Die Finanzierung der Energieinfrastruktur in der Schweiz

Von Dr. Andreas Schlatter, Leiter UBS Global Asset Management Schweiz

Die Energiestrategie 2050 des Bundes benötigt Investitionen von über CHF 200 Milliarden. Pensionskassen und Lebensversicherer sind bereit, in die Energieinfrastruktur zu investieren und damit einen Teil der Energiewende zu finanzieren. Eine Anpassung von Regularien sollte ins Auge gefasst werden, um ein noch grösseres Engagement dieser Investoren zu ermöglichen.

Die Energiestrategie 2050 des Bundes ist ein Generationenprojekt. Für den Bau und Betrieb neuer Kraftwerke müssen in der Schweiz bis ins Jahr 2050 schätzungsweise CHF 67 Milliarden aufgewendet werden. Für die Erneuerung des bestehenden Kraftwerkparks rechnet der Bundesrat mit Investitionen in der Höhe von CHF 126 Milliarden. Und für den Um- und Ausbau der Stromübertragungs- und Verteilnetze wird mit geschätzten Investitionen von CHF 18 Milliarden Franken gerechnet.[1] Dies summiert sich zu einem Investitionsvolumen von über CHF 200 Milliarden.

Neue Finanzierungsquellen für die Energiewende

Die Schweizer Energieversorger waren bis anhin in der Lage, die finanziellen Mittel selbst zu beschaffen, um ihre Netze und Kraftwerke à jour zu halten. Da die Versorger zunehmend stark unter Druck stehen und die anstehenden Investitionen sehr gross sind, muss die Finanzierung der Energieinfrastruktur in Zukunft breiter abgestützt werden. Vermehrt wird deshalb über das Engagement von institutionellen Investoren wie Pensionskassen und Lebensversicherer gesprochen, die angesichts sehr tiefer Zinsen nach langfristigen Anlagen mit attraktivem Risiko-Rendite-Potential suchen.

Risiken bei der Finanzierung der Energieinfrastruktur

Worin bestehen die besonderen Risiken für Investoren, die in die Energieinfrastruktur investieren möchten? Anleger sind vorab auf ein stabiles und vorhersehbares regulatorisches Umfeld angewiesen. Denn solche Anlagen haben in der Regel sehr lange Laufzeiten und werden entsprechend langfristig finanziert. Investoren müssen sich deshalb darauf verlassen können, dass einmal gesprochene Fördermassnahmen - wie etwa die kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) für die Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen - für die gesamte Laufzeit des Projekts gelten.

Aus Investorensicht interessieren Projekte, die bereits heute ohne Förderung konkurrenzfähig sind. Dazu zählt etwa der Wärmebereich. Holzheizwerke verbrennen Holz und erzeugen Wärme, die sie an Industrie, Hotellerie oder Privathaushalte zu konkurrenzfähigen Preisen verkaufen. Mit solchen Projekten können Investoren eine angemessene Rendite bei geringem Risiko erzielen. Angesichts nach wie vor tiefer Zinsen in der Schweiz ist dies gerade für Pensionskassen besonders attraktiv.

Renditeerwartungen von Investoren bei Anlagen in Energieinfrastrukturen

Investoren schauen nicht nur auf Risiken, sondern auch auf Renditen. Was ist für institutionelle Anleger eine attraktive Rendite? Die Renditeerwartungen von Pensionskassen für Infrastrukturinvestments setzen sich aus mehreren Komponenten zusammen. So bewegt sich der risikolose Zinssatz in Schweizer Franken über zehn Jahre in der Spanne zwischen 2.0 und 2.5 Prozent. Dazu kommt ein Risikoaufschlag für Regulierungs- und operationelle Risiken von 2.0 bis 2.5 Prozent und eine Illiquiditätsprämie von um 1.0 Prozent. Davon kann eine Renditeerwartung zwischen 5.0 und 6.0 Prozent abgeleitet werden. So viel sollten Energieinfrastrukturanlagen mindestens abwerfen, damit hiesige Pensionskassen im heutigen Umfeld interessiert sind zu investieren.

Finanzierung der Energieinfrastruktur in der Schweiz

Als grösster Asset Manager der Schweiz sehen wir aus eigener Erfahrung, dass Kunden wie Pensionskassen und Lebensversicherungen grundsätzlich daran interessiert sind, in die Schweizer Energieinfrastruktur zu investieren. Wir haben dieses Jahr eine Anlagelösung für institutionelle Investoren aufgelegt, die es ihnen ermöglicht, in die Energieinfrastruktur der Schweiz zu investieren. Wir erwarten, während der zwölfjährigen Laufzeit dieser kollektiven Anlage, eine Rendite von 5.0 Prozent pro Jahr zu erzielen. Diese Anlagelösung trifft auf reges Interesse. Wir durften bereits Zusagen in der Höhe von rund CHF 400 Millionen entgegen nehmen.

Fazit und Ausblick

Damit Anleger vermehrt in die Energieinfrastruktur investieren, müssen die Rahmenbedingungen langfristig vorhersehbar und stabil sowie Renditen von mindestens 5.0 bis 6.0 Prozent erzielbar sein. Wird von der Politik ein vermehrtes Engagement von Pensionskassen und Lebensversicherern bei der Finanzierung der Energieinfrastruktur gewünscht, so sollten die entsprechenden Eigenmittelvorschriften sowie die Anlagerichtlinien für institutionelle Investoren entsprechend angepasst werden.

Dazu sind zwei Massnahmen denkbar: Infrastrukturanlagen sollten genauso als separate Anlageklasse geführt werden wie etwa Immobilien. Zudem sollten die Vorschriften zur Eigenkapitalunterlegung von Infrastrukturanlagen bei Lebensversicherern das dieser Anlageklasse im Schweizer Umfeld zu Grunde liegende Risikoprofil berücksichtigen. Dies würde es institutionellen Anlegern ermöglichen, vermehrt Kapital für diese langfristigen und wenig liquiden Investments zur Verfügung zu stellen und damit einen nachhaltigen Beitrag leisten zur breiteren Abstützung der Finanzierung der Schweizer Energieinfrastruktur.

Dieser Artikel ist eine Kurzfassung der Rede des Autors anlässlich der Infrastrukturtagung UVEK-MIR vom 15.11. 2013 an der EPFL in Lausanne.
1Vgl.: Botschaft zur Energiestrategie 2050

Dr. Andreas Schlatter
Leiter UBS Global Asset Management Schweiz

 

UBS Global Asset Management bietet institutionellen Anlegern die Möglichkeit, sich im Bereich Clean Energy Infrastructure zu engagieren.

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