Die Zeit, 15.12.2005
KUNSTMARKT Ein Rothko fürs Büro
Ob eine Firmenkunstsammlung gelingt, hängt meistens vom Vorstand ab
Die Schweizer Großbank UBS besitzt eine der beeindruckendsten Firmenkunstsammlungen weltweit, wie man derzeit in der Fondation Beyeler in Riehen bei Basel (bis zum 26. Februar 2006) sehen kann. Immerhin 900 Gemälde, Zeichnungen, Skulpturen und Fotografie wurden bislang zusammengetragen. Und immer noch wächst die Sammlung. »Sie soll aktiv bleiben«, sagt die Direktorin Petra Arends. Das heißt: Es wird gekauft. Der Etat dafür liegt gewiss über dem der meisten öffentlichen Museen, genaue Zahlen allerdings will die Bank nicht nennen. Auch äußert sie sich nicht über die Größe der Verkäufe. »Die Sammlung ist kein Investment«, betont Frau Arends, »sie muss sich durch Umschichtung selbst tragen.«
UBS hatte dank der Fusion mit der PaineWebber Bank im Jahr 2000 etliche Kunstwerke geerbt, die seit den sechziger Jahren erworben wurden. » Als nur noch die drei Initialen UBS als Einzelmarke übrig geblieben waren«, sagt Petra Arends, »war die große Frage, was machen wir mit der ganzen Kunst? Da gab es zwei Möglichkeiten: verkaufen oder sie aktivieren, ganz im Sinne der Philosophie der Bank und ihrer vielen kunstsammelnden Kunden?«
Man entschied sich für die zweite Lösung. Mit Hilfe einiger Experten wurden 3500 Werken herausgefiltert, viele davon stammen von namhaften Kunstlern wie Lucian Freud, Gerhard Richter, Brice Marden, Andy Warhol oder Neo Rauch. Und man suchte sich renommierte Partner für die eigenen Sammlungsaktivitäten, zum Beispiel das MoMA in New York, Beyeler in Basel oder die Tate Modern in London.
Waren die Ankäufe zunächst als »nicht unbedingt provozierende Büroausstattung« gedacht, wie Petra Arends einräumt, so begann man doch vor einigen Jahren konsequent zu sammeln. Durch die Ausstellungsaktivitäten, die rund um den Globus ausgeweitet werden sollen, können dann viele Mitarbeiter ihre frühere Bürodekoration nur noch im Internet bewundern (www.ubs.com/artcolletion.de).
Hat die Fusion die beiden Sammlungen für die UBS gestärkt zusammengeführt, so sind Zusammenlegungen von Firmen nicht immer eine Garantie für ihren Erhalt, ganz im Gegenteil. Nach der Übernahme von Seagram durch Vivendi Universal wurde im Frühjahr 2003 bei Christies und Phillips de Pury Luxembourg in New York der legendäre Bilderschatz versteigert mit Spitzenwerken von Picasso, Mark Rothko, Lany Rivers und auch mit zeitgenössischer Fotografie. Ebenso wurde das von Mies van der Rohe und Philip Johnson erbaute New Yorker Seagram Building veräußert. Auch wenn dabei hohe Preise erzielt wurden, bleibt offen, ob das bei den derzeit rasant ansteigenden Auktionspreisen für Kunst eine gute Entscheidung war.
Es gibt Institute, die auf kontinuierliches Wachsen ihrer Sammlungen setzen, wie beispielsweise die Deutsche Bank, die allein mit mehr als 50 000 Arbeiten auf Papier die weltweit größte Firmensammlung aufweist und so hofft, ihren kulturellen Ruf zu festigen. In eher bescheidener Manier sammelt hingegen seit zehn Jahren die Förderbank des Bundes, die sich vor allem auf zeitgenössische Kunst konzentriert, weniger aus Prestigegründen als vor allem für die Mitarbeiter. Dabei hat sie einige glückliche Entscheidungen getroffen: Großformatige Arbeiten von Karin Kneffel, Elger Esser und Katharina Grosse gehören mit dazu.
»Eine Firmensammlung steht und fällt zumeist mit dem Engagement des Vorstands«, sagt der heutige Präsident der Akademie der Künste in Wien, Stephan Schmidt Wulffen. Für die Südwest LB in Stuttgart hat er von 1992 bis 1999 mit einem Budget von acht Millionen Mark eine internationale Sammlung zeitgenössischer Kunst aufgebaut. Damals kaufte er Werke von Künstlern wie ElisabethPeyton, Raymond Pettibon, Jorge Pardo, die mittlerweile im Wert um ein Vielfaches gestiegen sind. Seit der Fusion mit der Landesgirokasse zur Landesbank Baden Württemberghat sich der Sammlungsfokus in Richtung zeitgenössischer deutscher Kunst verschoben. Der Kurator Lutz Casper, der über 2500 Arbeiten verfügen kann, von der Grafik bis zu großformatigen Bildern von Baselitz, Polke und Richter, leiht die Werke auch gem an wichtige europäische Museen aus. »In Einzelfallen verkaufen wir sogar, dort, wo es Überschneidungen gibt«, sagt er. Und so halten denn auch die Firmensammlungen den Kunstmarkt munter am Leben.
von Claudia Herstatt
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