Akkreditiv FAQ

Was ist ein Akkreditiv?

Beim Dokumentarakkreditiv handelt es sich um die Verpflichtung einer Bank, im Auftrag des Käufers/Importeurs dem Verkäufer/Exporteur einer Ware oder Dienstleistung bei fristgerechter Einreichung konformer Dokumente einen bestimmten Betrag sofort (Sicht) oder aufgeschoben (Termin) zu zahlen. Das Akkreditiv ist sowohl ein flexibles Zahlungsinstrument wie auch ein kurzfristiges Finanzierungsinstrument

Welches sind die im Akkreditivgeschäft involvierten Parteien?

Auftraggeber = Käufer/Importeur
Beauftragt seine Bank, ein Akkreditiv zu eröffnen.

Eröffnende Bank = Bank des Auftraggebers
Die vom Auftraggeber mit der Eröffnung des Akkreditivs betraute Bank, welche die Verpflichtung für den Auftraggeber eingeht.

Avisierende/bestätigende Bank = Bank des Begünstigten
Avisiert oder bestätigt das Akkreditiv gegenüber dem Begünstigten im Auftrag der eröffnenden Bank.

Begünstigter = Verkäufer/Exporteur
Erhält das zu seinen Gunsten ausgestellte Akkreditiv.

Gibt es Unterschiede zwischen den Bezeichnungen «L/C», «D/C», «Akkreditiv» und «Dokumentarkredit»?

Nein. Es sind verschiedene Bezeichnungen des gleichen Produkts.

Kann das Akkreditiv den Kaufvertrag ersetzen?

Nein. Akkreditive sind ihrer Natur nach von den Kauf- oder anderen Verträgen, auf denen Sie beruhen, getrennte Geschäfte (ERA Art. 4). Allfällige Mängelrügen sind deshalb direkt zwischen Käufer und Verkäufer ausserhalb des Akkreditivs zu regeln. Das Akkreditiv ist ein Instrument, welches die Zahlungs- und Lieferbedingungen des Kaufvertrages widerspiegeln sollte.

Ist die Abwicklung mittels Akkreditiv nicht kompliziert und teuer?

Gegenüber einer Lieferung gegen offene Rechnung oder Vorauszahlung ergibt sich durchaus ein zusätzlicher Aufwand. Dafür ist aber eine Zug-um-Zug-Abwicklung (Ware gegen Zahlung und umgekehrt) möglich, die sowohl dem Exporteur als auch dem Importeur grösstmögliche Sicherheit bietet.

Die korrekte Abwicklung eines Akkreditivs durch die involvierten Banken ist aufwändig und personalintensiv. Die entstehenden Kosten sind dem Nutzen bzw. der Sicherheit gegenüber zu stellen, welche mit dem Akkreditiv erzielt werden.

Ab welchem Betrag lohnt sich der Einsatz eines Akkreditivs?

Es gibt keine allgemein gültigen Regeln. Entscheidend ist in diesem Zusammenhang die Risikopolitik, welche eine Firma betreibt.

Deckt das Akkreditiv auch die Qualität der Ware ab?

Nein. Im Akkreditiv-Geschäft befassen sich alle Beteiligten mit Dokumenten und nicht mit Waren oder Dienstleistungen, auf die sich die Dokumente beziehen können (ERA Art. 5). Um die Qualität einer Warenlieferung sicherzustellen, kann die Ware vor Versand durch eine unabhängige Instanz geprüft werden. In den Akkreditivbedingungen kann dann die Vorlage eines entsprechenden Prüfungszertifikates verlangt werden.

Welche Instruktionen muss der Exporteur dem Käufer erteilen, damit er ein von UBS bestätigtes Akkreditiv, also eine ausgezeichnete Zahlungssicherheit, erhält?

Die Zahlungsbedingungen des Grundvertrages sollten die Eröffnung eines bestätigten Akkreditivs beinhalten. Aufgrund dieser Vorschrift muss der Auftraggeber (Käufer) der Eröffnerbank den Auftrag erteilen, das Akkreditiv von der Bank des Exporteurs (= UBS) bestätigen zu lassen. Für den Verkäufer ist es jedoch ratsam, sich vorher bei UBS zu erkundigen, ob eine Bestätigung möglich ist (wegen erforderlicher Banken- und Länderlimiten) und welche Kosten damit verbunden sind (Bestätigungskommission). Dies vor allem dann, wenn die Ware in ein Schwellenland (sog. Emerging Markets) exportiert wird.
«Proposal for importer's request to issue a confirmed documentary credit»

Kann dem Käufer unter einem Akkreditiv eine Zahlungsfrist gewährt werden und der Exporteur trotzdem sofort zu seinem Geld kommen?

Bei einem von UBS bestätigten Akkreditiv, welches gegen Akzept einer auf UBS gezogenen Tratte benutzbar ist, kann der Exporteur diese Tratte von UBS diskontieren lassen und erhält damit das Geld bei Sicht. Dies trifft auch zu für durch UBS bestätigte Akkreditive, welche durch Negoziierung benutzbar sind, sowie unter gewissen Umständen für durch UBS bestätigte Akkreditive mit aufgeschobener Zahlung.

Gibt es Klauseln in einem Akkreditiv, welche die Zahlungssicherheit für den Exporteur einschränken?

Besondere Aufmerksamkeit verdienen so genannte «soft clauses» oder «stop clauses». Die Erfüllung solcher Akkreditivbedingungen kann durch den Exporteur nicht kontrolliert bzw. wenig beeinflusst werden. Es können z.B. Dokumente verlangt werden, welche durch den Käufer ausgestellt oder gegengezeichnet werden müssen. Der Käufer kann somit die Ausstellung solcher Dokumente verzögern oder gar verhindern, wodurch dem Exporteur die Kontrolle über die Einreichung konformer Dokumente entzogen wird.

Kann der Exporteur sicher sein, die Zahlung unter einem durch UBS bestätigtes Akkreditiv in jedem Fall zu erhalten?

Das bestätigte Akkreditiv bietet nur dann die gewünschte Sicherheit, wenn sämtliche Akkreditivbedingungen wie Fristen, konforme Dokumente, usw. lückenlos eingehalten werden.

Haftet die Bank für gefälschte Dokumente?

Nein. Die Banken übernehmen keine Haftung für Echtheit, Form, Vollständigkeit und Rechts-Wirksamkeit der eingereichten Dokumente (ERA Art. 34).