Neue Zürcher Zeitung, 12.02.2005
Was das Leben schön macht
Die UBS Art Collection präsentiert sich der Öffentlichkeit
Durch diverse Fusionen ist die UBS in den letzten Jahren zu einer riesigen Sammlung von Kunst der Gegenwart gekommen. Die besten Stücke hat sie nun in einer UBS Art Collection versammelt und macht sie der Öffentlichkeit zugänglich - virtuell auf einer eigenen Homepage und real vorerst im New Yorker Museum of Modern Art.
Dass sich Bankinstitute im Kunstbereich als Sponsoren engagieren oder etwa einen Kunstpreis vergeben, kommt immer wieder vor. Auch treten Banken gelegentlich als Käuferinnen von Kunstwerken auf, schliesslich wollen die Büros ansprechend dekoriert und auch die Sitzungsräume und Schalterhallen standesgemäss mit Kunst ausgerüstet sein. Ja, immer öfter kommt es auch vor, dass sich Banken sogar in den heiklen Bereich der sogenannten «Kunst am Bau» vorwagen und die Zusammenarbeit mit Kuratoren und Künstlern bei der Gestaltung ihres neuen oder renovierten Gebäude suchen. Wie professionell der Kontakt zwischen Geld und Kunst verläuft, hängt in den meisten Fällen weniger von der grundsätzlichen Haltung eines Konzerns ab, ja nach Prinzipien im Umgang mit der Kunst sucht man in den meisten Firmen vergebens. Vielmehr scheinen es eher einzelne Direktoren oder auch Filialleiter zu sein, die jeweils Ihr ihren Verantwortungsbereich den Auftritt der Kunst bestimmen. Dass dies zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen führt, liegt auf der Hand. Und es ist auch klar, dass dabei eine zusammenhängende Sammlung nicht zustande kommen kann.
Zwei Klassen Das war auch bei den grössten Schweizer Banken so, die während Jahrzehnten ebenso regelmässig wie unkoordiniert vorrangig zeitgenössische Kunst ankauften. Und daran hat im Dezember 1997 auch die Fusion der Bankgesellschaft mit dem traditionell fast noch kunstsinnigeren Schweizerischen Bankverein nichts Grundsätzliches geändert. Immerhin wurden die Bestände der UBS ab 1998 in Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Institut für Kunstgeschichte inventarisiert und in zwei Klassen aufgeteilt: In die Kategorie «(De-)Corum» gelangten die für die «Office Decoration» vorgesehenen Stücke, die anspruchsvolleren Werke wurden der Klasse «Collection» zugeschlagen.
Aber, erst als die UBS im Jahr 2000 mit dem amerikanischen Vermögensverwalter PaineWebber fusionierte, sah sich die Grossbank tatsächlich mit einem echten «Kunstproblem» konfrontiert - denn mit PaineWebber gelangte eine Sammlung von Gegenwartskunst in den Besitz der UBS, deren hohe Qualität nach geeigneten Massnahmen verlangte. Systematisch aufgebaut hatte diese Kollektion Donald B. Marron, der einstige Vorstandsvorsitzende von PaineWebber - und dies nach höchsten Qualitätsmassstäben, was sich schon an den Namen der Künstler ablesen lässt: Jasper Johns, Roy Lichtenstein, Sigmar Polke, Gerhard Richter, Cy Twombly, Andy Warhol, um nur einige zu nennen.
