
Vincent Duval: Derzeit ist es schwierig, die langfristigen Auswirkungen abzuschätzen. Diese hängen massgeblich davon ab, wie die Initiative umgesetzt wird. Bundesrat und Regierung haben hierzu drei Jahre lang Zeit. Gelingt es, eine pragmatische Lösung zu finden, die die Bedürfnisse der Wirtschaft berücksichtigt, könnten Nachteile für Schweizer Unternehmen verhindert werden. Sollte allerdings die EU – infolge einer neuen Aushandlung der bilateralen Verträge – unseren Zugang zum europäischen Markt begrenzen, träfe dies unsere Exportunternehmen sehr hart. Dies würde nicht nur Wirtschaftswachstum und Arbeitsplätze belasten, sondern auch Schweizer Aktien und den Franken. Allerdings wurden die offiziellen Wachstumsprognosen für die Schweizer Wirtschaft im Jahr 2015 bisher nicht nach unten angepasst.

Seit über zwei Jahren bescheren uns die UBS Suisse Anlagefonds ansehnliche Renditen. Geht es weiterhin aufwärts oder steht uns eine Korrektur bevor?
Insgesamt bleibt das Marktumfeld interessant für Anleger, die bereit sind, gewisse Risiken einzugehen. Die Weltwirtschaft dürfte in diesem Jahr stärker wachsen als 2013 und die exportorientierte Schweizer Industrie beflügeln. Erfreulich ist zudem, dass die Eurozone auf den Wachstumspfad zurückgekehrt ist. Aktien weisen zwar nach wie vor eine attraktive Bewertung auf, sind jedoch in den letzten Jahren bereits stark gestiegen. Ihr Aufwärtspotenzial schätzen wir in diesem Jahr auf unter 10 Prozent. Ausserdem sollten wir mit erhöhten Marktschwankungen rechnen, wie die Ereignisse in der Ukraine verdeutlichen.

Die amerikanische Notenbank Fed will ihr Anleihenkaufprogramm erneut um 10 Milliarden Dollar reduzieren, also auf 55 Milliarden Dollar pro Monat. Wie wirkt sich das auf den Anleihenanteil im Anlagefonds UBS Suisse aus?
Die Anleihen in den UBS Suisse Anlagefonds generierten über die letzten 12 Monate eine sehr tiefe Rendite − je nach Segment sogar leicht negativ. Als die Fed im Mai 2013 erste Gespräche zur Drosselung des Anleihenkaufprogramms führte, reagierten die Märkte mit deutlichen Zinserhöhungen. Als dann im Dezember der erste Schritt erfolgte, überraschte dies niemanden mehr – die Märkte hatten dies bereits antizipiert. Auch bei künftigen monatlichen Schritten zur Drosselung des Stimulus um jeweils 10 Milliarden erwarten wir keine starke Reaktion der Märkte. Wir gehen davon aus, dass die Zinsen in den nächsten Jahren nicht kurzfristig hochschnellen, sondern langsam und graduell ansteigen. Bei qualitativ hochwertigen Anleihen rechnen wir daher mit schwächeren oder sogar negativen Renditen. Dennoch macht es Sinn, erstklassige Anleihen in einem Portfolio zu halten. Sie tragen zur Diversifikation und zur Stabilität des Portfolios bei, was vor allem bei Marktturbulenzen besonders geschätzt wird.

Momentan investieren Sie ungefähr 10 Prozent in Schweizer Immobilienwerte – obgleich oft von den Risiken im Immobilienmarkt gesprochen wird. Wie wird sich der Sektor entwickeln?
Grundsätzlich sind Immobilien eine relativ sichere Anlage. So profitierten sie etwa von den jüngsten Turbulenzen an den Finanzmärkten. Hinzu kommt, dass wir in Schweizer Immobilienfonds investieren, die breit diversifizieren: nach Regionen, Geschäfts- und Wohnimmobilien. Ausserdem bieten sie eine Ausschüttungsrendite von rund 3,2 Prozent, also mehr als Anleihen in Schweizer Franken. Die Annahme der Masseneinwanderungsinitiative sowie die hohen Bewertungen stellen für den Immobilienmarkt jedoch ein potenzielles Risiko dar. Wir bleiben daher vorsichtig und verfolgen die Entwicklungen genau.

Was bedeutet es für Sie als Schweizer, hohe Beträge in vertraute Schweizer Unternehmen zu investieren?
An erster Stelle steht für mich die Verantwortung. Denn ich investiere das Geld, das uns Kunden anvertraut haben. Umso mehr freut es mich, dass ich mit Investitionen in Schweizer Unternehmen bisher erfreuliche Renditen erzielen konnte. Das verdeutlicht, dass die Schweiz als Hort der Stabilität und Solidität attraktive Anlagemöglichkeiten bietet. Zudem behaupten sich unsere Unternehmen weltweit sehr erfolgreich. Beispielsweise generiert Nestlé 98 Prozent seines Umsatzes im Ausland. Wer in solide Schweizer Unternehmen investiert, partizipiert also auch an der Entwicklung der Weltwirtschaft.

Vincent Duval ist Manager der UBS Suisse Funds.