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Basler Zeitung, 26.09.2005

  

"Natürlich hat auch unser Herz mitgeschlagen"

 

Marcel Ospel, Ernst Beyeler und die UBS Art Collection in Rhien

 

baz: Herr Ospel, schön, dass Sie extra für dieses Interview nach Basel gekommen sind!

  
Marcel Ospel: Ich war heute Morgen schon da.

 

baz: Wohnen Sie schon in Wollerau?


Ospel: Nein. Aber das ist nicht Gegenstand des Interviews.

 
baz: Herr Beyeler, Sie werden in der Fondation noch in diesem Jahr die UBS Art Collection zeigen. Was werden die Basler sehen?

 
Ernst Beyeler:
Sie werden eine internationale, vielseitige Sammlung sehen, die erstmals in Europa gezeigt wird.

 
baz: Zeigen Sie in der Fondation die gleichen Bilder, die Anfang Jahr im Museum of Modem Art in New York zu sehen waren?

 
Beyeler: Wir konnten eine eigene Auswahl treffen. Wir zeigen rund 70 Bilder. Die Auswahl, die im MoMA zusehen war, haben wir um ein paar Bilder ergänzt, die uns wichtig schienen.

 
baz: Was ist neu dazugekommen?

 
Beyeler: Zum Beispiel drei Bilder von Franz Gertsch. Auch die grosse Fotoarbeit «Aletschgletscher» von Andreas Gursky ist dazugekommen. Es handelt sich um ein paar zusätzliche Positionen, die uns ganz interessant schienen für das Publikum der Fondation.

 
baz: Herr Ospel, was waren die Beweggründe der UBS, ihre Kunstsammlung nach dem MoMA nun in Riehen auszustellen?

  
Ospel: Wir wollen ausgewählte Werke der UBS Art Collection einem breiteren Publikum zugänglich machen. Wir haben uns darum zu einer Wanderausstellung entschieden, die im MoMA Premiere hatte. Ab November sind die Bilder nun in der Fondation zu sehen. Das MoMA machte den Anfang, weil ein grosser Teil der UBS Art Collection in New York gesammelt wurde. Diese Sammlung kam vor fünf Jahren mit der Übernahme von Paine Webber in den Besitz der UBS.

 

baz: Nun kommt die Sammlung also nach Basel. Hat das auch mit Lokalpatriotismus des Marcel Ospel zu tun?

   

Ospel:  Wir haben auch andere Häuser in Betracht gezogen. Aber es gibt in der Schweiz nicht viele Museen von der Qualität der Fondation. Natürlich hat beim Entscheid für die Fondation auch unser Basler Herz mitgeschlagen. Komm dazu, dass die Fondation auch verfügbar war. Sie hatte freie Kapazitäten in diesem Herbst.

 
baz: Was bedeutet Ihnen persönlich die Fondation?

  

Ospel: Das ist eine der ganz wichtigen Kunstplattformen in der Region. Wir verdanken Ernst Beyeler sehr viel. Die UBS hat von Anfang an eine Partnerschaft mit der Fondation gepflegt.

  
baz: Ist die UBS als Sponsor bei der Fondation engagiert?

 

Ospel:  Immer wieder. Wir pflegen verschiedene Formen der Zusammenarbeit.

 
baz: Herr Beyeler, inwiefern ergänzt die UBS Sammlung die Sammlung der Fondation?

 

Beyeler: Die UBS Sammlung ergänzt die Sammlung der Fondation Beyeler nicht. Während unsere Sammlung über Jahrzehnte hinweg aufgebaut wurde, ist die Firmensammlung der UBS fast über Nacht entstanden. Gerade dies hat uns gelockt.

  

  

"Bei uns ist die Sammlung organisch gewachsen. Die UBS-Sammlung ist eine Kreation sui generis." Ernst Beyeler

   

     
baz: Herr Beyeler, was ist die besondere Qualität der UBS Sammlung?

 

Beyeler: Das bedingt ein vertieftes Studium. Bei uns ist die Sammlung organisch gewachsen. Die UBS Sammlung ist eine Kreation sui generis. Das hat uns aber nicht gestört.

 
baz: Haben Sie ein Lieblingsbild in dieser Sammlung?

