Swiss Asset Management -
eine Chance für den Schweizer Finanzplatz

Von Dr. Andreas Schlatter, Leiter UBS Global Asset Management Schweiz

Die Schweiz ist bekannt für Private Banking. Dieses befindet sich seit einigen Jahren im Wandel. Der Schweizer Finanzplatz würde deshalb vom Aufbau eines Top-Standorts für Asset Management stark profitieren.

Die institutionelle Vermögensverwaltung in der Schweiz steht seit eh und je weniger im Fokus als das Private Banking. In weiteren Kreisen ist die volkswirtschaftlich wichtige Tätigkeit des Asset Managers kaum bekannt. Dabei bauen Asset Manager Brücken zwischen dem Anlageuniversum und Anlagebedürfnissen verschiedener Kundengruppen. Zu den Kunden von Asset Managern zählen neben Pensionskassen, Versicherungen oder Stiftungen auch Privatinvestoren, deren Vermögen via Mandate und Anlagefonds gemanagt werden.

Asset Manager verstehen ihre Kunden

Asset Manager verstehen die Chancen und Risiken der unterschiedlichen Anlageklassen und kennen die Bedürfnisse der Kunden. Auf Grund ihres Know-hows vermitteln sie ihren Kunden den Zugang zu Anlagen, wählen für sie Investments aus und verwalten diese in ihrem Auftrag. Dabei stellen sie eine gute Diversifikation sicher und managen die Anlagerisiken mit dem Ziel, eine angemessene Rendite zu erwirtschaften.

Keine Asset-Management-Kultur in der Schweiz

Im Unterschied zu anderen Ländern hat sich in der Schweiz keine eigenständige Asset-Management-Kultur etabliert. Dies ist schade, denn damit vergibt sich der Finanzplatz Schweiz eine Chance, sich breiter aufzustellen. Ein „Swiss Asset Management“, das als Brand für hohe Zuverlässigkeit, Unabhängigkeit und für Qualität auf höchstem internationalem Niveau steht, könnte dem Finanzplatz neue Wachstumsperspektiven vermitteln.

Aufbau eines Swiss Asset Management rechnet sich

Bereits im Jahr 2010 hatte das Asset Management in der Schweiz laut einer Studie von Boston Consulting Group (BCG) Erträge von CHF 6 Mia. erwirtschaftet. Bis im Jahr 2015 prognostiziert BCG einen Zusatzertrag von CHF 900 Millionen. Durch den Aufbau eines weltweit anerkannten Asset Management Standortes in der Schweiz könnten gemäss BCG zusätzlich geschätzte CHF 900 Millionen erarbeitet werden.

Schweiz verfügt über gute Karten

Eine Asset-Management-Wachstumsstrategie würde sich also wirtschaftlich lohnen und der Standort Schweiz verfügt über gute Voraussetzungen dafür: das stabile politische, wirtschaftliche und währungsmässige Umfeld, die Verfügbarkeit von gut qualifiziertem Personal, ein liberaler und offener Arbeitsmarkt sowie eine gut ausgebaute Finanzmarktinfrastruktur.

Performance soll sich lohnen

Es gibt jedoch auch Erfolgsfaktoren, an denen gearbeitet werden muss. Ein führender Asset-Management-Standort zeichnet sich durch eine Performance-Kultur aus. Es ist essenziell wichtig, Leistung zu erkennen und anzuerkennen. Mit Mittelmass ist kein Top-Asset-Management-Standort zu etablieren. Dazu gehört auch, dass eine gute Anlageleistung honoriert wird und ihren Preis hat. Ein einseitiger Fokus auf die Kosten bei der Wahl der Anlagestrategie ist eine zu enge Perspektive und nützt langfristig keinem Anleger.

Gute Regulierung ist Wettbewerbsvorteil

Soll der Aufbau eines Top-Standorts für Asset Management in der Schweiz gelingen, so muss sich auch das Verständnis des Regulators und damit der Auftrag an die Finanzmarktaufsicht ändern. Die einseitige Ausrichtung auf Anlegerschutz sollte einer ganzheitlichen Betrachtungsweise weichen. Dies steht keinesfalls im Widerspruch zu einer griffigen Aufsicht. Denn es braucht Vorgaben für organisatorische Massnahmen, durch die Asset Manager zur Vermeidung von Interessenskonflikten verpflichtet werden.

Kein „Swiss Finish“

Eine effiziente und international anerkannte Regulierung erlaubt es, den Marktzugang ins Ausland zu erlangen, respektive zu erhalten, um Asset-Management-Dienstleistungen und -Produkte aus der Schweiz heraus international anbieten zu können. Um dieses Ziel zu erreichen, ist es angezeigt, sich auf international anerkannte Regulierungsnormen abzustützen und auf Schweizer Sonderregelungen („Swiss Finish“) – wo immer möglich - zu verzichten.

Gemeinsam am gleichen Stick ziehen

Die Schweiz verfügt über intakte Chancen, den hiesigen Finanzplatz durch einen international anerkannten Top-Standort für Asset Management aufzuwerten und damit neues Wachstum zu generieren. Die internationale Konkurrenz steht jedoch nicht still. Soll diese Vision tatsächlich in die Realität umgesetzt werden, so ist es höchste Zeit, dass alle Akteure des Finanzplatzes beginnen, gemeinsam an einem Strick zu ziehen. Dazu eingeladen sind neben Asset Managern genauso Banken, Versicherungen und weitere grosse Investoren wie Pensionskassen sowie die Politik, die die regulatorischen Rahmenbedingungen setzt.

Dr. Andreas Schlatter
Leiter UBS Global Asset Management Schweiz