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Tages Anzeiger, 10.02.2005

 

UBS - Kunst für das eigene Portfolio

 

Die UBS darf ihre Sammlung zeitgenössischer Kunst im New Yorker MoMA zeigen. Aber anders als bei Aktien garantieren in der Kunst Blue Chips allein keinen Gewinn.
 

 

Keine drei Monate sind seit der Wiedereröffnung des umgebauten und erweiterten Stammhauses des Museum of Modern Art (MoMA) in Manhattan vergangen, und der Schall von Pauken und Trompeten ist noch nicht ganz verklungen. Da sich die Aufmerksamkeit von Medien und Publikum im letzten Herbst hauptsächlich auf die Architektur sowie auf die neue Präsentation der umfangreichen Sammlung des MoMA beschränkte, gingen die Eröffnungsausstellungen damals im allgemeinen Rummel unter.

Mit umso mehr Spannung wurde daher «Contemporary Voices: Works from The UBS Art Collection» (siehe TA vom 16.12.2004) erwartet, die erste offizielle Schau in den für Wechselausstellungen vorgesehenen Räumen des Museums. Bei den «Contemporary Voices», den zeitgenössischen Stimmen, handelt es sich um jene von 51 amerikanischen und europäischen Künstlern. Zu sehen sind rund 80 Werke aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, angefangen bei Bildern von Philip Guston und Willem de Kooning bis hin zu Fotografien von Cindy Sherman und Thomas Struth. 44 der gezeigten Arbeiten sind Schenkungen des Schweizer Bankgiganten UBS an das Museum of Modern Art.

 

Die UBS ist seit langem bekannt als Sponsor internationaler Kunstereignisse, allen voran der Art Basel und der Art Basel Miami Beach. Doch dass die UBS nun selbst Objekt einer Ausstellung in einem der weltweit bedeutendsten Museen für moderne Kunst ist, dürfte einigermassen überraschen.

 

Gewiss - vorgestellt wird im MoMA nicht der Konzern UBS, sondern ein Teil der Kunstsammlung der UBS, der UBS Art Collection. Doch der Rahmen für diesen Auftritt könnte nicht gediegener, der Werbeeffekt für die UBS nicht grösser sein.

 

Kunst in den Hallen des Kapitals

Die heutige UBS Art Collection nahm ihren sehr bescheidenen Anfang in den 70er Jahren, als Bankverein und Bankgesellschaft wie viele andere Unternehmen entdeckten, wie gut in den Hallen des Kapitals ein bisschen Kunst ankommt. Über Sammlungsziele oder Sammlungskonzepte machte sich allerdings niemand ernsthafte Gedanken. Dies änderte sich, als die mittlerweile aus Bankverein und Bankgesellschaft hervorgegangene UBS vor fünf Jahren den amerikanischen Vermögensverwalter PaineWebber aufkaufte; eine Firma, deren CEO Donald Marron sich über Jahrzehnte hinweg persönlich um den Aufbau einer unternehmenseigenen Kunstsammlung gekümmert hatte.

 

Die UBS Art Collection verlor über Nacht ihre dekorative Belanglosigkeit und fand PaineWebber sei Dank in Kunstkreisen und darüber hinaus plötzlich Beachtung. Marron gilt auch als eigentlicher Architekt des UBS-MoMA-Projekts. Als langjähriges Mitglied und gegenwärtiger Vizevorsitzender des MoMA-Verwaltungsrats suchte Marron schon seit geraumer Zeit für einen Teil der PaineWebber-UBS-Sammlung einen bleibenden prominenten Platz.

 

Petra Arends, Direktorin der UBS Art Collection, erklärt mit dieser Verbindung den Umstand, dass die UBS mit ihrer Gabe ein amerikanisches und nicht ein Schweizer Museum beglückt. Man wolle als Unternehmen die UBS Art Collection zu einer führenden Sammlung zeitgenössischer Kunst ausbauen, so Arends, daher seien auch keine weiteren Schenkungen an Museen geplant. Zwei Begriffe, die im Gespräch mit der ehemaligen Privatbankerin fallen, lassen aufhorchen: «Boutique-Charakter» und «Blue Chips».

 

Boutique Charakter strebt Arends für die UBS Art Collection an. Übersetzt heisst das wohl: Die UBS Sammlung soll publikumsfreundlich und portfoliotauglich sein. Keine Experimente, keine Wagnisse, sondern Konzentration auf Aktien mit guten Renditechancen, auf so genannte Blue Chips. Bereits wurde die ursprünglich 2600 Werke umfassende UBS Art Collection auf 900 solcher Blue Chips reduziert. Der Büroschmuck bleibt als Büroschmuck im Besitz der UBS. Blue Chips, sprich Kunstwerke, hingegen werden von nun an gepflegt und gezielt gesammelt.

 

Wie eine Auktionsvorbesichtigung

Wie gut, dass sich eine Institution wie das MoMA als Plattform anbietet - oder anbiedert? «Contemporary Voices» überzeugt als Ausstellung jedenfalls nicht. Die Liste der vertretenen Künstler liest sich wie das Inhaltsverzeichnis eines Auktionskatalogs, und die Ausstellung selber wirkt profillos und steril.

 

Zieren die Susan Rothenbergs und Christopher Wools, der Georg Baselitz und der Damien Hirst wirklich die Wände des Museum of Modern Art, oder befindet man sich nicht doch in einer Vorschau bei Sotheby's oder Christie's? Sind die Unterschiede zwischen Sammlungstätigkeit und Sammlungszielen eines Museums und jenen von Privatsammlern und Unternehmen inzwischen wirklich derart geschrumpft? In «Contemporary Voices: Works from The UBS Art Collection» wird man den Verdacht nicht los, dass das MoMA den Schritt von Kultur zur Unternehmenskultur längst getan hat.

 

«Contemporary Voices: Works from The UBS Art Collection» ist noch bis am

25. April im Museum of Modern Art in New York zu sehen.

 

von Sacha Verna

 

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