 

Beyeler: Spontan hat uns das Bild von Brice Marden besonders gefallen. Das ist ein Bild, das unseren Qualitätsvorstellungen entspricht. Dieses Bild könnte man problemlos in unsere Sammlung integrieren. Viele der anderen Bilder sind dazu nicht geeignet. Sie brauchen einen anderen Kontext.

 
Ospel: Ist es dieses Bild? (Marcel Ospel zeigt eine Abbildung im Katalog)

 
Beyeler:  Ja, «Chinese Dancing».

  
baz: Herr Ospel, dart ich Ihnen dieselbe Frage stellen? Welches ist Ihr Lieblingsbild in der UBS Art Collection?

 

Ospel: Schauen Sie, da hat es Baselitz, Gertsch, Richter, Jasper Johns, de Kooning - hoch aktuell in der Stadt und viele andere, die mir gefallen. Ich möchte kein einzelnes Werk herausgreifen.

 
baz: Worin sehen Sie die besondere Qualität der UBS Sammlung?

 

Ospel: Sie ist von Anfang sehr fokussiert aufgebaut worden. Die Leute von Paine Webber haben diese Bilder mit grossem Geschick zusammengebracht. Viel umsichtiger und zusammenhängender als wir, als der Bankverein und die Bankgesellschaft es je gemacht haben. Dennoch haben auch Werke aus den Sammlungen der beiden Schweizer Banken Eingang in die UBS Art Collection gefunden.

 
baz: Herr Ospel, welches sind die nächsten Stationen für die UBS Art Collection? Bekommt die Sammlung dereinst ein eigenes Museum?

   

Ospel: Die Stationen der Wanderausstellung sind noch nicht festgelegt. Wir wollen aber kein eigenes Museum, sondern unsere Kunstsammlung an verschiedenen Orten auf der ganzen Welt zeigen.

  

baz: Herr Beyeler, als die UBS ihre Art Collection im MoMA zeigen konnte, schenkte sie dem Museum einige Bilder. Bekommt die Fondation ebenfalls Bilder dafür, dass sie die UBS Art Collection zeigt?

  
Beyeler: Wir haben über die Abmachungen Stillschweigen vereinbart.

  
Ospel: Ich möchte präzisieren: Der ehemalige Leiter von PaineWebber war lange Jahre Präsident bzw. Vizepräsident des MoMA. Er hat seine Firma davon überzeugt, dass das MoMA dereinst einen Teil der Sammlung erhalten soll. Diese Abmachung wurde getroffen, bevor die UBS PaineWebber übernommen hat. Die Bilder, welche die UBS dem MoMA geschenkt hat, waren also keine Entschädigung für die Ausstellung der UBS Collection im MoMA, sondern eine Schenkung, die eine ganz andere Geschichte hat.

 
baz: Herr Beyeler, was erwarten Sie von dieser Ausstellung? Wird das ein Publikumsrenner?

 
Beyeler: Wir haben uns schon sehr oft getäuscht bei solchen Prognosen. Die Blumenausstellung wurde ein unerhörter Erfolg. Auch die Magritte Ausstellung sprengt zurzeit alle unsere Erwartungen. Ich wage keine Prognosen. Ich denke aber, dass es wichtig ist für unser Museum, offen zu sein für derart ungewöhnliche Projekte wie die bevorstehende Ausstellung.

  
baz: Herr Ospel, was ist Ihre Erwartung an diese Ausstellung?

  
Ospel: Wir wollen die UBS Art Collection einerseits einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen. Andererseits wird die Ausstellung aber auch ein Ort sein, den wir mit unseren Mitarbeitern und unseren Kunden besuchen werden. Wir wollen einen für alle maximalen Wert aus derartigen Beteiligungen schöpfen.

  
Beyeler: Es ist doch für den Standort Basel grossartig, dass zwei wichtige Institutionen von dieser Ausstrahlung sich für ein solches Projekt gefunden haben.

 

Contemporary Voices. Die UBS Art Collection zu Gast in der Fondation Beyeler.

27. Nov. 2005 bis 26. Feb. 2006

www.beyeler.com

www.ubs.coml4lartcollection

 

von Christoph Heim

        

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