SERV - Exportrisikoversicherung

Die Schweizerische Exportrisikoversicherung (SERV) ist eine öffentlich-rechtliche Anstalt des Bundes. Sie löste per 1. Januar 2007 die Schweizerische Exportrisikogarantie (ERG) ab. Das Versicherungsangebot der ERG wurde übernommen und erweitert. Neu kann bei der SERV auch privates Käuferrisiko (PKR) versichert werden, d.h. Bank- oder Staatsgarantien sind nicht mehr in jedem Fall erforderlich.

Mittel- und längerfristige Finanzierungen von Exportgeschäften nach «Emerging Markets» werden in der Regel mit Versicherung der SERV bereitgestellt.

Versicherungsangebot der SERV

Die SERV versichert Lieferungen und Leistungen ins Ausland (Exportgeschäfte) gegen Rückstände im Zahlungseingang oder gegen andere Verluste aus Forderungen gegenüber dem Schuldner.

Zu diesen Exportgeschäften gehören unter anderem die Lieferung oder Vermietung von Konsum- und Investitionsgütern, die Erstellung von Werken, Leistung von Bau-, Ingenieur- und Entwicklungsaufgaben, Beratungsleistungen oder die Überlassung von Lizenzen.

Die einzelnen Versicherungsprodukte:

  • Die SERV versichert den Exporteur ab Versand der Ware gegen das Risiko des Zahlungsausfalls beim Lieferantenkredit (Lieferantenkreditversicherung).
    Wird das Exportgeschäft durch einen Käuferkredit der Bank finanziert, deckt die Lieferantenkreditversicherung das Risiko der Nichtauszahlung ab Versand bis zur Kreditauszahlung.

  • Mit der Fabrikationsrisikoversicherung versichert die SERV die Produktionskosten (Selbskosten) des Exporteurs bis zum Versand der Ware gegen das Risiko des Produktionsabbruchs.

  • Die SERV versichert der kreditgebenden Bank den durch sie zur Finanzierung des Exportgeschäftes gewährten Käuferkredit mit der Käuferkreditversicherung gegen das Risiko des Zahlungsausfalls.

  • Die Absicherung von vertraglichen Verpflichtungen des Exporteurs gegenüber dem Besteller wie zum Beispiel Gewährleistungsgarantien erfolgt durch die Vertragsgarantieversicherung. Sie deckt unter anderem das «unfair calling» von Garantien ab.

  • Mit der Beschlagnahmerisikoversicherung schliesslich werden Konsignationslager oder Messegüter im Ausland gegen die Beschlagnahmung oder verhinderte Wiederausfuhr versichert.

Auslandsanteile

Lieferung und Leistung sollten grundsätzlich schweizerischen Ursprungs sein oder einen Mindestanteil schweizerischer Wertschöpfung am Auftragswert des Exportgeschäftes von 50% aufweisen.

Unterschreitet die schweizerische Wertschöpfung 50%, so kann die SERV ausnahmsweise und auf begründetes Gesuch hin ausländische Zulieferungen bis maximal 70% des Auftragswertes akzeptieren und versichern. Dies kann etwa dann der Fall sein, wenn die betroffenen Zuliefergüter nicht in der Schweiz hergestellt oder beschafft werden können.

Konditionen:

Versichert die SERV Exportgeschäfte mit einem Auslandsanteil von mehr als 50% so erhebt die SERV eine Zusatzprämie von 2.5% auf der Versicherungsprämie pro angebrochene 5% Auslandsanteil über dem kostenlos versicherten Auslandsanteil von 50%.

Beispiel: Bei einem Auslandsanteil von 58% erhebt die SERV einen Prämienzuschlag von 5% auf der Versicherungsprämie.

Voraussetzungen für den Abschluss einer Versicherung

Das Bundesgesetz und die Verordnung über die SERV und die Allgemeinen Geschäftsbedingungen für die einzelnen Versicherungsprodukte der SERV machen verschiedene Auflagen für die Gewährung einer Versicherung durch die SERV. Zu den wichtigsten Voraussetzungen und Bedingungen gehören:

  • Als Exporteur müssen Sie in der Schweiz niedergelassen und im Handelsregister eingetragen sein.

