Für jedes Szenario vorsorgen

Das Schweizer Vorsorgesystem gilt als Erfolgsmodell. Doch einige Trends setzen ihm zu. Sind Sie dafür schon gewappnet?

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22.01.2013, Nils Aggett (Text) und Raffinerie (Bild)

Langes Leben.
Wir werden immer älter: Wer heute das Alter 65 erreicht, darf mit weiteren 19 (Männer) respektive 22 Lebensjahren (Frauen) rechnen. Das ist erfreulich, kann aber das Portemonnaie strapazieren. Denn die meisten Leute geben im Alter gleich viel aus wie während der Erwerbstätigkeit. Doch die AHV und der obligatorische Pensionskassenteil decken nur rund 60 Prozent des letzten Lohns ab. Um keinen Liquiditätsengpass zu riskieren, ist also Eigeninitiative nötig. Je früher man beginnt, ein Budget zu erstellen und Sparziele festzulegen, desto mehr vergrössert sich der Gestaltungsspielraum in der dritten Lebensphase.

Mehr Rentner.
1948, als die AHV eingeführt wurde, zählte man 6,5 Erwerbstätige pro Rentner. Heute arbeiten 3,7 für einen. Die Prognose: Bis 2060 dürften in der Schweiz einem Rentner nur noch 1,8 Erwerbstätige gegenüberstehen. AHV und Pensionskassen geraten unter Druck (obgleich sich das Problem durch die Einwanderung entschärfen könnte). Was lässt sich tun? Einfach ist es, im Rahmen der Säule 3a (UBS Fisca) zu sparen. Personen mit Pensionskasse dürfen maximal 6739 Franken pro Jahr einzahlen. Das lohnt sich oft allein schon deshalb, weil man diesen Betrag vom steuerbaren Einkommen abziehen darf.

Kränkelnde Pensionskassen.
Vergleicht man, wie weit die Verpflichtungen der Pensionskassen durch Kapitalanlagen gedeckt sind, ergibt sich eine beunruhigende Diagnose: Zwei Drittel der öffentlich- rechtlichen Pensionskassen und 20 Prozent der privaten Kassen leiden an einer Unterdeckung (Stand: Mitte 2012). Demnach sind die Rentenversprechen nicht voll gedeckt. Sanierungen gelten aufgrund der Pflichtverzinsung, der schwachen Börsen und der gesamtwirtschaftlichen Situation jedoch als schwierig. Weist eine Pensionskasse eine erhebliche Unterdeckung auf, fragt es sich, ob man weitere Gelder einzahlen sollte. Prüfen Sie vor einem Stellenwechsel jedenfalls die Gesundheit der Pensionskasse des neuen Arbeitgebers.

Tiefe Renditen.
2265 Schweizer Pensionskassen verwalten gesamthaft 600 Milliarden Franken. Weil die Börsen seit Längerem verrückt spielen, erwirtschaften aber die meisten Kassen nur noch mässige Renditen. Da erstaunt es nicht, dass der Bundesrat die gesetzliche Mindestverzinsung für Pensionskassen mehrmals gekürzt hat: von 4 auf 1,5 Prozent. Daher macht es Sinn, sogar über die Säule 3a hinaus zu sparen.

Politikum Umwandlungssatz.
Wie hoch die Rente aus der Pensionskasse ausfällt, bestimmt der Umwandlungssatz. Schrittweise wird er bis 2014 auf 6,8 Prozent gesenkt.

100 000 Franken Kapital ergeben beim Mindestsatz von 6,8 Prozent eine Jahresrente von 6800 Franken. Solche Renten können sich Pensionskassen im Grunde nicht mehr leisten. Um sie dennoch auszuzahlen, greifen die Kassenwarte in die Reserven. Mit anderen Worten: Die aktive Generation subventioniert die ältere. Trotzdem hat das Schweizer Stimmvolk die Senkung des BVG-Mindestumwandlungssatzes auf 6,4 Prozent an der Urne verworfen. Um das finanzielle Gleichgewicht wiederherzustellen, braucht es einen politischen Entscheid.


Der Autor

Nils Aggett ist verantwortlich für den Bereich Pension Services und leitet die Vorsorgeinitiative bei UBS.


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