Ein Herz, zwei Kassen

Wenn Paare heiraten, sollten sie nicht nur über Gefühle, sondern auch über Geld reden.

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23.04.2014, Nils Aggett (Text) und Raffinerie (Bild)

Mein Freund (38) und ich (34) wollen heiraten. Oft habe ich gehört, ein Ehevertrag sei sinnvoll, weil über 40 Prozent der Ehen in der Schweiz geschieden werden. Empfehlen Sie uns einen solchen, obwohl wir uns unserer Liebe absolut sicher sind? Und was sollten wir bezüglich Vorsorge und Finanzen beachten?

Carla A., Bellinzona

Sehr geehrte Frau A.
Herzliche Gratulation! Auch dazu, dass Sie trotz Schmetterlingen im Bauch schon an wichtige finanzielle Aspekte denken. Ihre Frage zum Ehevertrag ist komplex. Was geschieht, wenn es wider Erwarten zu einer Scheidung kommt und Sie ohne Ehevertrag dastehen?

Das Vermögen, das Sie in die Ehe eingebracht und während der Ehe geerbt haben («Eigengut»), bleibt Ihnen. Und das Eigengut Ihres Partners bleibt ihm. Das gemeinsam während Ihrer Ehe erwirtschaftete Vermögen wird bei einer Scheidung jedoch hälftig geteilt – auch wenn Sie beide unterschiedlich dazu beigetragen haben. Dieses Prinzip nennt sich Errungenschaftsbeteiligung und gilt als ordentlicher Güterstand, falls keine andere Vereinbarung getroffen wird.

Individuelle Regelung
Mit einem Ehevertrag können Sie die Weichen anders stellen. Entweder können Sie eine Gütergemeinschaft oder die Gütertrennung festlegen. Bei einer Gütergemeinschaft wird alles Vermögen – auch das in die Ehe eingebrachte – zusammengelegt und im Fall einer Scheidung halbiert. Es lassen sich allerdings einzelne Güter wie eine Immobilie von der Gütergemeinschaft ausnehmen. Wenn Sie sich auf eine Gütertrennung einigen, bleiben Ihre Vermögen vor und während der Ehe voneinander getrennt. Das vereinfacht es, das Vermögen zu teilen, falls die Ehe zerbrechen sollte.

Mit einem Testament können Sie zudem Ihren Partner beim Nachlassvermögen besserstellen. So lässt es sich regeln, dass der überlebende Partner möglichst viel Vermögen aus der Ehe erhält. Dann muss dieser beispielsweise nicht eine während der Ehe gebaute Immobilie verkaufen, um die anderen Erben auszuzahlen.

Die Pfl ichtteile aus dem Nachlassvermögen (etwa für Kinder) bleiben jedoch gewahrt. Es sei denn, die gesetzlichen Erben stimmen einer anderen Aufteilung zu. Ohne Ehevertrag und Testament wird der Anteil des verstorbenen Ehepartners – im Sinn der Errungenschaftsbeteiligung – gemäss der gesetzlichen Erbfolge unter den Erben aufgeteilt.

Halbehalbe bei der Pensionskasse
Was passiert bei einer Scheidung mit Ihren Pensionskassenguthaben? Hier gilt das Prinzip der hälftigen Teilung – unabhängig vom vereinbarten Güterstand. Das Vorsorgevermögen, welches Sie während Ihrer Ehe angespart haben, wird also geteilt. Verfügen Sie beide über eine Pensionskasse, stehen Ihnen gegenseitig Ansprüche zu. Geteilt wird dann nur der Differenzbetrag. Das bereits vor der Heirat vorhandene Guthaben inklusive darauf erzielter Zinsen bleibt unangetastet. Auch Einmaleinlagen, die aus Eigengut fi nanziert wurden, sind von der Teilung ausgenommen. Das Gericht urteilt, wenn Sie sich nicht einig werden, wie das Vorsorgegeld aufzuteilen ist.

Ob Sie einen Ehevertrag abschliessen wollen, ist ein persönlicher Entscheid. Ein Ehevertrag kann jederzeit abgeschlossen werden, muss aber von beiden Partnern unterschrieben und notariell beglaubigt sein. Vorerst können Sie sich also der romantischeren Hochzeitsplanung widmen.


Der Vorsorgespezialist  

Nils Aggett ist verantwortlich für den Bereich Pension Services und das Thema Vorsorge bei UBS.


Senden Sie Ihre Fragen zur Vorsorge an sh-vorsorgen@ubs.com – und Sie erhalten eine Antwort.

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