Nach der Fusion mit PaineWebber gab es Überlegungen, den unerwarteten Kunstsegen zu verkaufen - schliesslich gehört Kunst ja nicht zum Kerngeschäft der Grossbank. Es kam jedoch anders. Zunächst führte man die rund 900 Werke der Sammlung PaineWebber mit jenen rund 1700 Werken zusammen, die nach der Fusion von Bankverein und Bankgesellschaft der Kategorie «Collection» zugeschlagen worden waren. Sodann wurden drei Experten (Jean Christophe Ammann, Matthew Armstrong und Toni Schönenberger) eingeladen, unabhängig voneinander aus diesen 2600 Werken die 900 besten Stücke auszuwählen. So entstand, was vor etwa einem Jahr als «The UBS Art Collection» herumzugeistern begann und am 1. Dezember 2004 unter ebendiesem Namen der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Ein kurzer Blick auf die Website der UBS-Collection (http://www.ubs.com/artcollection) genügt, um zu erkennen, dass es sich hier tatsächlich um eine Sammlung von durch und durch museumswürdigen Stücken handelt.
Grosszügige Schenkung Einige dieser Werke sind nun auch im New Yorker Museum of Modern Art (MoMA) zu sehen «contemporary voices» heisst die Schau, und sie wird von einem umfangreichen Katalog begleitet (ein Ausstellungsbericht folgt). Dass das MoMA wenige Wochen nach seiner Wiedereröffnung bereits die Kollektion einer Schweizer Bank zeigt, ist wohl nicht allein auf die hohe Qualität der Sammlung zurückzuführen. 1992 nämlich hatte PaineWebber, deren damaliger Vorsitzender Donald B. Marron auch sonst zu den wichtigsten Sponsoren des MoMA zählt, dem Museum 7 gewichtige Werke geschenkt. Im Jahr 2002 liess die UBS weitere 37 Stücke folgen wobei die Verantwortlichen des MoMA ohne Einschränkungen auswählen durften, welche Werke sie geschenkt haben wollten.
Zunächst geschah all dies in völliger Diskretion. «Zum Zeitpunkt der Schenkung ist dies von Seiten der Bank nicht kommunikativ eingesetzt worden», betont Petra Arends, die der UBS Art Collection als Direktorin vorsteht: «Erst im Zusammenhang mit der geplanten Ausstellung im MoMA haben wir die Idee entwickelt, dass unsere Kunstsammlung einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden soll.» Darauf angesprochen, ob sich vielleicht dereinst auch ein Schweizer Museum nach dem Vorbild des MoMA ein paar Stücke aus der UBS Art Collection aussuchen dürfte, meint Arends indes: «Wenn dies das Ziel gewesen wäre, dann hätten wir die Sammlung ja nicht behalten und noch weniger aufarbeiten müssen.» Denn die UBS Art Collection sei generell nicht nur ein Zeichen nach aussen, sondern auch ein «Wert für unser Haus - auch als Mitarbeiter kann man sich damit identiefizieren».
Nach New York werden die «contemporary voices» noch in anderen Metropolen zu hören sein. Verhandelt wird derzeit mit «ersten Häusern» in London, Paris, Basel, Singapur und Tokio - doch noch seien keine Verträge unterschrieben. Ausserdem wurden Teile der Sammlung auch bereits in Hongkong oder auf dem Züricher Maag-Areal gezeigt, und für Herbst dieses Jahres ist eine grössere Ausstellung in Puerto Rico geplant. Zusätzlich zum Realraum plant die UBS, im Internet mit Hilfe von Animationen spezielle Netz-Ausstellungen zu realisieren.
Um die Qualität von Sammlung und Präsentation auch in Zukunft zu erhalten, hat die UBS Matthias Winzen, den Direktor der Kunsthalle Baden-Baden, als Kurator verpflichtet und lässt sich ausserdem von einem aus internationalen Experten zusammengesetzen «Advisory Board» beraten.
Kunst ist ein «Spiegel der Zeit» und «das, was das Leben schön macht», fasst Petra Arends die Gründe für ihr persönliches Engagement zusammen. Wie hoch der Ankaufsetat ist für das, was das Leben schön macht, will die Juristin nicht verraten. Wahrscheinlich dürfte ihr mehr Geld zur Verfügung stehen als den meisten Schweizer Museen - und Arends weiss: «Wer eine Sammlung aufrecht und lebendig erhalten will, muss auch Werke aufkaufen können».
von Samuel Herzog
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