Bereit für die Pensionierung?

Spätestens ab Mitte 50 sind wichtige Entscheide im Hinblick auf den Ruhestand zu treffen.

21.10.2013, Nils Aggett (Text) und Raffinerie (Bild)

Meine Pensionierung steht in wenigen Jahren an. Worauf muss ich achten?
Die Renten aus der AHV und dem obligatorischen Teil der Pensionskasse machen zusammen meist nur etwa 60 bis 70 Prozent des früheren Erwerbseinkommens aus. Reicht Ihnen das nicht, sollten Sie beginnen, diese Lücke zu schliessen. Zum Beispiel, indem Sie Einzahlungen in Ihre Pensionskasse und in die Säule 3a (2013 maximal 6739 Franken für Personen mit Pensionskasse) tätigen. Solche Beträge können Sie vom steuerbaren Einkommen abziehen. Dabei lässt sich die Steuerersparnis optimieren, wenn Sie die Einkäufe in die Pensionskasse über mehrere Jahre verteilen. Aber aufgepasst: Nach einem Einkauf dürfen diese Gelder während dreier Jahre nicht bezogen werden. Steht der Pensionierungszeitpunkt an, kommt die AHV-Rente nicht automatisch. Sie müssen Ihren Anspruch drei bis vier Monate vor Rentenbeginn bei der Ausgleichskasse anmelden. Der Bezug des Pensionskassenkapitals ist je nach Kasse sogar bis zu drei Jahre im Voraus anzumelden. Wichtig ist hier das Timing, vor allem für Ehepaare: Verteilen Sie den Bezug von Guthaben aus der 2. und der Säule 3a über mehrere Jahre, um die Steuerprogression zu brechen.

Soll ich von der Pensionskasse eine Rente oder das Kapital beziehen?
Wägen Sie die Vor- und Nachteile der Möglichkeiten sorgfältig ab. Denn wer sich für das Kapital entscheidet, kann später nicht zur Rente wechseln - und umgekehrt. Mit welcher Variante Sie besser fahren, hängt von Ihrer familiären und finanziellen Situation ab. Generell gewährt der Rentenbezug mehr Sicherheit. Sie wissen bis ans Lebensende, welche Beträge Sie erhalten. Der Kapitalbezug bietet Ihnen mehr Flexibilität. Sie haben die Chance, höhere Renditen als die Pensionskasse zu erwirtschaften - womit aber entsprechende Risiken verbunden sind. Unterschiede zwischen Rente und Kapitalbezug bestehen zudem bei den Hinterlassenenleistungen und der Besteuerung. Pensionskassenrenten müssen als Einkommen versteuert werden. Und im Todesfall des Rentenbezügers erhält der überlebende Ehepartner in der Regel nur 60 Prozent der ursprünglichen Rente. Erkundigen Sie sich frühzeitig bei Ihrer Pensionskasse nach den Bezugsmöglichkeiten. Laut Gesetz dürfen Sie mindestens einen Viertel des BVG-Guthabens als Kapital beziehen. Bei vielen Einrichtungen ist es auch möglich, einen Teil als Rente und den anderen als Kapital zu beziehen.

Ich strebe eine Frühpensionierung an. Kann ich mir das leisten?
Das hängt von Ihrer Planung ab. Grundsätzlich reduziert eine Frühpensionierung die Leistungen aus der 1. und der 2. Säule. Wer seine AHV-Altersrente vorbezieht, muss für die ganze Bezugsdauer Kürzungen hinnehmen. Gleichzeitig bleibt man bis zum ordentlichen Pensionierungsalter AHV-beitragspflichtig. Bei der 2. Säule verfügen Frühpensionierte über deutlich weniger Alterskapital, weil sie weniger lange in ihre Pensionskasse einzahlen und der Ertrag aus Zins und Zinseszinsen geringer ausfällt. Bei einer Frühpensionierung müssen Sie also mit einer Einkommenslücke und einer Kürzung Ihrer Pensionskassenrente von mehreren Tausend Franken rechnen. Diese Einkommenslücke können Sie wiederum durch Einzahlungen in Ihre Pensionskasse und in die Säule 3a ganz oder teilweise schliessen. Um unerfreuliche Überraschungen zu vermeiden, ist eine detaillierte Finanzplanung empfehlenswert.

Der Vorsorgespezialist

Nils Aggett ist verantwortlich für den Bereich Pension Services und das Thema Vorsorge bei UBS. Im UBS magazin beantwortet er Vorsorgefragen.


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