  • Das Exportgeschäft darf nicht gegen schweizerische oder ausländische Vorschriften verstossen. Dazu gehören etwa Einfuhr- und Devisenbestimmungen des Käuferlandes oder Ausfuhrbestimmungen der Schweiz und der anderen Zulieferländer.

  • Inbesondere darf nicht gegen das Bestechungsverbot im Strafgesetzbuch und Bundesgesetz über unlauteren Wettbewerb verstossen werden.

  • Eine Versicherung durch die SERV ist grundsätzlich ausgeschlossen, wenn die Risikolage die Gewährung der Versicherung verbietet oder das Exportgeschäft gegen die völkerrechtlichen Verpflichtungen der Schweiz oder gegen die Grundsätze der Geschäftspolitik der SERV verstösst.

  • Ein Anspruch auf Versicherungsdeckung beginnt mit der Bezahlung der SERV-Prämie. Diese ist innerhalb von 30 Tagen nach Zustellung des Versicherungsvertrages zu begleichen.

  • Für Konsumgüter darf das eingeräumte Zahlungsziel 6 Monate nicht übersteigen. Auf eine An- und Zwischenzahlung kann bei Konsumgütern verzichtet werden.

  • Bei Kapitalgütern wird im Falle eines Kreditgeschäftes eine An- und Zwischenzahlung von 15 Prozent des Lieferwertes bis spätestens zum Zeitpunkt der Lieferung verlangt.
    Das Fabrikationsrisiko ist ab Inkafttreten des Liefervertrages gedeckt, wobei die Deckung des wirtschaftlichen Risikos erst mit Vorliegen allfällig nötiger Sicherheiten (wie zum Beispiel eines Akkreditives) beginnt.

  • Die Kreditfrist beträgt für Kapitalgüterlieferungen im Betrag von 100 000 bis 500 000 CHF zwei bis vier Jahre, für höhere Beiträge fünf Jahre. Für grössere Liefergeschäfte mit Entwicklungsländern werden auch Laufzeiten mit mehr als 5 Jahren gedeckt, dabei wird das OECD-Exportkreditarrangement berücksichtigt.

  • Die Kreditrückzahlung hat grundsätzlich in gleich hohen Semesterraten zu erfolgen. Für spezielle Projekte können auch Annuitäten und degressive, progressive oder variable Rückzahlungsprofile geprüft werden.

Versicherungsantrag

Im Offertstadium haben Sie als Exporteur die Möglichkeit, einen Antrag auf Grundsätzliche Versicherungszusage (GV) an die SERV zu stellen. Im Falle eines positiven Entscheides ist die SERV - bei unveränderten Verhältnissen im Käuferland - für sechs Monate an die Zusage gebunden.

Ein Antrag auf Versicherung von staatlichen Risiken oder dem Risiko von generell von der SERV akzeptierten Banken hat keine Kostenfolge. Wird die Versicherung des Risikos von nicht oder nur fallweise akzeptierten Banken oder von privaten Käufern beantragt, kann die SERV Aufwandprämien zur Abdeckung des Prüfaufwands erheben. Diese richten sich nach dem Auftragswert (resp. den versicherten Selbstkosten bei isolierten Fabrikationsrisikoversicherungen) und werden bei Rechnungsstellung zur Zahlung fällig.

Anträge (sowohl grundsätzliche wie definitive) für die Versicherung von Exportgeschäften von grosser Tragweite (Betrag, Länder- und Projektrisiko, Entwicklungspolitik usw.) werden dem Bundesrat zum Entscheid vorgelegt.

Unabhängig davon, ob Antrag auf GV gestellt worden ist oder nicht, reichen Sie als Exporteur bei der SERV in Zürich Ihren Antrag wie folgt ein:

  • Mit Absicherung des Fabrikationsrisikos: vor oder spätestens bei Abschluss des Liefervertrags.

  • Ohne Absicherung des Fabrikationsrisikos: vor der ersten Lieferung.